Wieland Wilmerstaedt: „Es gibt gar keinen Plan“

Beetzendorf: Fahrschulbesitzer darf wegen Corona nicht ausbilden

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Fahrschulinhaber Wieland Wilmerstaedt darf derzeit keine Schüler ausbilden, weder theoretisch noch praktisch. Der 55-Jährige hofft, dass er seinen Betrieb bald fortführen kann.

Beetzendorf – Die Corona-Krise trifft vor allem die Wirtschaft sehr hart. Neben der Gastronomie hat auch die Fahrschulbranche mit existenziellen Sorgen zu kämpfen. Denn die Fahrschulen dürfen seit der ersten SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung vom 18. März keine Schüler mehr ausbilden, weder theoretisch noch praktisch.

„Zwei bis drei Monate halte ich das noch durch, länger aber nicht. Für manche Fahrschulen ist es jetzt schon arg an der Existenzgrenze“, klagt Fahrschulinhaber Wieland Wilmerstaedt, der seinen Betrieb, wenn er es denn darf, in Beetzendorf, Diesdorf und Wittingen betreibt.

Schließlich habe er jeden Monat auch laufende Kosten wie mehrere Versicherungen für die Fahrzeuge und Fahrlehrer sowie die Leasing-Raten für die Fahrschulautos zu bezahlen. Nur weil er noch ein finanzielles Polster besitze, habe er die Zahlungsverpflichtungen vorerst noch nicht abgemeldet. Für die fünf bei ihm beschäftigten Fahrlehrer habe er ab April Kurzarbeitergeld beantragt.

Es sei in Sachsen-Anhalt nicht gestattet, den Theorieunterricht online anzubieten. Und auch die nicht stattfindenden Praxisübungen würden sich auswirken: „Leider wird diese erzwungene Ruhepause zur Folge haben, dass nach der Öffnung der Fahrschulen ein gewisser Stau entstehen wird“, befürchtet Wilmerstaedt.

Zurzeit seien rund 100 Schüler in mehreren Lehrgängen von der Zwangsstilllegung der Fahrschule betroffen. Besonders bitter war die Schließung der Fahrschule für einen Lehrgang mit mehrere Pkw- und auch drei Lkw-Fahrschülern. Denn die Teilnehmer standen nur einen Tag vor der Prüfung. „Die Lkw-Fahrschüler brauchen die ja beruflich und müssen nun warten, wie wir auch“, berichtet Wilmerstaedt, der auch im Vorstand des Landesverbands der Fahrschulen mitwirkt. Von diesem habe es bisher leider noch keine Empfehlungen gegeben, wie der Betrieb weitergehen könnte. Von „ganz oben“ auch nicht. „Es gibt gar keinen Plan. Wir sind wohl für die Politik nicht so von Bedeutung“, klagt der 55-Jährige. Ohnehin seien nur etwa ein Drittel der Fahrschulen im Verband organisiert.

Wie der Praxisunterricht demnächst aussehen könnte, darüber hat Wilmerstaedt schon nachgedacht. In Taxis gebe es Plexiglasscheiben als Abtrennung zwischen Fahrer und Fahrgast. Dies sei aber für die Fahrschulautos keine Lösung. „Im Notfall muss ich ja schnell handeln, auch mal ins Lenkrad greifen können. Das ist mit einer Plexiglasscheibe nicht machbar.“

Vielleicht könnten ja Fahrlehrer und Schüler mit Mundschutz im Auto sitzen? Auch dies sieht Wieland Wilmerstaedt sehr kritisch: „Ich habe heute beim Einkaufen eine Maske getragen und schon das als Belastung und anstrengend empfunden, denn das ist ein riesengroßer Unterschied.“ Im Auto könne er sich das erst recht nicht vorstellen, denn dort sitze er rund acht Stunden am Tag. Man könne wegen der Maske nicht richtig ausatmen, was auch gefährlich werden könnte: Die Konzentrationsfähigkeit könnte wegen des Kohlendioxidausstoßes leiden. Zumal ein Fahrlehrer im Auto viel sprechen, weil erklären müsse.

Wieland Wilmerstaedt hofft, dass er den Betrieb seiner Fahrschule so schnell wie möglich wieder fortführen kann. „Uns wäre schon sehr geholfen, wenn wenigstens die Moped- und Motorradfahrschüler wieder auf die Straße dürfen“, sagt er. Dort wäre der geforderte Abstand ja auch gegeben. Wilmerstaedt regt an, die Landkreise, konkret, die Straßenverkehrsämter, mehr in die Entscheidungen einzubinden.

VON CHRISTIAN REUTER

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