Reddigauer: „Wir werden immer wieder hingehalten“ / Prioritätenliste ist der Knackpunkt

Altmärker sauer auf Wittinger Weg

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Prof. Stümpel weist auf eine Stelle, an der bereits einige Autos beim Ausweichen stecken geblieben sind. Viele andere Menschen der strukturschwachen Region wünschen sich eine Sanierung der Straße von der Landesgrenze Sachsen-Anhalt bis zum Anschluss nach Erpensen.

Texas / Wittingen / Erpensen. Der Altmarkkreis Salzwedel hat die Straße von Reddigau bis zur Landesgrenze Niedersachsen schon vor Jahren als Kreisstraße ausgebaut. Kurz nach der Wende versprach der ehemalige Oberkreisdirektor des Landkreises Gifhorn, Dr. Klaus Lemke, dass auch der Landkreis Gifhorn den Anschluss bis nach Erpensen (Stadt Wittingen) ausbauen werde.

Gefahr in Verzug ist auch an dieser Stelle. Ein Baum droht auf die Straße zu fallen. Doch seit Monaten passiert hier nichts.

Doch bis heute ist nichts geschehen. Im Gegenteil, die Straße, die als Lebensader von Reddigau, Höddelsen, Neuekrug, Dülseberg und einigen Ortsteilen der Gemeinde Dähre ins benachbarte Wittingen gilt, ist in einem desolaten Zustand. Landwirtschaftlicher Verkehr hat die Straße oft stark verschmutzt und zudem sind viele Seitenstreifen an engen Abschnitten aufgeweicht. So wurden tiefe Furchen hinterlassen, dass schon Autos bei Ausweichverkehr stecken geblieben sind. Für die Straße ist die Stadt Wittingen verantwortlich. Dort wurde vor zwei Jahren beantragt, die 1,4 Kilometer lange Strecke als Kreisstraße zu klassifizieren und ist damit im vergangenen Jahr gescheitert. Aufgrund des Antrags wurde der landwirtschaftliche Weg nicht in die Prioritätenliste der Stadt zur Sanierung aufgenommen. Der Ausschuss für Verkehr, Landwirtschaft und Straßenbau der Stadt Wittingen hatte 2017 entschieden, erst die vorhandene Prioritätenliste abzuarbeiten und sich danach erneut mit dem Thema zu befassen.

„Das kann Jahre dauern. Wir werden immer wieder hingehalten. Wann handelt Wittingen endlich?“, fragt Wirtschaftsdozent Prof. Hans Jürgen Stümpel, der seit einigen Jahren in Reddigau wohnt. Er kann einfach nicht verstehen, dass Wittingen in all den Jahren der Diskussionen um diesen Abschnitt keinen Meter vorangekommen ist. „Es kann doch nicht sein, dass dort eine neue Grenze aufgebaut wird und solch ein für die strukturschwache Region wichtiger Weg keine Beachtung findet“, sagte er.

„So wie Prof. Stümpel denken viele Einwohner der nordwestlichen Altmark. Viele von uns fahren jeden Tag dort entlang – zur Arbeit, zum Einkaufen oder zu Freunden“, sagte Diesdorf Ratsherr und „Texaner“ Dietmar Schulz. Mittlerweile regt sich immer mehr Unmut. „Es gibt Stimmen, die wollen nicht mehr in Wittinger Geschäften einkaufen. Einige Altmärker fahren wegen der desolaten Wegstrecke bereits nach Bad Bodenteich. Auf den Straßen dorthin muss niemand Angst haben, dass man stecken bleibt“, berichtet Prof. Stümpel.

Wittingens Stadtbürgermeister Karl Ridder weiß von dem Problem und auch von der Prioritätenliste, an die er sich halten muss. Wie er informierte, werde es in diesem Frühjahr eine Bereisung der landwirtschaftlichen Wege und Straßen geben. „Danach werden wir eine neue Prioritätenliste aufstellen“, so Ridder. Ob die Stadtratsmitglieder die Dringlichkeit der Erneuerung oder Sanierung des Weges nach Texas erkennen, kann auch er nicht voraus sagen.

Von Rüdiger Lange

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