Marktwache hat nichts zu kritisieren / Bürgermeister sucht Kostüm

Werbener pflegen Zeit des Biedermeier mit Stolz

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Ob Sommer- oder Wintermarkt: das Puppenkind im historisch-wertvollen Kinderwagen wird zum Anlass gern durch die Stadt geschoben. Zwischendurch gibt es einen Plausch mit den Damen.

Werben. Schicke Uniformen, Handwerker-Kluft in der Optik eines Blaudruckers, helle und elegante Kleider: Mitglieder des Arbeitskreises Werbener Altstadt und viele Besucher haben am Wochenende das Leben des 19. Jahrhunderts aufleben lassen.

Zum 13. Biedermeier-Sommermarkt kam Bernd Schulze zum ersten Mal als Bürgermeister der Stadt Werben und sprach ein paar Grußworte – allerdings noch ohne Kostüm. Welche Rolle könnte er sich denn künftig vorstellen? „Die Bürgermeisterrolle aus der Biedermeierzeit kann ich mir vorstellen. Zum Wintermarkt wäre etwas Dickeres angebracht, da können wir über ein halbes Kostüm reden“, scherzte Schulze.

In seiner Rolle als Marktwächter geht dagegen Heinz Hilscher seit Jahren auf. Ihn muss wohl niemand überzeugen. „Zu der damaligen Zeit gab es auf jeden Fall auf den Märkten allerhand Pack. Und unanständige Frauenzimmer. Und das ist dann Aufgabe der Marktwache, das zu regeln“, gab er kurz den strengen Wächter. Hilscher kümmerte sich dann doch lieber um das Verteilen der Programmhefte in einem freundlichen Ton: „Haben Sie denn schon ein Programm, die Herrschaften?“

Und er verwies beispielsweise auf die Fahrzeiten der Königlich-Hannoverschen- Postkutsche. Doch nicht nur das Mitfahren mit vier Pferdestärken begeisterte die Besucher. Rosi und Frithjof Grögler aus dem Baden-Württembergischen haben unter anderem das Mitsingen deutscher Volkslieder zur Drehorgelmusik gefördert. Da ertönte beispielsweise das Lied, das die Farbgebung der Haselnuss beschreibt.

Unter die Gäste mischte sich zudem eine Delegation, die zum ersten Mal in Werben gastierte und trotzdem im Kostüm stilecht aufgetreten ist. „Das Ereignis hat sich rumgesprochen“, erzählte Bärbel Weist aus Fallersleben bei Wolfsburg. Weist ist seit über 40 Jahren Bürgermeisterin jener Stadt, die der Geburtsort des Germanisten und Dichters Hoffmann von Fallersleben war. Jener Mann, der den Text des Deutschlandliedes schrieb. „Sein Leben fand in der Zeit des Biedermeier statt. Das hat uns dazu bewogen, Gesang, Kleidungsstil und Lebensform nachzuempfinden“, so Weist, die in einem zart gelben Kleid nach Werben gekommen war und sich von dem Markt und der Stadt begeistert zeigte. Für sie war der Besuch eine Premiere.

Michael Rexin reist seit fünf Jahren aus Biederitz an: „Und seit dem bin ich zwei Mal im Jahr hier und baue Hocker. Wiedererwartend werden sie immer wieder gekauft.“ Wie der Tischler freuten sich auch seine Gäste über das Spektakel. „Ist schon eine kleine Großveranstaltung“, unterstrich Bernd Schulze. „Sie tragen mit Stolz ihre Kostüme“, freute sich Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau über die vielen Gäste. Andere Besucher meinten am Wochenende: „Man kommt mit vielen Leuten zusammen. Das ist toll.“

Von Alexander Klos

Großer Biedermeier-Markt in Werben

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