Kritik überschaubar: Satteltouristen finden Region und Verein ziemlich dufte

Wanderreiter verlieren das Gasthaus

Reitgast Corinne Brinkmann, eine Immobilienwirtin, bereitet in Hohenberg-Krusemark ein Pferd vor.
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Reitgast Corinne Brinkmann, eine Immobilienwirtin, bereitet in Hohenberg-Krusemark ein Pferd vor.

Hohenberg-Krusemark – „Es bricht die eine oder andere Station weg und ja, es gibt immer weniger Dorfgaststätten, man steht vor verschlossener Tür. Das hat nicht unbedingt etwas mit Corona zu tun."

Corinne Brinkmann, eine passionierte Reiterin aus Schleswig-Holstein, muss schon ein wenig überlegen, um an ihrem Urlaubsrevier etwas weniger Schönes zu finden.

Seit gut zehn Jahren kommt die Truppe aus Frauen, ein gutes halbes Dutzend stark und mehr oder weniger immer dieselben, nach Hohenberg-Krusemark. Für diese Woche steht eine Rundtour auf dem Programm. Es geht mit der Fähre bei Arneburg über die Elbe und dann im Tross vornehmlich durch die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land und zurück.

Diese Verbandsgemeinde ist es auch, die komplett im Interessenverband „Sternreiten in der Altmark“ vertreten ist. „Hohenberg-Krusemark ist nicht mehr dabei, Arneburg und Hassel sehr wohl“, ordnet Vorsitzender Eike Trumpf im Kopf auf die Schnelle die Liste. „Hoffentlich habe ich keine Gemeinde vergessen.“ Hauptaugenmerk dürfte sowieso auf Reiterhofbesitzer, Hoteliers und andere Anbieter liegen. Mehr als 20 Unternehmer gehören dem Verein an. Der Betreiber einer Reiterpension in Dolle sei erst kürzlich beigetreten. „Dolle liegt zwar nicht innerhalb der politischen Grenzen der Altmark, gehört doch aber irgendwie dazu, das passt schon“, sagt der 57-Jährige im Gespräch mit der AZ und lächelt zufrieden.

Natur pur: Genau das und mehr lieben die Wanderreiter aus Schleswig-Holstein an der Elblandschaft Altmark. Eike Trumpf, der einheimische Tourleiter, und sein Pferd sorgen gleich einmal für ordentlich Wirbel im Flusswasser.

Die Corona-Zwangspause im Frühjahr habe natürlich auch dem Wanderreiten in der Region allzu sehr die Zügel angelegt. „Dennoch dürften die Anbieter bislang einigermaßen glimpflich durch die Krise gekommen sein“, meint Trumpf. Der Verein stehe jedenfalls ganz gut da, sitze sozusagen fest im Sattel und wolle sich bald wieder auf Fachmessen präsentieren. Eine juristische Auseinandersetzung um Beiträge einer früheren Mitgliedsgemeinde scheint längst vergessen und der Kopf der Führungsspitze wieder frei. 1999 aus der Taufe gehoben, wurde das Jubiläum des Vereins im vergangenen Jahr nicht groß gefeiert. Warum das so war, kann der Familienvater und frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck so richtig nicht erklären.

Schleswig-Holsteinerin Brinkmann greift noch einmal zur Pferdebürste, Begleiterinnen packen bereits Sättel und Zaumzeug bereit. Ein Pferd braucht ein neues Hufeisen, Uwe Trumpf, Hofbetreiber, Vereinsmitglied und Bruder des Vorsitzenden, kümmert sich. Ihre Heimat im Norden sei natürlich auch schön, sagt die 30-jährige Brinkmann derweil der AZ. „Aber hier gibt es mehr Landschaft und mehr Strecke sowie einen guten Mix, mal geht es über Stoppelfelder, mal durch ein schönes Waldgebiet.“ Bei der Tour dabei sind ihre Mutter im Sattel und ihre Großmutter im Begleitfahrzeug. Der Vereinschef höchstselbst führt auf einem Pferd die Gruppe über Stock und Stein. „Ich habe mir extra freigenommen.“

Die touristischen Sternreiter haben eine Vorgeschichte. Über ein gefördertes Pilotprojekt von 1997 bis 2000 konnten zahlreiche Wege hergerichtet und mit Hinweisschildern und Schutzhütten versehen werden. Dass davon schon einiges verfallen sei, wurmt Trump nach wie vor. Nach dem Projektende sei den Gemeinden alles übergeben worden. Etwa 1600 Kilometer sind in der Region über den Verein kartiert. Wege für Reiter in der Altmark gebe es natürlich noch deutlich mehr. Der Hohenberg-Krusemarker schätzte deren Länge bereits in einem AZ-Gespräch im Jubiläumsjahr auf insgesamt an die 12 000 Kilometer. Wanderreiten wachse seit Jahren und könne vielleicht sogar noch weiter zulegen. VON MARCO HERTZFELD  

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