Konzepte für Beverhol im Bauausschuss vorgestellt

Beetzendorf: „Ein Swingerclub ist kein Puff“

+
Der Beetzendorfer Bauausschuss traf sich am Dienstag in der Grund- und Sekundarschule. Auch zahlreiche Gemeinderäte und Einwohner waren gekommen. Das Investorenpaar Ramona Wild und Oliver Körtner (vorne links) stellte sein Konzept zum Beverhol vor, genauso wie Dr. Wilfried Schröder (vorne rechts) für die Bürgerinitiative.

Beetzendorf – Ein brisantes Thema stand am Dienstagabend auf der Tagesordnung des Beetzendorfer Ausschusses für Bau, Ordnung und Umwelt. Es ging um zwei Konzepte zum Beverhol, das eine vom Investor Oliver Körtner, das andere von einer Bürgerinitiative.

Dies klingt erst mal recht harmlos, Brisanz erhält das Ganze aber dadurch, dass Oliver Körtner und seine Partnerin Ramona Wild in dem von ihnen bereits gekauften Gutshauskomplex am Beetzendorfer Park eventuell auch einen Swingerclub etablieren wollen.

Und weil dieses Thema die Beetzendorfer bewegt, waren zur Ausschusssitzung in der Aula der Grund- und Sekundarschule nicht nur die Ausschussmitglieder, sondern auch zahlreiche Einwohner und Ratsmitglieder gekommen.

Als Erste hatten Ramona Wild und Oliver Körtner die Gelegenheit, ihr Konzept zum Beverhol vorzustellen. „Wir wollen das Objekt wieder in altem Glanz erstrahlen lassen, haben uns auch schon mit dem Denkmalschutz zusammengesetzt“, sagte Wild. Dabei ist dem Paar aus Celle die Dimension ihres Vorhabens durchaus bewusst: „Dass riesengroße Kosten auf uns zukommen werden, war uns klar. Wir rechnen mit einem Investitionsaufwand von zwei bis zweieinhalb Millionen Euro,“ erläuterte Ramona Wild. Für die Sanierung seien ein bis anderthalb Jahre geplant.

Was hat das Paar nun konkret vor mit dem Guthaus-Komplex? Die Bibliothek soll wieder hergerichtet werden und den Bürgern zur Verfügung stehen. Im Garten sind ein Heilkräuterbeet nach der Lehre von Hildegard von Bingen sowie eine Sauna und ein Whirlpool im Mittelalterstil vorgesehen.

Der Saal, erst 1975 als Anbau zum Komplex hinzugekommen, soll zum Beispiel für Ü-Partys und Discos genutzt werden, aber ebenfalls für Hallenflohmärkte, Oktober- und Theaterfeste, vielleicht auch Tanzstunden. „Wir sind für weitere Ideen aus der Bevölkerung jederzeit offen“, betonte Wild.

In der Kneipe und im Restaurant solle es wieder einen ganz normalen Betrieb geben. Das Hotel wolle das Investorenpaar an Seminargäste vermieten und für Messen nutzen, die Wohnungen für das Personal. „Wir werden im Normalbetrieb 25 bis 30 Angestellte beschäftigen, bei Veranstaltungen auch mehr“, führte Wild aus.

Auch ein Plan B?

Hellhörig wurden die Zuhörer, als eine Einwohnerin die Investoren fragte: „Was ist Ihr Plan B, falls das nicht klappt?“ Dazu Ramona Wild: „Der Swingerclub ist eine Option, falls das mit den anderen Sachen nichts wird.“ Der Club sei ihre Option B, keine Option A. Ob aber etwas daraus werde, müsse man abwarten.

Da vielleicht noch nicht alle wüssten, was ein Swingerclub überhaupt sei und wie der Betrieb ablaufe, bat Ratsherr Dr. Dirk Frenzel darum, dies einmal darzustellen.

„Swinger bleiben unter sich“, klärte Ramona Wild auf. Der Club in Beetzendorf sei nur für Pärchen vorgesehen, „das wird kein Puff“. Eigentlich sei ja jedes Hotel wie ein Swingerclub. Menschen würden sich treffen, miteinander reden und essen und bei Sympathie manchmal auch gemeinsam auf die Zimmer gehen. In einen Swingerclub komme man auch nicht einfach so rein. Man müsse sich erst registrieren, dafür gebe es im Internet die Plattform joyclub, teilte Wild mit.

„Im Umkreis um Beetzendorf bis nach Wolfsburg gibt es rund 1200 Swingerpaare“, informierte Körtner, der damit auf die Frage eines Bürgers reagierte, ob es denn überhaupt genügend Potenzial für einen solchen Club geben würde. Manche Swinger würden sogar bis zu 400 Kilometer weit fahren, so Körtner.

Und seine Partnerin Ramona Wild sagte: „Ein Swingerclub heißt nicht, dort nur Sex zu haben. Man kann dort auch schön essen und nette Gespräche führen.“

Ein Bürger wollte wissen, ob das Pärchen denn schon mal einen Swingerclub betrieben habe. Nein, noch nicht, kam als Antwort. Aber Bekannte von Ramona Wild schon. Zudem sei sie seit mehr als 20 Jahren in der Swingerszene aktiv, kenne daher bereits viele Swingerclubs.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob dem Paar die Bedeutung des Parks und des gesamten Komplexes bewusst sei, entgegnete Wild: „Vielleicht lässt sich der Heimatverein ja dazu bewegen, mit uns zusammenzuarbeiten.“

Das ist kein Konzept!

Für die Bürgerinitiative stellte Dr. Wilfried Schröder ein Konzept vor. Dieses sieht vor, das Saalgebäude abzureißen, da dieses nicht zum denkmalgeschützten Gutshaus-Komplex gehöre. Ziele seien Erhaltung, Sanierung und Wiederherstellung der Sichtachsen. Geplant seien unter anderem ein Bürger-Café, ein Bürgertreff, ein Kulturhistorisches Zentrum, ein Zentrum für Umwelt- und Naturschutz, ein Dorfladen mit regionalen Produkten und die Belebung der Freilichtbühne.

Es solle eine gemeinnützige Genossenschaft gegründet werden. Die Finanzierung erfolge über Spenden und Anteile. Bisher gebe es Zusagen über 40 000 Euro. Der Bedarf sei natürlich viel höher, liege bei bis zu 1,5 Millionen Euro. „Fachleute sagen, das wird uns nicht reichen“, äußerte Schröder. Die laufenden Kosten bezifferte er auf 85 000 Euro im Jahr. Das Vorkaufsrecht für den Gutshaus-Komplex könne von der Gemeinde genutzt werden, wenn das Wohl der Allgemeinheit gefährdet sei.

Ratsherr Dietmar Sommer zeigte sich nach dem Vortrag von Dr. Schröder enttäuscht: „Das ist kein Konzept, sondern nur eine Idee.“

Bürgermeister Lothar Köppe bedankte sich für beide Konzepte und stellte klar, dass ein generelles Vorkaufsrecht für den Rat nicht zur Diskussion stehe. „Die Ratsmitglieder werden über den Kaufpreis informiert, bevor sie eine Entscheidung über das Vorkaufsrecht treffen.“

VON CHRISTIAN REUTER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare