Prosit mit „Lunikoff“-Wodka und Co.

Andreas Schwieger aus Apenburg bereitet DDR-Spirituosenausstellung vor

Andreas Schwieger hält eine leere Flasche Lunikoff-Wodka in der Hand. Auf dem Tisch dahinter stehen weitere DDR-Spirituosen.
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Andreas Schwieger bereitet eine DDR-Spirituosenausstellung vor. Die alten und leeren Flaschen seien viel zu schade für den Glascontainer, meint der Apenburger. Viele Getränke haben ihre ganz eigene kuriose Geschichte.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Natürlich sind alle Flaschen leer getrunken. Etwas Hochprozentiges in der DDR für die Nachwelt aufzuheben, das war eher unüblich. Dafür wurde damals einfach zu viel gefeiert.

Apenburg (von Kai Zuber) – „Ein Prosit mit ,Falckner‘-Whisky und Co.“ – so könnte die neue Idee von Andreas Schwieger betitelt werden. Der Apenburger bereitet derzeit eine DDR-Spirituosenausstellung in seinem heimischen Schaufenster vor.

„Mir kam der Gedanke beim Aufräumen. Viele Flaschen aus der DDR-Zeit habe ich gefunden, und die waren mir zu schade für den Glascontainer“, sagt der pensionierte Versicherungsfachmann. Allen Spritbrennereien und DDR-Destillen voran fungierten die volkseigenen Alkoholbetriebe aus der „Schnaps-Hauptstadt“ Nordhausen und Wilthen, der Hochburg des Weinbrandes. „Goldkrone“ ist die Bezeichnung für einen Weinbrand, der in den 1970er-Jahren in der DDR entwickelt wurde und seitdem durchgehend produziert wird. Beliebt waren unter anderem Kristall-Wodka, im Volksmund „Blauer Würger“ genannt, Nordhäuser Doppelkorn, Goldbrand und Kirsch-Whisky. Der Verbrauch von Spirituosen war in der DDR derart hoch, dass Nordbrand als volkseigener Betrieb sogar zum größten Hersteller von Schnaps in Europa aufstieg.

Und natürlich wollte die DDR auch einen qualitativ hochwertigen Whisky produzieren. Der „Falckner“ hatte 43 Prozent und kam aus Luckenwalde – genauer aus der Produktion des VEB Edelbrände und Spirituosen Luckenwalde. Die Firma Berentzen hat die Falckenthal’sche Produktion nach der Wende erworben, dann aber die Produktionsstätte geschlossen.

Der DDR-Whisky „Smokey Springs“ kam dagegen aus Nordhausen. Und auch eine weitere Legende lebt bis heute: Aus Sachsen stammt einer der bekanntesten Wodkas der DDR: „Lunikoff“. Andreas Schwieger hat noch eine Flasche von damals im Bestand – natürlich leer.

Einer Anekdote zufolge wünschte der damalige erste Sekretär der Bezirksleitung in Sachsen einen Wodka, mit dem er bei den sowjetischen Freunden in den Garnisonen um Dresden anstoßen konnte. Das Flaschendesign ist von der berühmten Basilius-Kathedrale inspiriert worden, und auch Wladimir Putin hat wohl in seiner Zeit als stationierter Soldat in Dresden den einen oder anderen „Lunikoff“ gekippt, der damals etwas über zehn Mark kostete.

Andere Alkohol-Produkte hießen „Kumpeltod“ oder „Diesdorfer Bretterknaller“. Auch „Herzkirsch“ und „Kirsch-Tischwein“ gingen damals in der DDR nicht selten unter dem Ladentisch weg. Eine weitere Geheimwaffe war neben dem legendären Pfefferminzlikör „Pfeffi“ und dem Kristallwodka „Blauer Würger“ das Soltmann-Bier aus der Bergschloss-Brauerei Salzwedel, das gute Gardelegener Bier „Garley“ und das berühmt-berüchtigte Pils „Petermännchen“.

Weil es „Rotkäppchen“-Sekt oft nur unter dem Ladentisch gab, wurde in Ermangelung an diesen Trunk mit „Bärenblut“, „Liebfrauenmilch“, „Murfatlar“ oder „Rosenthaler Kadarka“ angestoßen. Stärkere Kopfschmerzverursacher waren der Tropic-Fruchtlikör „Sambalita“, die Kräuter „Kreuz des Südens“ und „Klosterbruder“. „Kumpeltod“ dagegen hieß der preiswerte, weil steuerfreie Trinkbranntwein für Bergarbeiter. Dieses „Grubenfusel“-Geschoss wurde in der DDR als Deputatlohn ausgegeben.

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