Siegergeschichte: „Der alte Schnauzbart - die Geschichte einer Freundschaft / Nachwuchspreisträger geehrt

Werben: Erster Platz beim Altmärkischen Literaturpreis geht an Ingrid Bahß

Jochen Hufschmidt liest im Werbener Café Lämpel vor Publikum.
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Jochen Hufschmidt liest den Siegertext der abwesenden Ingrid Bahß vor dem interessierten Publikum im Werbener Café Lämpel vor.
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    VonStefan Hartmann
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Es ist entschieden und offiziell. Ingrid Bahß ist die erste Preisträgerin des Altmärkischen Literaturpreises. Auch drei Nachwuchstalente wurden geehrt.

Werben – „Eine Geschichte, einfühlsam und berührend. Eine Geschichte, die beim Lesen Hoffnung mitbringt, dass es weder Geld noch Status braucht, um etwas zu bewirken – wohl aber Herz und Empathie“, leitet Danuta Ahrends. Autorin und Mitarbeiterin Osterburger Bibliothek, ihre Laudatio ein. Es ist eine Premiere: Zum ersten Mal wird der Altmärkische Literaturpreis in Zusammenarbeit mit der Kaschade-Stiftung verliehen. Ziel der warmen Worte ist Ingrid Bahß, die sich dank „Der alte Schnauzbart – die Geschichte einer Freundschaft“ die erste Preisträgerin nennen darf.

Da sie selbst nicht anwesend sein konnte, übernahm es Jochen Hufschmidt (Vorsitzender Arbeitskreis Werbener Altstadt), ihre Geschichte vorzutragen. In dieser erzählt die Autorin von einer Freundschaft in ihrem Leben, die sie über viele Jahre begleitet hat. Dabei wähle sie Worte, die ebenso sanft und unaufdringlich daherkämen wie die Protagonistin. „Der Alte hatte Ruhe zu verschenken“, nennt Ahrends als Beispiel. Es seien Sätze, die über die Geschichte andauern.

Im Jahr 1992 begegnete die Protagonistin einem wohnungslosen Mann, Herrn K. mit dem Schnauzbart, mit dem sie nach und nach eine immer stärkere Freundschaft verbindet. Einfühlsam und mit der notwendigen Geduld erzählt die Autorin, wie sie zu dem Mann, der sich meist als Einzelgänger verstand, mit der Zeit eine Freundschaft aufbaute, die so stark wurde, dass sie von anderen für Vater und Tochter gehalten wurden – und dem Eindruck nicht widersprachen. Ebenso einfühlsam und geduldig ließt Hufschmidt den Text vor, während sich einige Zuhörer verstohlen Tränen aus den Augenwinkeln wischen.

Zübeyde Bilgin (m.) hat den Nachwuchspreis des Altmärkischen Literaturpreises gewonnen. Helvi Pohl (l.) und Paula Heidenreich teilen sich den Platz Zwei.

Bahß kann sich aber nicht als einzige damit rühmen, als Erste in der Liste der Preisträger zu stehen. Die 15-jährige Zübeyde Bilgin aus Osterburg, die Mitglied der Schreibwerkstatt des Friedrich-Bödecker-Kreises ist, hat beim Nachwuchspreis den ersten Platz erreicht. Paula Heidenreich (17) aus Klein Schwechten und Helvi Pohl (14) teilen sich den zweiten Platz. „Beide haben lyrische Texte eingereicht“, erklärt Ahrends zu Bilgin und Heidenreich. Dabei beschreiben sie unter anderem ganz alltägliche Situationen. „Und sie machen das so, dass man ihnen gerne zuhört“, stellt sie fest. Der Einblick in ihre Seelen, den sie damit geben, sei nicht nur interessant, sondern auch mutig. Pohl hat einen anderen Weg eingeschlagen. Sie hat eine Fantasygeschichte eingereicht. Das sei angenehm, denn es zeige, wie vielseitig die Literatur ist.

Für die Jury war die Auswahl der Siegertexte eine schöne, aber auch schwierige Aufgabe. Zum einen durften sie viele schöne Texte lesen, zum anderen mussten sie diese aber bewerten und in eine Reihenfolge bringen. Von dieser Freude und Bürde werden sie sich aber voraussichtlich auch in den kommenden Jahren nicht lösen können. Es soll ein nachhaltiger Preis sein, stellt Rainer Erdmann, Vorstandsvorsitzender der Kaschade-Stiftung fest.

Die zweite Runde ist bereits geplant. „Einsendeschluss ist am 31. März 2022“, sagt Erdmann. Interessierte Altmärker oder Personen, die über die Altmark schreiben, können ihre Texte, Gedichte und Geschichten bei der Hansestadt Osterburg, Ernst Thälmannstraße 10 in 39606 Osterburg mit dem Stichwort „Literaturpreisverleihung“ einreichen.

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