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Beetzendorfer Bürgermeisterkandidaten Enrico Lehnemann und Nadine Sczyslewski stellten sich vor

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Von: Christian Reuter

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Die beiden Beetzendorfer Bürgermeisterkandidaten Enrico Lehnemann (l.) und Nadine Sczyslewski stellten sich in Tangeln der Öffentlichkeit vor, Beetzendorfs Vize-Bürgermeister Dietmar Sommer moderierte die Veranstaltung. © Christian Reuter

Enrico Lehnemann und Nadine Sczyslewski wollen am 6. März zur Bürgermeisterwahl in Beetzendorf antreten. Am Dienstagabend, 15. Februar, stellten sich die beiden Kandidaten den Bürgern bei einer öffentlichen Versammlung im Dorfgemeinschaftshaus in Tangeln vor.

Tangeln. „Die Bürgermeisterwahl ist eine wichtige Wahl und neben der Landratswahl die einzige, bei der der Bürger direkt wählen kann“, sagte Beetzendorfs Vizebürgermeister Dietmar Sommer, der die Veranstaltung moderierte. Er dankte den beiden Kandidaten, dass sie sich zur Wahl stellen und betonte: „Das Amt ist kein leichtes, man muss auch mit Gegenwind rechnen.“

Zuerst stellte sich Enrico Lehnemann vor. „Ich finde es schön, dass es zwei Kandidaten gibt. Ich wünsche uns beiden viel Glück und mir ein bisschen mehr“, sagte der 50-Jährige und sorgte damit gleich zu Beginn für Heiterkeit im Saal.

Lehnemann, in Osterburg geboren, ist gelernter Landmaschinen- und Traktorenschlosser, hat Umweltverfahrenstechnik studiert und als Konstrukteur und Projektleiter in der Automobilindustrie gearbeitet. Seit 2019 ist er im Beetzendorfer Stölpenbad als Rettungsschwimmer tätig. Schon seit gut 20 Jahren lebt er mit seiner Familie, zu der heute drei schulpflichtige Kinder gehören, in Groß Gischau.

Seine Kandidatur als Bürgermeister begründet Enrico Lehnemann so: „Ich bin seit vielen Jahren ehrenamtlich tätig.“ Seit 2019 ist er Mitglied des Beetzendorfer Gemeinderates, in der Fraktion des Bürgerforums. „Ich bin politisch unabhängig“, charakterisiert sich der 50-Jährige selbst. Außerdem engagiert er sich als Interessenvertreter von Gischau und in der Initiative „Gesunde Region Beetzendorf“.

„Es ist mir wichtig, die Interessenvertreter für die Dörfer und die Dorfgemeinschaftshäuser zu erhalten. Wir brauchen die Verbindung zu den Altgemeinden“, betonte Lehnemann. Außerdem sind ihm die vielen Leerstände in Beetzendorf ein Dorn im Auge. Da müsse dringend etwas gemacht werden, vielleicht in Form eines Leerstandsmanagements. Zum Thema Hort- bzw. Kitaneubau in Beetzendorf meinte der Familienvater: „Eine riesige Kita halte ich für keine gute Idee. Ich halte es für unsinnig, die Kita Tangeln zu opfern für eine Kita mit 250 Kindern.“

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Etwa 15 Bürger waren am Dienstagabend, 15. Februar, ins Dorfgemeinschaftshaus in Tangeln gekommen, um die Vorstellung der beiden Bewerber um das Beetzendorfer Bürgermeisteramt zu verfolgen. © Christian Reuter

Weiterhin wolle er sich als Bürgermeister einsetzen, die Radwege zu verbessern. „Das liegt mir am Herzen.“ Als Beispiele nannte Lehnemann den Altmarkrundkurs, den man von Mellin aus nach Klötze anschließen könnte und die Strecke von Tangeln nach Beetzendorf, die auch einen Radweg bekommen sollte. Der Groß Gischauer bezeichnete sich als „bodenständigen Altmärker mit Leib und Seele“.

Nadine Sczyslewski ist 41 Jahre alt, in Staßfurt geboren. Sie hat Berufsschullehramt studiert und arbeitet seit 2006 an der Berufsschule in Stendal. Seit 2010 lebt sie mit ihrem Mann und den drei Kindern in Beetzendorf.

Den Wunsch, Bürgermeisterin zu werden, habe sie schon sehr lange, seit ihrer Kindheit. „Schon als Kita-Kind war ich auf Gemeinschaft ausgerichtet und habe versucht Streit zu schlichten“, erinnerte sich Sczyslewski zurück. Heute seien für sie Frauen, die die Gesellschaft verändert haben, ein großes Vorbild. „Beetzendorf braucht Frauenpower“, zeigte sich die 41-Jährige kämpferisch. Unter anderem treibe sie Ungerechtigkeit an und ihr Ehrgeiz.

Ihren vermeintlichen Nachteil gegenüber ihrem Mitbewerber räumte Nadine Sczyslewski gleich selbst ein: Sie sei bisher politisch noch nicht aktiv gewesen, dafür aber unabhängig. „Ich möchte bürgernah auftreten und Empathie zeigen.“

Was möchte sie als Bürgermeisterin erreichen? Sie wolle generationenübergreifend wirken. Dabei nannte sie als Beispiele einen Spielplatz für alle Generationen und Mehrgenerationenhäuser. „Ich finde es wichtig, das Vereinsleben wieder mehr in den Fokus zu rücken. Die Orte müssen bunter gestaltet werden, wir müssen wieder mehr Leben auf die Straßen bringen“, führte die Berufsschullehrerin aus. Außerdem müsse die Digitalisierung der Infrastruktur ausgeweitet werden.

Zum Thema Hort sagte die Kandidatin: „Der Schwerpunkt liegt auf der Verbandsgemeinde. Es muss schnell zu einer Einigung kommen.“

Nach der Vorstellungsrunde hatten die Bürger die Möglichkeit, Fragen an die beiden Bewerber zu stellen. Jürgen Benecke, Mitglied des Beetzendorfer Gemeinderates, wollte von Enrico Lehnemann wissen, wie er das Bürgermeisteramt mit seinem Job als von der Gemeinde beschäftigter Rettungsschwimmer verbinden wolle. Lehnemann wäre dann ja sein eigener Angestellter.

Er habe sich vorher bei der VG informiert, ob das möglich sei, erwiderte Lehnemann. „Das sei kein Problem, später hieß es, das gehe doch nicht.“ Die Kandidatur zum Bürgermeister sei für ihn sehr wichtig. Er wolle das jetzt durchziehen. Ihm sei schon bewusst, dass er wohl als Gemeindearbeiter aufhören müsste, wenn er zum Bürgermeister gewählt würde. „Aber wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf“, gab sich der 50-Jährige optimistisch.

Eine Frau aus Tangeln wollte wissen, was die Gemeinde machen könne, um kleine Kitas zu erhalten. „Es wird zu viel geschaut, was ein Kind kostet. Das ist schade“, sagte Lehnemann. Die Gemeinde stelle den Platz für einen Hort- bzw. Kitaneubau und außerdem noch 300.000 Euro plus 60.000 Euro für den Abriss des Schornsteins zur Verfügung.

Nadine Sczyslewski meinte, die Gemeinde habe wenig Spielraum. „Kleine Kitas sind erhaltenswert, es müssen aber Bildungsprogramme umgesetzt werden, und das ist in kleinen Kitas schwieriger.“ Bei der Kita in Mehmke stehe sie im Zwiespalt zwischen Erhalt und Schließung.

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