Landbäckerei mit 100 Prozent Bio / Altmärkische Landtagsabgeordnete werden mitversorgt

Apenburger Brotpakete per Bus

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„Ich schaffe nur drei Brote auf einmal herauszuziehen. Eine Mitarbeiterin schafft immer vier, ohne dass ein Brot herunterfällt“, sagte Bäckermeisterin Karin Beier.

Apenburg. Apenburg ist stolz auf seine Landbäckerei, die als einzige in Sachsen-Anhalt 100 Prozent auf Bio setzt. Die Bäckerei kommt an. Die einen kommen wegen der reinen Bio-Produkte, andere weil es wie früher schmeckt.

Im Laden werden aber nicht nur Brötchen und Brote verkauft. Dort wird auch schon mal die große und kleine Politik „durchgekaut“. Die Bio-Bäckerei wird von Bäckermeisterin Karin Beier betrieben. Die Frohnatur ist in Mainz geboren und war viele Jahre auf Ökohöfen in Schleswig-Holstein tätig. 1997 ist sie auf das Ökodorf „Sieben Linden“ bei Poppau aufmerksam geworden und schaute sich dort um. Dabei hörte sie durch Zufall, dass in Apenburg eine Bäckerei leer steht und zu verkaufen ist. „Die schau ich mir ruhig mal an“, dachte sie.

Sie setzte sich mit dem damaligen Bürgermeister Alfred Schäfer in Verbindung und schon war ein Besichtigungstermin organisiert. „Als ich das Haus, die Backstube und den Hof sah, war ich sofort in all das verliebt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Das ganze Haus war freundlich zu mir“, gestand die Ökofrau. Dazu kam noch, dass der Bürgermeister ihr Apenburg mit seinen Menschen, seiner Kultur und seiner Natur sehr ans Herz legte. Die Bäckermeisterin folgte ihrem Herzen und blieb. „Das habe ich bis heute nicht bereut“, sagte sie. Für Beier stand von vornherein fest, dass sie nur Bio-Produkte backen wird. Die Bäckerei ist in den Jahren stetig gewachsen. Heute sind sieben Frauen beschäftigt, die ausschließlich Bio-Brote und Bio-Brötchen in vielen Variationen produzieren. „Von Kuchen haben wir uns vor ein paar Jahren getrennt. Es lief zwar gut, doch das passte nicht mehr in unsere Abläufe hinein“, sagte Beier, die auch wirtschaftlich denken muss.

Ihre Kunden kommen aus der gesamten Altmark, aber auch aus Nachbarregionen. „Sogar Landtagsabgeordnete aus der Altmark versorgen ihre Kollegen in Magdeburg mit unseren Produkten“, sagte Fachverkäuferin Sabine Fischer. Neben einem Verkaufswagen gibt es einen recht ungewöhnlichen Vertriebsweg mit der Personenverkehrsgesellschaft (PVGS) des Altmarkkreises Salzwedel. Mit deren Bussen werden auf Hauptlinien sogenannte „Brotpakete“ zu entfernten Kunden gefahren. „Das muss sich natürlich rechnen. Für ein Brot und zehn Brötchen machen wir das nicht“, blinzelt Karin Beier. Für diesen Brot- und Brötchenshuttle der PVGS ist Beier sehr dankbar, spart sie doch damit Vertriebskosten. Gegenüber neuen Ideen ist die Bäckermeisterin immer offen. Als das Ökodorf „Sieben-Linden“ ihr jetzt seine Öko-Aufstriche anbot, nahm sie diese sofort mit ins Verkaufssortiment. „Öko zu Öko, das passt“, ist Beier überzeugt. Und wenn im Verkaufsladen mal über „Gott und die Welt“ geplaudert wird, dann kommt die Bäckermeisterin schon mal aus ihrer Backstube heraus. „Ich will ja auch mal wissen, was so alles in Apenburg abgeht“, schmunzelt Karin Beier.

Von Rüdiger Lange

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