Linden vor Arztpraxis sorgen für Unmut / Fäll-Verbot auch an der Lindenstraße

„Das sollten wir als Stadt lieber nicht riskieren“

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Noch steht das Landwarenhaus: Die Untere Naturschutzbehörde hat für den Arztpraxis-Neubau nur das Fällen von zwei Linden erlaubt.

Arneburg. Dass nur zwei der fünf Linden vor dem geplanten Arztpraxis-Neubau an der Bahnhofstraße gefällt wurden, hat in der Elbestadt für Kopfschütteln gesorgt.

„Warum wurden die drei anderen Bäume stehengelassen?“, verweist Carsten Sommer (BI Arneburg) jetzt auf das erst vor zwei Wochen im Stadtrat gefasste Votum. Das Gremium war überein gekommen, im Zuge des unmittelbar bevorstehenden Abrisses des leerstehenden Landwarenhauses besagte Linden zu fällen – auch, weil die Bäume wie an noch vielen Stellen auf dem Gebiet der Kernstadt gefährliche Stolperfallen auf Bürgersteigen verursachen. Vor der Grundschule Arneburg war zuletzt ein Hochschwangere gestürzt, da Wurzeln das Gehwegpflaster halsbrecherisch aufgewölbt hatten (AZ berichtete).

Anders als noch bis vor Kurzem könne die Stadt nun aber nicht mehr allein entscheiden, welche Bäume sie fällen dürfe. „Alles, was in Reih’ und Glied als Gruppe steht, ist jetzt automatisch unter Schutz“, erklärt der Bürgermeister neueste Entwicklungen. Denn die beim Landkreis angesiedelte Untere Naturschutzbehörde habe nur dem Fällen der zwei Linden zugestimmt, die direkt an der Vorderseite des Abrissobjektes gestanden hatten. Die drei restlichen Linden im Bereich des Gehweges entlang der Bahnhofstraße seien jedoch schutzbedürftig. „Darüber können wir diskutieren, solange wir wollen, doch wir haben keine Chance“, hofft Lothar Riedinger (CDU) auf Einsicht im Rat. Daraufhin machte Stadtratsmitglied Ronny Hertel (CDU-Fraktion) den Gegenvorschlag, prüfen zu lassen, was es die Stadt koste, wenn sie Linden trotz des Verbots fällt. Außerdem könne beim Abriss des Gebäudes ja noch eine Menge passieren, klang die Idee von Hertel, der auch Chef der Arneburger Feuerwehr ist, wie eine Form zivilen Ungehorsams.

Diesen Gedankenspielen erklärte das Stadtoberhaupt, das zugleich Vorsitzender des Stendaler Kreistages ist, eine klare Absage. Riedinger könne die Debatte zwar nachvollziehen, aber er sorgt sich um das Signal, das von einer solchen Verbotsmissachtung ausgehe. „Wir als Stadt sollten das nicht riskieren“, bat er um Verständnis.

Denn der Streit um das Fällen gerade von Linden ist in der Elbestadt ein langwieriges Thema. Ein Anwohner an der Lindenstraße, die sich in direkter Nachbarschaft zur Bahnhofstraße befindet, beklagte zuletzt im August 2015 in der AZ, dass ihm das Fällen einer seiner Meinung stark erkrankten Linde verboten worden sei. Der Baum behindere den Zugang zu einer stark frequentierten Stelle, die mehr Besucher als das Rathaus zähle. Und wie es der Zufall will, steht diese Linde vor einer Arneburger Arztpraxis.

Von Antje Mahrhold

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