„Morbider Charme bleibt erhalten“

Zuckerhalle in Goldbeck als „dauerhafte Außenspielstätte“ des TdA geplant

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Bald 100 Jahre jung: In der Zuckerhalle steckt fast eine halbe Million Euro.

Goldbeck – Im vierten Jahr nach ersten Arbeitseinsätzen mit Mundschutz und Schaufeln sind in den Umbau des letzten Relikts Goldbecker Industriehistorie zur Multifunktionshalle rund eine halbe Million Euro Fördergeld geflossen.

An der Spitze der rührigen Einwohnerschaft hält der Bürgermeister der Uchtegemeinde weiter an seiner Vision fest, im früheren Sacklager des etwa 900 Quadratmeter großen Backsteinbrockens seinen 60.  Geburtstag zu feiern – am liebsten übrigens auf einer noch zu einzurichtenden Dachterrasse. „Das sind nur noch dreieinhalb Jahre“, berichtet Torsten Dobberkau diese Woche bei einer Stippvisite des Landrats schmunzelnd.

Für Verbandsgemeinde-Chef René Schernikau sei das Konzept zur Umnutzung der Zuckerhalle aus den 1930er Jahren, mit dem Markus Jürisch, Tilman Alder, Clara Höfle und Julian Kirschning 2017 den ersten Platz beim Studierendenpreis des Landkreises gewannen, „der Auslöser“ für „alles weitere“. Keinesfalls solle das Objekt ein „Konkurrent“ für Veranstaltungen in der Arneburger Stadthalle sein. „Das wird keine Nobelhütte“, betont Goldbecks Bürgermeister. Wände würden nicht weiß gestrichen und der „morbide Charme“ bleibe in den unbeheizten Räumen erhalten. Auch soll die Halle durch die Goldbecker Sekundarschule „Geschwister Scholl“ als „Traditionsort“ genutzt werden, indem dort beispielsweise Zeugnisausgaben veranstaltet würden. Nicht zuletzt sei die Halle als „dauerhafte Außenspielstätte“ für das Theater der Altmark (TdA) geplant. Auch 2020 gebe es wieder Aufführungen in Goldbeck, sagt Dobberkau.

Inzwischen halte sich anders als zu Zeiten jahrelangen Leerstands der „Vandalismus in Grenzen“, sieht der Gemeinde-Chef eine positive Wirkung des Wiederaufbaus.

Den weiteren Investitionsbedarf kalkulieren Schernikau und Dobberkau auf etwa eine Viertelmillion Euro. Momentan dürfe das Objekt aus baupolizeilichen Gründen nur bis zu zwölf Veranstaltungen im Jahr anbieten. Ziel sei es, das Objekt entsprechend Versammlungsstättenverordnung genehmigungsfähig zu gestalten. Das bisherige Fördergeld floss in Fenster, Brandschutztüren und Sanitäranlagen sowie zu einem Großteil in das Dach. Weil dort teils fünf Bitumenschichten aufgebracht gewesen seien, habe speziell dafür ein „riesiger Aufwand“ betrieben werden müssen.

Die Halle ist seit September 2016 nicht nur neuer Austragungsort des Goldbecker Plummusfests, sondern werde auch für Vereinstreffen, Konzerte, Theater, Tanz und Polterabende genutzt. Für die Trägerschaft dieses Trubels hatte sich im März 2018 der Förderverein „Zuckerhalle Goldbeck“ gegründet, der von André Bock als Vorsitzender angeführt wird.

Für das nächste große Ereignis laufen im Objekt bereits die Vorbereitungen. Erste Buden für den Weihnachtlichen Nachmittag am Samstag, 30. November, sind bereits aufgebaut. Seine Vereinsschau richtet der Rassegeflügelzuchtverein Goldbeck und Umgebung dort ab Samstag, 14. Dezember, aus. Für das zweitägige Spektakel rund ums Federvieh würden 400 Tiere erwartet.

VON ANTJE MAHRHOLD

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