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„Diese Toiletten sind grenzwertig“

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Von: Kai Zuber

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Zwei junge Leute stehen nebeneinander vor einem heruntergekommenen Schuppen, in den sich die Sanitäranlagen eines Campingplatzes befinden.
Eigentlich verbringen Melanie und Thomas Jödecke aus Altenau im Harz gerne ihre Freizeit am Ahlumer See. Der grenzwertige Zustand der Sanitäranlagen trübt jedoch jedes Mal die Vorfreude. © Kai Zuber

Die Farbe blättert ab, der Schornstein hängt schief, und eine Dachrinne hat das unansehnliche Gebäude wohl noch nie gesehen. Die touristisch genutzten Sanitäranlagen der Gemeinde Rohrberg am Ahlumer See sind in einem unübersehbar katastrophalem Zustand. Erst am Wochenende wurde eine über zwei Meter lange Wurzel aus dem Abflussrohr gezogen, als am See die Salzwedeler Trabi- und IFA-Freunde campten und die Anlagen nutzten.

Ein verwahrloster Waschraum auf einem Campingplatz.
Zeitgemäß ist anders: Der Charme der 70er Jahre durchweht im wahrsten Wortsinn das Innere der Herrentoiletten (rechtes Bild). Sie erwecken fast den Eindruck, man steht in einem DDR-Museum. © Kai Zuber

Ahlum – Viele Gäste waren genervt von den Zuständen, obwohl die Veranstalter die Sanitäranlagen zuvor so gut wie möglich geschrubbt und gesäubert hatten: „Diese Toiletten sind grenzwertig. Wir sind ja schon einiges beim Campen gewöhnt, aber dies hier schlägt alles mit Abstand“, meinen zum Beispiel Melanie und Thomas Jödecke aus Altenau im Harz. Seit nunmehr 20 Jahren kommen sie nun schon nach Ahlum zum Trabitreff, und seit dieser Zeit sei nichts an den Toiletten gemacht worden, hieß es. Zeitweise wurde die Anlage auch schon einmal aus hygienischen Gründen vom Gesundheitsamt des Altmarkkreises gesperrt. Besonders die Damen traf es am Wochenende hart: „Schon vor der Toilettentür der Frauen lag eine schmutzige Matte“, beklagt Melanie Jödecke. Das Fazit der Gäste: Der beklagenswerte Zustand der öffentlichen Toiletten am maroden Sanitärhäuschen bleibt ein Makel für den von der Kommune propagierten „sanften Tourismus“ an dem beliebten Naherholungsgebiet in Ahlum. Am schlechten Allgemeinzustand hat sich bislang nichts geändert. Das sei hier Standard der 1970er Jahre aus DDR-Zeiten.

Eine große Wurzel lehnt an einem Busch.
Diese über zwei Meter lange Wurzel wurde aus einem Abflussrohr des Sanitärhäuschens gezogen. © Kai Zuber

Eine neue Initiative zur Sanierung ergriff während der diesjährigen Rohrberger Haushaltsberatung der Ahlumer Ratsherr Stefan Borchert: Er wollte einen Betrag zwischen 50 000 und 60 000 Euro in den laufenden Haushalt einstellen, damit es mit der Toilettensanierung neben dem Dorfgemeinschaftshaus unweit des Sees endlich einmal losgeht. Doch vor allem Bürgermeister Bernd Schulz und Ratsmitglied Axel Pieper aus Ahlum argumentierten dagegen. Pieper schlug zunächst einen Sperrvermerk vor, falls die 60 000 Euro im Haushaltsplan landen. Das Projekt sollte dann nur bei der Zusage von Fördermitteln umgesetzt werden, hieß es. Bernd Schulz wies erneut auf die Möglichkeit von Fördermitteln im Zuge des neuen Leader-Prozesses ab 2023 hin. Bereits seit Jahren sollen Leader-Mittel helfen, das marode und altmodische Toilettenhaus am Ahlumer See zu sanieren. Doch ebenfalls schon seit Jahren passiere hier leider nichts, kritisierten erst am Wochenende wieder die Salzwedeler Trabifreunde und ihre Gäste.

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