Früherer Bürgermeister hält zur CDU und gibt Quertreibern einen Korb

Trumpf lässt seine Wunden heilen

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Eike Trumpf (r.), damals noch Bürgermeister, bei einer Informationstour vor zehn Jahren auf einer RWE-Baustelle in Nordrhein-Westfalen. Die Pläne für ein Steinkohlekraftwerk in Arneburg haben sich längst erledigt. 

Hohenberg-Krusemark – „Ich bin in ein tiefes Loch gefallen.“ Im April 2015 verliert Eike Trumpf gegen Chris Schulenburg überraschend den Kampf um die CDU-Direktkandidatur für die Landtagswahl.

Und für ihn noch schlimmer: Ende Oktober 2016 zieht der Hohenberg- Krusemarker bei der Bürgermeisterwahl den Kürzeren, René Schernikau triumphiert. „Der 17. Januar 2017 ist mein letzter Arbeitstag für die Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck gewesen.“ Eine Revanche, in welcher Form auch immer, schließt der Christdemokrat aus, momentan jedenfalls. „Ich setze meine Prioritäten aktuell anders“, sagt er der AZ.

In der politischen Hängematte liegt der langjährige Bürgermeister deshalb noch lange nicht. Seit 1994 arbeitet Trumpf ununterbrochen im Kreistag. Früher den Vorsitz im Rechnungsprüfungsausschuss innehabend, führt er seit geraumer Zeit das Zepter im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Landwirtschaft und Tourismus. Bei der Kreistagswahl am 26. Mai will der waschechte Altmärker wieder um einen Sitz im Plenum kämpfen. Dass er sich der „Wählergemeinschaft pro Altmark“ zweier CDU-Quertreiber anschließt, sei ausgeschlossen. „Ich wurde bereits gefragt, so ist es ja nicht, doch ich habe Nein gesagt.“

Diese Partei sei seine politische Heimat, mag der Stachel der Niederlage gegen Schulenburg auch tief gesessen haben. Die CDU-Rebellen Nico Schulz und Rüdiger Kloth, Bürgermeister in Osterburg und Seehausen, sieht er auf dem Irrweg. Inwieweit deren Vorwürfe zum Stendaler Wahlskandal 2014 zutreffen, wolle und könne er nicht bewerten. „Das ist nicht mein Beritt.“ Seine früheren Amtskollegen werfen der Kreisspitze vor, die Affäre um gefälschte Wahlunterlagen intern unzureichend aufgearbeitet zu haben. Zusätzlich pikant: Trumpfs Nachfolger Schernikau (parteilos) hat sich Schulz und Kloth angeschlossen.

Die Enttäuschungen der vergangenen Jahre seien verarbeitet. Und um einen Beamten im Ruhestand mit 27 Dienstjahren müsse sich niemand Sorgen machen. „Privat und beruflich ist sowieso alles in Butter.“ Der 55-Jährige ist verheiratet, eine Tochter drückt die Schulbank, die andere besucht bereits die Universität. Der ehemalige Bürgermeister arbeitet inzwischen für das Management im Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) bei Arneburg und soll den Standort weiterentwickeln helfen. Zuletzt hat sich ein größerer Händler von Getreideprodukten angesiedelt. Trumpf hofft auf weitere dicke Fische.

Die Familie besitzt das „Gutshaus“ im Ort. Die Pension besuchen vor allem in Frühling und Sommer Menschen, die auf dem Elberadweg oder dem Jakobsweg unterwegs sind. Der Hohenberg-Krusemarker macht sich auch so für Tourismus stark, insbesondere für Wanderreiten. Trumpf ist Gründungsvorsitzender des Interessenverbandes „Sternreiten in der Altmark“, der 2019 zwei Jahrzehnte besteht (die AZ berichtete). „Im Nachhinein sehe ich in den Wahlniederlagen keinen Verlust, ich habe an Lebensqualität gewonnen. Über 25 Jahre diente ich der Allgemeinheit, jetzt denke ich mehr an mich und meine Lieben.“

Trumpf ist Beisitzer im CDU-Kreisvorstand und will Kreistagsmitglied bleiben. „Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ 2021 wird der Landtag neu gewählt. Der Familienvater will kein Interesse erkennen lassen. Und schon gar nicht die Arbeit seines Nachfolgers im Rathaus beurteilen. Ganz in überseeischer Tradition: Präsidenten der USA verkniffen sich, die Arbeit ihres Nachfolgers zu bewerten. Dann kam Donald Trump und Barack Obama platzte irgendwann der Kragen. Im Übrigen trennten Trump und ihn, Trumpf, Welten und nicht nur der eine Buchstabe mehr im Namen. Aber so schnell landet man bei der ganz großen Politik.

VON MARCO HERTZFELD

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