Amsel, Meise, Star und Spatz

„Ballerina“ ist der Favorit von Peter Liebscher (v.l.) aus Salzwedel. August Link (Brewitz) und Helmut Kütz (Salzwedel) schwören auf Ditta, eine der ältesten Sorten. Sehr begehrt zu DDR-Zeiten war auch Quarta.

mei Winterfeld. In der DDR konnte man sich die Kartoffelsorten noch merken – es gab nur 30. Inzwischen sind es 333. Die Anbaufläche ist von 431 274 Hektar (1989) auf 50 500 Hektar zurückgegangen, der Ertrag allerdings von 371 auf 393 Dezitonnen je Hektar gestiegen.

Während zu DDR-Zeiten die Wahl der Lieblingskartoffel nach festkochend bis mehlig entschieden wurde, gelten heute andere Kriterien: „Sie müssen groß, gewaschen und vor allem billig sein“, fasst Dr. Arnold Thon zusammen. Der Experte ist immer dann gefragt, wenn die Kartoffel im Mittelpunkt steht – so wie kürzlich bei einer Veranstaltung der Landsenioren in Winterfeld. Viele Kartoffelbauern nahm Thon mit auf eine Zeitreise, die bei Friedrich dem Großen begann und damit endete, dass der Alte Fritz „wohl den richtigen Riecher für die Knolle“ hatte.

Dr. Thon weiß viel über die Kartoffel zu berichten, schöpft aus dem Wissen des Prof. Hans Lembke (geboren 1877 in Malchow), der zwar nie studiert hat, aber als Vater der Kartoffelzüchtung gilt.

Viele ältere Bauern kennen noch die frühe Speisekartoffelsorte Amsel (seit 1956), die viel nach Ungarn und in die Tschechei exportiert wurde. Bei der Amsel habe es „viel Trödel mit Nematoden“ (Fadenwürmer) gegeben, erntete Thon beipflichtendes Nicken. Sieglinde (1935) war eher für den Export nach Italien vorgesehen, während die von Mengdehl gezüchtete Meise „sehr virusanfällig“ war. Wegen der Virusanfälligkeit wurde die mittelspäte Sorte Ackersegen (1929, gezüchtet von Böhm) beispielsweise in den 60er Jahren gestrichen. Auch Namensänderungen spielten eine große Rolle: Aus Argo wurde 1956 Apollo, aus dem Star der Sperber, die Gerlinde (1943) hieß vorher Capella. Sehr lange war Merkur (1935) im Anbau, eine späte Speisekartoffel, die auch auf leichten Böden hohe Erträge brachte. Mengdehl war es auch, der 1956 die Schwalbe aus Aquila und Capella züchtete, eine virusresistente Sorte, die aber zum Faulen neigte. Der Spatz indes „war ein Dreckspatz“, denn die Sorte faulte schnell, wenn sie durch die Bearbeitung beschädigt wurde. 1970 „war ein schlimmes Krautfäulejahr“, in dem „einige Sorten Kabolz geschossen haben“.

Die alten Kartoffelsorten sind wieder im Kommen. Salzwedels Alt-Landrat Egon Sommerfeld beispielsweise hat nach 60 Jahren 16 klassische Sorten angebaut, die GbR Wallstawe 29. Alte Sorten sind über das Internet beziehbar.

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