Such-Gesetz für Atommüll-Endlager bleibt Thema Nummer eins in Waddekath

Angst vor alten Zeiten

+
Die Atommüll-Angst bleibt: Der Waddekather Sebastian Adam (13) zeigt den Zeitungsausschnitt vom Oktober 1995.

zu Waddekath / Rade. „Waddekath war schonmal zur Einebnung vorgesehen“, steht in großen Lettern in der Zeitungs-Überschrift. Der Bornsener Lokaljournalist Jürgen Kayser hat den Beitrag Ende Oktober 1995 für das Isenhagener Kreisblatt und die Altmark-Zeitung verfasst.

Der Zeitungstext stammt aus dem Archiv der Waddekatherin Hilke Adam. Er berichtet von einer Demonstration von 200 Bürgern aus Wittingen, Waddekath, Rade, Diesdorf, Haselhorst, Reddigau und den umliegenden Orten sowie aus dem nahen Wendland gegen den Bau eines Atommüll-Endlagers.

„Da kommt angesichts der neuen Pläne die alte Sorge wieder hoch“, sagt Hilke Adam. Damals reihten sich auch die Bürgermeister aus Wittingen und Diesdorf, Lothar Schoss und Fritz Kloß, mit in die Reihen der Demonstranten ein und gaben sich symbolisch die Hand. Der damals noch kleine Daniel Körner hielt den Fotografen sein selbst gemaltes Transparent mit gelb-schwarzem Atomsymbol in die Kamera.

Hintergrund: Schon damals war der Salzstock unter Waddekath als Ersatz für das Atommüll-Endlager Gorleben im Gespräch. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover war der Untergrund bei Waddekath als „untersuchungswürdig“ ausgewiesen worden (wir berichteten).

Die „Angst vor alten Zeiten“ kommt bei den Waddekathern derzeit wieder hoch. Sie glauben den Politikern wenig, die derzeit vorgeben, entweder „nichts Konkretes zu wissen“ oder über „ungelegte Eier“ nicht spekulieren zu wollen. Das aktuelle bundesweite Such-Gesetz für ein Atommüll-Endlager bleibt also Thema Nummer eins in Waddekath.

Kinder und Jugendliche bangen um ihre Zukunft: Auch Sebastian Adam ist durch die Pläne beunruhigt. Er ist derzeit 13 Jahre alt und will eigentlich in der Region bleiben. Früher wollte der Dährer Sekundarschüler Landwirt werden, heute lieber etwas mit Holz machen. „Ich wundere mich nur, dass die Wittinger noch nicht so richtig wach geworden sind“, sagt Mutter Hilke Adam. Sie hat sich auch schon mit der Waddekatherin Hella Siewert über das Thema unterhalten. Fazit: „Die Leute werden manchmal leider erst aktiv, wenn etwas direkt vor ihrer Haustür passiert – doch dann kann es bereits schon zu spät sein“, so Adam. Zu den Atommüll-Mahnern im Diesdorfer Gemeinderat gehören derzeit unter anderem der Tierarzt Ulf Knoblauch und der Gewerkschafter Detleff Bill. „Wenn du nicht rechtzeitig Nein brüllst, ist der Zug schnell abgefahren“, warnte Bill. „Das Problem ist akut für uns“, schätzt Knoblauch ein.

Bei den Protesten 1995 in Waddekath war die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel zuständige Bundesumweltministerin. Schon damals bemängelten die Protestierenden das „Fehlen eines Gesamtkonzeptes bei der Atommüll-Lagerung in Deutschland“. Daran hat sich im Grunde bis heute nichts geändert, obwohl seitdem ganze 18 Jahre vergangen sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare