Bevölkerung altert: Bürgermeister sieht Stadt dennoch auf gutem Weg

Vorzeigestadt Arneburg droht der Krückstock

Arneburg, Mitglied der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, steht vor demografischen Herausforderungen. Die Einwohnerzahl soll mindestens stabil sein.
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Arneburg, Mitglied der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, steht vor demografischen Herausforderungen. Die Einwohnerzahl soll mindestens stabil sein.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Ein fast volles großes Industriegebiet vor der Haustür, die Gewerbesteuern fließen. Eine sehenswerte historische Bausubstanz, der Leerstand im Zentrum soll bei unter einem Prozent liegen. Arneburg könnte ziemlich zufrieden sein.

Arneburg – „Die Einwohnerzahl bewegt sich einigermaßen stabil bei 1500. Das hört sich demografisch recht gesund an, doch auch wir wollen natürlich zulegen“, redet der Bürgermeister gegenüber der AZ erst gar nicht um den heißen Brei herum. Der wunde Punkt zeigt sich erst auf den zweiten Blick: Die Vorzeigegemeinde ist überaltert. Und das liegt nicht allein an der großen Pflegeeinrichtung vor Ort.

Mit konkreten Zahlen kann und will der CDU-Mann auf die Schnelle nicht aufwarten. Doch kann er das für die Altmark recht typische Phänomen im wahrsten Sinne des Wortes umschreiben. „Ich schreibe im Monat vielleicht 30 bis 40 Geburtstagskarten, wohlgemerkt, bis zu 40. Los geht es da erst mit einem Lebensalter von 70.“ Der ehrenamtliche Bürgermeister hat keine rosarote Brille auf. Dass Wirtschaftskraft und eine gewisse Spannbreite an Arbeitsplätzen in der Gegend allein nicht ausreichten, wisse er sehr wohl. Die Kommunalpolitik will nachsteuern und es könnte nicht zuletzt auf zusätzliche Bauplätze hinauslaufen.

Was das bei einem mittelalterlichen Stadtkern, der ziemlich ausgereizt und besetzt scheint, bedeuten kann, bleibt abzuwarten. In Bewegung gekommen scheint etwas, auch durch einen weiteren Großinvestor im Industrie- und Gewerbepark einige Kilometer entfernt, der in Arneburg selbst vornehmlich für Mitarbeiter und deren Familien neu bauen will. Riedinger, früherer Landrat und auch so erfahrener Kommunalpolitiker, will weitere sieben Jahre am Ruder bleiben und 2022 zur Wahl antreten. Gegenüber der AZ bestätigt er noch einmal: „Wenn die Gesundheit mitspielt, will ich es noch einmal wissen.“

Riedinger zählt 66 Lenze. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an...“ Der Altmärker hat gute Laune, auch wenn Corona und all die Beschränkungen noch längst nicht abgeschüttelt sein dürften. Ein halbes Leben lang führte er eine Dachdeckerfirma. Nun ist der scheinbar Nimmermüde ein Rentner, erst vor kurzer Zeit zog er von Hassel nach Arneburg. Sein Büro befindet sich gleich gegenüber seinem Quartier. Natürlich bleibe die Aufgabenliste lang: Straßenbau und weitere Infrastruktur, Freizeitangebote für Bürger, der Geburtstag des Burgbergs im Jahre 2025 und dessen weitere Umgestaltung. „Langweilig wird dem Stadtrat jedenfalls nicht.“

Und was sagen die Nachbarn? Riedinger lächelt. Seit April existiert der Ast oder besser: AST. Die drei Großbuchstaben stehen für Arneburg, Stendal, Tangermünde, ein Städtedreieck, das erklärtermaßen die gemeinsame Sache erkennen und fördern will. Er stehe mit Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) und Jürgen Pyrdok (parteilos), Bürgermeister in Tangermünde, im Austausch. „Es wird bei uns nichts gemacht, was die anderen beiden Großen nicht kennen“, sagt Riedinger verschmitzt und selbstbewusst. Inwieweit der erhoffte starke Ast der Altmark doch mehr ein Papiertiger sein könnte, ist ein anderes Thema.

Abstimmung der Bauleitplanungen, gemeinsame Umsetzung von Projekten etwa beim Radwegebau, einiges ist ja geschehen. Tangermünde gilt als wichtiger Tourismusstandort und attraktiver Wohn- und Gewerbestandort. Arneburg hat in seiner Gemarkung eines der größten zusammenhängenden Industriegebiete Deutschlands. Stendal als Mittelzentrum und Kreisstadt steht für Verwaltung, öffentliche Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Bildung, Kultur, Handel, Gewerbe und Industrie. Beim Sachsen-Anhalt-Tag 2022 in Stendal will sich die Stadt Arneburg übrigens nicht groß einbringen. „Wir feiern gern mit.“

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