BASE-Präsident Wolfram König: „Mit Unwissen ehrlich umgehen“

Ausstellung zur Atommüllendlagersuche in Sieben Linden eröffnet

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Die Ausstellung „suche:x“ wurde am Freitag, 1. Oktober, im Ökodorf Sieben Linden vom Präsidenten des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Wolfram König (r.), und Landrat Michael Ziche eröffnet.
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Die Ausstellung „suche:x“ wurde am Freitag, 1. Oktober, im Ökodorf Sieben Linden bei Beetzendorf vom Präsidenten des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Wolfram König, und Landrat Michael Ziche eröffnet. Die Schau klärt bis zum 8. Oktober darüber auf, wie die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Abfall in Deutschland abläuft.

Landrat Michael Ziche sagte, das Thema Endlagersuche berühre die Menschen in der westlichen Altmark schon seit Jahrzehnten. Er hoffe, „dass keine monetären Gründe eine Rolle spielen bei der Auswahl und auch nicht die dünn besiedelte Region“. „Ich bin froh und dankbar, dass man über solche Ausstellungen das Thema den Menschen nahebringt“, erklärte Ziche.

BASE-Präsident Wolfram König sagte, es gehe darum, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und einen sicheren Standort für das Endlager zu finden, der nachfolgende Generationen nicht belaste. „Im Vordergrund müssen geowissenschaftliche Erkenntnisse stehen“, betonte König. In Gorleben sei es ein Fehler gewesen, die Menschen nicht von Anfang an mitzunehmen. „Transparenz ist wichtig. Es gibt einen klaren Weg, um den sichersten Standort zu finden“, erklärte der BASE-Präsident.

Zurzeit seien noch rund 60 Prozent der Fläche von Sachsen-Anhalt bei der Endlagersuche im Spiel, dies seien aber nur erste Erkenntnisse. Bis 2031 solle der Standort gefunden werden, die Jahreszahl sei allerdings eine Zielstellung und kein Muss, antwortete König auf eine Frage aus dem Publikum, ob denn das Zeitfenster von nur noch zehn Jahren bis 2031 nicht zu knapp sei. Der BASE-Präsident verwies aber auch darauf, dass es derzeit 16 Zwischenlager in Deutschland gebe. Nach dem Ende der Laufzeit der Atomkraftwerke gebe es dann 1.900 Castorbehälter mit Atommüll. „Die Laufzeit der Zwischenlager ist auf 40 Jahre begrenzt. Zwischenlager können keine Endlager werden. Wir haben keine Zeit, es zu verschieben“, betonte König.

„Bartmojo“ Karl-Heinz Friedrichs erinnerte daran, dass es im Altmarkkreis etwa 700 Erdgasbohrungen gebe: „Die müssten Slalom fahren um die Bohrungen, wenn das Endlager hierher kommt.“ Zudem sei der Untergrund in Bewegung, dass habe die Bürgerinitiative beim Kampf gegen die Verpressung von Kohlendioxid in Mahlsdorf gemerkt, so Friedrichs.

Auch Uwe Harms (CDU) verwies darauf, dass durch die bergbauliche Tätigkeit der Untergrund in der westlichen Altmark entscheidend verändert worden sei. „Das macht uns Sorgen, wegen Asse. Man sollte daher auch Daten auswerten, die tiefer als 1.500 Meter unter die Erde reichen, damit man zu einer vernünftigen Entscheidung kommt“, erklärte Harms.

„Wo eine Gaslagerstätte ist, ist eine Endlagerung ausgeschlossen“, stellte König klar. Es sei wichtig, ehrlich miteinander umzugehen, auch mit dem Unwissen, „die Ehrlichkeit trägt uns“, sagte der BASE-Präsident.

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