Arneburger Vize-Feuerwehrchef droht mit Rücktritt: „Warten seit drei Jahren auf unser neues Fahrzeug“

„Verwaltung soll aus Tiefschlaf erwachen“

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Verbandsgemeinde-Wehrleiter Michael Nix hat Janine Schaarschmidt zur Gruppenführerin ernannt.

Arneburg. 16 Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene haben Arneburgs aktive Brandschützer neben laufenden Ausbildungen im vorigen Jahr absolviert. So schlagen 2745 Ausbildungsstunden zu Buche – was einen deutlichen Rückgang darstellt, denn 2016 waren noch 3111 Stunden gezählt worden.

Christian Fruhner: „Unsere Arbeit wird mit Füßen getreten.“

Im Vorjahr wurden laut Statistik 325 Stunden im Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge (IBK) geleistet (2016: 195). 1108 Stunden gab es in Kreisausbildungen sowie Training an 23 Dienstabenden, fünf ABC-Ausbildungen, ein Fahrsicherheitstraining, das Üben auf der Atemschutzstrecke in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) und schließlich auch vier Ganztagsausbildungen. Damit summieren sich die regelmäßigen Ausbildungen der Kameraden auf 1312 Stunden.

ReneSchernikau

Die Arneburger Truppe kann auf zwei Verbandsführer, drei Zugführer, vier Gruppenführer, 16 Truppführer, elf Maschinisten und zwei Sicherheitsbeauftragte zurückgreifen. Ebenfalls verfügt sie über 13 Atemschutzgeräteträger, 28 Sprechfunker, 21 Kameraden für technische Hilfe sowie 26 Kameraden für technische Hilfeleistung im Bereich Bahn. 2018 werden ebenso viele Stunden erwartet.

Die beste Ausbildung trage aber keine Früchte, wenn es an der Technik mangele. So machte sich Arneburgs Vize-Wehrleiter Christian Fruhner Luft auf dem Jahrestreffen im Domizil an der Ellinger Chaussee. Er ging sogar so weit und kündigte seinen Rücktritt an, wenn die Verwaltung der Verbandsgemeinde „nicht endlich aus ihrem Tiefschlaf erwacht“. Vergebens warteten die Brandschützer seit drei Jahren auf ihr Löschfahrzeug LF 20. Das alte Löschgruppenfahrzeug wurde ausgemustert, bis dato gebe es nur „Übergangslösungen“. Fruhner: „Unsere Arbeit wird mit Füßen getreten, ich übernehme keine Verantwortung mehr, wenn das so weiter geht. So können wir keine neuen Mitglieder gewinnen.“

Arneburg-Goldbecks Verbandsgemeindebürgermeister René Schernikau (parteilos) betonte, dass kein Tag vergehe, an dem er nicht mit Feuerwehr zu tun habe. „Ich bin Ihnen tief verbunden und danke für die geleistete Arbeit. Auf Sie ist Verlass, wir brauchen Sie.“ Jetzt sollten Taten folgen, kündigte er an.

Dank der endlich beschlossenen Risikoanalyse sei die Verbandsgemeinde jetzt „einen Schritt weiter“. Die Beschaffung der Schutzausrüstung laufe besser. Für das neue Löschfahrzeug LF 20, das 325 000 Euro koste, seien 160 000 Euro im Haushalt eingeplant. Weiterhin kündigte der Verbandsgemeinde-Chef an, eine Kampagne zur Mitgliederwerbung zu starten. Seit 131 Jahren seien freiwillige Feuerwehren für die Bürger da, würden bei Unglücksfällen und Notständen helfen und bei Gefahren bereitstehen.

Für die zukünftigen Aufgaben sei die Anzahl der Mitglieder nicht mehr ausreichend, erklärte Arneburgs Wehrleiter Ronny Hertel. Nur 37 aktive Mitglieder zählt die Wehr, die für die rund 1400 Bewohner der Elbestadt rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr ehrenamtlich unter Einsatz ihres Lebens helfen, retten, bergen und schützen.

Der Altersdurchschnitt der aktiven Truppe liege bei 42 Jahren. Eine „intensive Mitgliederwerbung“ sei dringend nötig. Dazu müsse es aber auch Voraussetzungen für die Zukunft geben, forderte Hertel. Der zunehmende Platzmangel im Gerätehaus könne nur mit einem Anbau geregelt werden, dazu bat er Arneburgs Bürgermeister Lothar Riedinger darum, mit den Stadträten eindringlich zu sprechen und möglichst schnell eine Lösung zu finden.

Von Ute Krug

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