Altmarkkreis: „Tierhaltung mehrfach kontrolliert“

Verwahrlostes Pferd in Jübar: Besorgte Bürger wandten sich an Landrat

Ein provisorisch von Anwohnern gebauter Windfang mit Einstreu und gesponsertem Heu sorgte für etwas Schutz.
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Ein provisorisch von Anwohnern gebauter Windfang mit Einstreu und gesponsertem Heu sorgte für etwas Schutz.

Jübar / Lüdelsen – Zur Rettung des verwahrlosten Pferdes in Jübar wandten sich besorgte Bürger jetzt auch an den Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, Michael Ziche.

In dem Schreiben, das der AZ vorliegt, wird die dramatische Situation noch einmal dargelegt (AZ berichtete).

Der verwahrloste Hengst schlotterte vor Kälte, bevor besorgte Bürger sich des Pferdes annahmen.

Das Veterinäramt der Kreisverwaltung nahm auf Anfrage Stellung zu dem Vorfall: „Die Haltung des Hengstes in Jübar ist dem Veterinäramt bekannt. Aufgrund wiederholter Beschwerden wurde die Tierhaltung mehrfach kontrolliert“, so Inka Ludwig von der Pressestelle der Kreisverwaltung. Der Hengst stand über Jahre bis Ende 2020 auf einer Koppel nahe Lüdelsen. Dort hatte das Tier einen dreiseitig umschlossenen Witterungsschutz. Der etwa 20-jährige Hengst habe zum Zeitpunkt der amtlichen Kontrollen Futter und Wasser zur Verfügung und war seinem Alter entsprechend in einem guten Allgemeinzustand. Die Koppel nahe Lüdelsen musste der Tierhalter laut Veterinäramt Ende 2020 aufgeben und der Hengst wurde auf die in Rede stehende Weide nach Jübar gebracht. Diese Weide sollte nach Angaben des Tierhalters nur als vorübergehende Weide dienen. „Auch hier fanden bereits mehrere amtliche Kontrollen, letztmalig Mitte Januar 2021, statt. Raufutter und Wasser waren bei den amtlichen Kontrollen jeweils vorhanden und der Allgemeinzustand des Pferdes war altersentsprechend in Ordnung“, hieß es seitens der Pressestelle des Altmarkkreises. Das Veterinäramt führt demnach grundsätzlich unangekündigte Kontrollen durch. In diesem Fall sei das Pferd bei allen Kontrollen mit Futter und Wasser versorgt gewesen.

„Dadurch war es nicht zweifelsfrei nachvollziehbar, dass der Tierhalter sein Pferd selbst nicht ausreichend versorgt hatte. Zum Vorgang am 7. Februar wurde das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt erst gegen 20 Uhr durch den Allgemeinen Tierhilfsdienst Ahlum informiert. In Anbetracht der extremen Witterungssituation war die anderweitige Unterbringung berechtigt und wurde durch das Veterinäramt ausdrücklich unterstützt“, informierte Inka Ludwig. Während der Fortnahme durch den Tierschutzverein wurde der Allgemeinzustand des Pferdes trotz der extremen Wetterlage gegenüber dem Veterinäramt als gut beschrieben. Der Hengst befand sich demzufolge nicht in Lebensgefahr. Am Folgetag wurde das Pferd durch amtliche Tierärzte in der Pflegestelle in Augenschein genommen. Der vom Allgemeinen Tierhilfsdienst geschilderte gute Allgemeinzustand konnte dabei laut Veterinäramt bestätigt werden. Dem Amt sei bislang eine Begutachtung des Pferdes und dessen Haltungsbedingungen durch ortsansässige Tierärzte, auch auf Nachfragen hin, nicht bekannt. „Bis auf weiteres verbleibt das Pferd in behördlicher Obhut“, so Ludwig.

„Der Hengst war von oben bis unten voll Eis und schlotterte“

Doch ganz so wollte Katharina Meyer aus Jübar die amtlichen Aussagen aber nicht stehen lassen: „Die Mitarbeiter des Veterinäramtes hätten den Hengst mal morgens nach dem Wintereinbruch sehen sollen: Von oben bis unten voll Eis und schlotternd! Ohne Decke, Futter und Windschutz. Da wäre es ein ganz anderes Bild gewesen“, so Meyer, die sich für die Rettung des Pferdes eingesetzt hatte. Zudem hätten besorgte Bürger das Tier ja von Zeit zu Zeit gefüttert und getränkt, was das Amt ja bei seinen Kontrollen nicht wissen könne, hieß es. „Am Heu sieht man ja nicht, wer es mitgebracht hat – ob der Besitzer oder wir“, betont Katharina Meyer. (zu)

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