BI: Windräder gefährden Natur im Jeetzetal / Landespolitiker kamen nicht oder blieben schwammig

Aktivisten reden Klartext

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In Siedenlangenbeck informierte die BI „Pro Jeetzetal“ über ihre Aktivitäten. Foto: Benecke

Siedenlangenbeck. Von der AfD (Hannes Loth) über die Grünen (Dorothea Frederking) bis zu den Linken (Andreas Höppner) waren Landtagsabgeordente fast aller Parteien am Freitagabend zur Bürgerinitiative (BI) „Pro Jeetzetal“ ins gut gefüllte Siedenlangebecker Dorfgemeinschaftshaus gekommen.

„Nur die stärkste Fraktion im Landtag, die CDU, und die SPD haben es nicht geschafft“, bedauerte Organisator Enrico Lehnemann. Dabei brennt den BIlern das Aufstellen von sechs Windrädern in ihrem Jeetzetal unter den Nägeln.

So hatten sie an diesem Abend nicht nur Experten, sondern auch eine Vielzahl von Fakten aufgeboten, die das Vorhaben der Enercon ad absurdum führen sollen. Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen und das beunruhigt die Siedenlangenbecker aufs Äußerste. Zumal ihre Argumente, die sie selbst zusammengetragen haben, beim Landesverwaltungsamt als „erhebliches Konfliktpotenzial“ eingeschätzt werden und die Untere Naturschutzbehörde beim Altmarkkreis klipp und klar ausgesagt hat: „Das geplante Vorhaben ist aus naturschutzfachlicher Sicht vollständig abzulehnen.“

Dazu sprachen der ehrenamtliche Ornithologe Dr. Dirk Schäffer und der heimische Kreisnaturschutzbeauftragte des Nabu, Ralf Knapp. Schäffer kennt das Jeetzetal seit 1989 wie seine Westentasche und hat in den vergangenen beiden Jahren 133 Vogelarten dort nachgewiesen – Knapp sogar 135.

Der Siedenlangenbecker Jörn Thaute listete noch einmal die gesamten Aktivitäten der BI auf. Die Aktivisten hatten erst vor zwei Jahren durch einen Zufall von dem Vorhaben erfahren, während die betroffenen Grundstückseigentümer schon seit 2009 informiert waren. Und erst seit 30. Juni 2015 konnten die Siedenlangenbecker überhaupt erst Einfluss nehmen, erinnerte Vize-Bürgermeister Günther Serien. Denn der Standort von einer der sechs geplanten Windkraftanlagen sollte verlegt werden – das Einverständnis des Rates war gefragt. Dessen Patt-Abstimmung brachte keine Mehrheit für das Vorhaben.

Enrico Lehnemann rechnete mit zahlreichen Diagrammen anschaulich hoch, dass das Ende der Windkraft-Fahnenstange erreicht sei und Windräder bei Windstille und Kälte gerade dann keinen Strom liefern, wenn dieser wie im Dezember 2016 benötigt werde. Er demonstrierte, dass dann auch ein Verdreifachen der Windräder nichts bringe – Flaute bleibt Flaute.

Neben Werbung für ihre Parteien hielten sich die Landespolitiker in ihren Aussagen recht allgemein. Dorothea Frederking (Bündnis 90 /Grüne) will die Energiewende und setzt auf Speichertechniken. Hannes Loth (AfD) ist die Energiewende viel zu schnell und vor allem zu teuer für die Menschen mit geringem Einkommen, die den Ausfallstrom in gleicher Höhe teuer mitbezahlen wie alle anderen. Er macht sich für einen Energiemix stark. Andreas Höppner (Linke) drückte sich ebenfalls vor einer Siedenlangenbeck-Positionierung und erinnerte die Teilnehmer der Informationsveranstaltung daran: „CDU und SPD fehlen hier – das sind die, die Sie mit Mehrheit gewählt haben.“

Von Holger Benecke

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