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Apenburger Andreas Schwieger interviewt Zeitzeugen für Filmprojekt

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Von: Kai Zuber

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Andreas Schwieger interviewte Renate Röhl über ihre Zeit in der BHG Apenburg. © Kai Zuber

Die Generation 70 plus kann spannende Geschichten aus dem alten Apenburg erzählen. Der Hobbyfilmer Andreas Schwieger hat ein Projekt gestartet, bei dem er nicht nur zuhört und mitschneidet, sondern die so entstandenen Videos als Zeitzeugenberichte für die Nachwelt auch aufbereitet und ins Internet stellt.

Apenburg. Mehrere Filme sind bereits unter der Adresse www.apenburg.de/apenburg-videos/ abrufbar. Unter dem Motto „Was ich noch zu sagen hätte“ erzählen alte Apenburger aus ihrem Leben. Mit dabei war auch die 75 Jahre alte Renate Röhl in der nunmehr dritten Folge der Reihe, die bereits im März gedreht wurde und nun fertig zusammen geschnitten und mit Untertiteln bestückt ist.

Renate Röhl war lange Jahre Verkäuferin in der alten bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) in Apenburg nahe des Bahnhofes. Die verblichene DDR-Aufschrift „Alle Kraft für den Fünfjahrplan“ ist noch heute lesbar. Auch Schwieger erinnert sich: „Ich habe bei Renate Röhl Eier abgegeben, und sie hat dann an die Kleinsterzeuger dafür Geld ausgezahlt“, so der Apenburger.

Eine Zentrale der Eiererfassungsstelle war damals in Klötze. Davor wurde in der BHG Kohle gehandelt und Rüben verladen. Später kam der Aufkauf von Honig, Eiern und Kaninchen dazu, berichtet Renate Röhl.

Außerdem wurde Getreide ausgeliefert. Zudem konnten Saatgut und Dünger erworben werden. Es musste über alles Buch geführt werden. Für Eier gab es Weizen im Kontingent. Für Kaninchen bekamen die Kleinerzeuger im Gegenzug Kleie.

Haus
Die bäuerliche Handelsgenossenschaft (BHG) in Apenburg nahe des Bahnhofes. © Kai Zuber

Die Verkaufsstellen aus der Region haben dann teilweise die Eier zum Weiterverkauf aus der BHG geholt. 360 Eier waren immer in einer Kiste. Viele Eier blieben zwar in Apenburg, aber der Rest ging nach Salzwedel und von dort in die ganze DDR.

„Jeder Erzeuger musste seine Eier stempeln, falls es einmal eine Reklamation kam“, erinnerte sich Andreas Schwieger. 1955/56 wurde die alte BHG gebaut, die heute noch steht. Im Keller wurde seinerzeit Dünger gelagert. Später wurde auch mit begehrten Baustoffen, wie Zement, Kalk, Ziegeln und Fliesen gehandelt. Zuweilen gab es einiges davon in der DDR nur mit Beziehungen. 1969 fing Renate Röhl in der BHG an. 24 Jahre lang war sie dann bis zur Wende dabei. „Ein Jahr nach der Wende haben sie alles kurz gemacht“, sagt Röhl über das bittere Aus für die BHG. Nach dem Krieg kam ihre Familie übrigens im Mai 1945 nach langer Flucht aus Pommern über Mecklenburg in der Altmark und in Apenburg an und wurde dort sesshaft.

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