Keine weiterführenden Regeln für First Responder

Für junge Truppe ein Schock: Altmarkkreis sagt Rettern ab

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Die Diesdorfer DLRG-Ortsgruppe mit Erste-Hilfe-Ausbildern vor dem Gerätehaus der Feuerwehr. Foto: zuber

Altmarkkreis / Diesdorf – Die Rückantwort der Salzwedeler Kreisverwaltung an Diesdorfs Frontmänner Tino Thieme und Nils Leitloff von der Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) war für die junge Truppe ein Schock.

Der Altmarkkreis sagte damit den Diesdorfer Rettern ab. Begründung: Es gebe keine weiterführenden gesetzliche Regelungen für sogenannte First Responder (Helfer vor Ort) im Land Sachsen-Anhalt.

First Responder sind Erst-Eintreffende am Unfallort, die Verletzte oder Unfallopfer versorgen, bevor ein Notarzt oder weitere Rettungskräfte eintreffen. Das sei daher wichtig, weil mit einer professionellen Hilfe in den ersten Minuten die Chancen für eine Lebensrettung deutlich steigen. Bereits ab der vierten oder fünften Minute nach einem Kreislaufstillstand sinken diese Chancen rapide. Die Kreisverwaltung beruft sich auf die Grundlagen des Paragrafen 4 des Rettungsdienstgesetzes.

Gruppe will helfen

„Ab März wären wir aber als Diesdorfer DLRG-Ortsgruppe einsatzfähig für die Erstrettung. Das Konzept funktioniert doch in anderen Bundesländern, darunter Thüringen. Warum nicht bei uns?“, ärgert sich Nils Leitloff. Und er hat für seinen Ärger einen aktuellen Aufhänger: Die tragischen Ereignisse in einem Salzwedeler Baumarkt: Verdacht auf Herzinfarkt, Alarmierung, doch die Rettungskräfte sind andernorts gebunden oder überlastet. „Der Rettungswagen traf 23 Minuten und der Hubschrauber 19 Minuten nach seiner Alarmierung am Ereignisort ein. Das kann nicht sein. Das zeigt doch, dass wir als DLRG-Retter gebraucht werden“, betont Leitloff. Und weiter: „Wir machen unsere Arbeit freiwillig für die Bürger und verursachen für den Kreis keine Kosten.“

Was also tun, wenn ein Notfall vorliegt, jedoch bereits alle umliegenden Rettungssanitäter im Einsatz sind ? Im schlimmsten Fall kommt die Hilfe zu spät. „Wir von der DLRG Ortsgruppe Diesdorf, wollen dagegen wirken und den Rettungsdienst mit unserem First-Responder-Konzept unterstützen. Damit wollen wir die Zeit, zwischen dem Eintreten des Notfalls und der ersten medizinischen Versorgung, verkürzen“, erläutern die Retter aus Diesdorf.

Jede Minute zählt

Bei einem ernsthaften Notfall, beispielsweise einem Kammerflimmern oder Herzstillstand, zähle jede Minute. Schafft es der Rettungswagen nicht rechtzeitig, ist die Überlebens- und Genesungswahrscheinlichkeit gering. „Lebensrettende Maßnahmen können, im besten Fall, durch uns schon nach wenigen Minuten eingeleitet werden. Durch die Verkürzung der Hilfsfrist können viele Patienten selbst nach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall vollständig genesen“, unterstreicht Nils Leitloff. In vielen Bundesländern sei es laut dem Ehrenamtlichen möglich, als First Responder zu arbeiten. „Bei allen, mit dem wir Kontakt aufgenommen haben, die auch als First Responder arbeiten, steht es nicht explizit im Rettungsdienstgesetz. Warum geht das nicht auch hier ? Wir wollen Leben retten und das kostenlos und freiwillig. Nun hat man es in Salzwedel gesehen, wie es schief laufen kann“, macht der Mann von der Diesdorfer DLRG-Ortsgruppe im Gespräch mit der Altmark-Zeitung abschließend deutlich.

VON KAI ZUBER

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