Nach Kritik vom Feuerwehr-Chef schickt Hohenberg-Krusemark Bedienstete zur alten Gaststätte

Wildwuchs: Gemeinde greift ein

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Seit fast drei Jahrzehnnten steht das Lokal am Dorfplatz leer. Hinter den augenscheinlich gut erhaltenen Gardinen ist so manche Party gefeiert worden. Das Backsteingebäude bot zwei Wohnungen und einen großen Saal. Es befindet sich in Privatbesitz.

Hindenburg. Eigentum verpflichtet, heißt es im Grundgesetz. Und wer eine Immobilie besitzt, der hat eben nicht nur Rechte, sondern er muss als Eigentümer seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen.

Was sich Gemeinden vor Ort aber einfallen lassen müssen, um den Dorffrieden zu bewahren, zeigt ein Beispiel aus Hindenburg.

In dem zu Hohenberg-Krusemark zählenden Ort gibt es seit langer Zeit immer wieder Ärger um den Zustand der seit fast drei Jahrzehnten leer stehenden Gaststätte. Das Lokal, das im Realsozialismus zum staatlichen DDR-Einzelhandelsunternehmen „Handelsorganisation“ (HO) gezählt habe, ist ein imposantes Objekt. Zum zweigeschossigen Gebäude, das in der oberen Etage über zwei Wohnungen verfügt habe, gehört ein recht großer Saal. Es befindet sich auf dem Eckgrundstück, das zentral an der Ortsdurchfahrt am Ortsausgang in Richtung Werben liegt. In der Gaststätte seien bis kurz nach der politischen Wende manche Partys und eine große Zahl von Familienfesten gefeiert worden, blicken Anwohner auf die bewegte Hindenburger Feiertradition dort zurück. Zeitweise habe es in dem rund 400-Seelen-Ort neben einer Einkaufsstätte und diversen weiteren Versorgungsobjekten sogar noch ein weiteres Lokal gegeben.

Die alte Gaststätte, die dringenden Sanierungsbedarf aufweist, befindet sich mittlerweile in Privatbesitz. Weil die Lage auf den Gehwegen vor dem stattlichen Gemäuer mitten in der Unkraut-Hochzeit aber zunehmend wildwüchsiger geworden sei, hat sich Hindenburgs Feuerwehr-Chef jetzt an den Gemeinderat gewandt. In der Einwohnerfragestunde der jüngsten Sitzung im Sportlerheim Hohenberg-Krusemark brachte Karsten Lüdecke im Namen der Einwohnerschaft das seit Langem bekannte Ärgernis zur Sprache. Er sprach von einem „desolaten Zustand“, den der gesamte Gehwegbereich vor dem besagten Grundstück aufweise. Insgesamt lasse die Sauberkeit und Ordnung auf den Straßen und vor den Grundstücken im Ort zu wünschen übrig, verwies Lüdecke auch auf ein verpachtetes Objekt an der Bertkower Straße. Dort erfolge keine Reinigung und ein vormals umgestürzter Baum sei wieder ausgetrieben, wodurch der Gehweg behindert werde. Auch seien Pflastersteine am Dorfplatz zentimetertief abgesackt, was eine Gefahrenstelle sei. Und auch der Fußweg am Friedhof an der Schulstraße sei teils defekt, zählte Lüdecke auf.

Die Beschwerde des Feuerwehrchefs hat derweil Wirkung gezeigt. Knapp eine Woche nach der Ratssitzung seien mehrere Gemeindearbeiter an der alten Gaststätte im Einsatz gewesen und hätten den Wildwuchs vom Gehweg befreit, berichten Anwohner der AZ. Die schnelle Reaktion sei zwar begrüßenswert, aber für das Mähen und Beseitigen des Unkrauts vor dem Objekt sei der Besitzer des Gebäudes zuständig. Zumal der Mann in einem Ort in der näheren Umgebung seinen Wohnsitz habe und sich laut den Beobachtungen von Anwohnern regelmäßig in seinem Hindenburger Besitz aufhalte. Um das Ärgernis möglichst grundsätzlich zu klären, hat der Gemeinderat empfohlen, dass der Feuerwehr-Chef deswegen im Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck vorspricht.

Von Antje Mahrhold

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