Skulptur für Burgberg

Sachsenherzog Heinrich I. zieht zu Ostern in Arneburg ein

Die Kupferfigur Heinrich I. steht in der Werkstatt des Künstlers.
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Inzwischen sitzt Heinrich I. auch ein kleiner Vogel kunstvoll auf der Schulter. Metallbildhauer Eckhard Herrmann in Eberswalde befindet sich so gut wie am Ziel.
  • Marco Hertzfeld
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Sachsenherzog Heinrich I. soll zu Ostern auf dem Burgberg stehen. Arneburgs Bürgermeister Lothar Riedinger will da auch gar nichts mehr übereilen.

Arneburg – Sachsenherzog Heinrich I. zieht zu Ostern in Arneburg ein. „Darauf läuft es aktuell hinaus“, sagt Bürgermeister Lothar Riedinger der AZ und will seine Vorfreude erst gar nicht verstecken. Die Skulptur soll demnach an Karsamstag, 16. April, feierlich übergeben werden. Die kunstvolle Darstellung des für die Stadtgeschichte so wichtigen mittelalterlichen Adligen sei komplett, vielleicht fehlten noch einige Feinheiten. Anfang nächsten Jahres soll es nicht zuletzt mit Vertretern des Stadtrates im Bus ins brandenburgische Eberswalde gehen. Künstler Eckhard Herrmann sendet aber auch regelmäßig Nachrichten und Fotos von seinem Werk in die altmärkische Elbestadt, die 2025 ihren 1100. Geburtstag feiert.

Frost, Wahlkampf und Kupferkunst

Die Figur auf Teufel komm raus noch dieses Jahr aufzustellen, ergebe keinen Sinn. „Der Künstler und ich haben offen gesprochen.“ Zum einen sollten die Arbeiten nicht unbedingt in kalter Jahreszeit über die Bühne gehen, auch wenn die Skulptur außen aus Kupfer besteht und im Inneren ein Edelstahlkorsett für den nötigen Halt sorgt. Auch könnte der eine oder andere Interessierte des Wetters wegen fernbleiben. „Das wäre doch schade.“ Und ja, ein fairer Wahlkämpfer müsse auch den Urnengang im Blick haben. Am 6. März wird der Arneburger Bürgermeister neu gewählt, die mögliche Stichwahl steht für den 20. März im Kalender. „Nachher denken die Leute noch, ich nutze den Heinrich für meine Kandidatur.“

Bürgermeister setzt auf stabile Kosten

Der CDU-Mann lächelt verschmitzt und ruft wie nebenbei im Handy neueste Aufnahmen aus dem Brandenburgischen auf. „Die Figur sieht beeindruckend aus. Der Künstler hat sogar an den kleinen Vogel gedacht und an anderer Stelle ist ein Falke verarbeitet.“ Die Geschichte Arneburgs ist eng mit der von Heinrich I., später auch der Vogler genannt, verbunden. Er lebte im 9. und 10. Jahrhundert und war für den Bau zahlreicher Burgen verantwortlich, auch für die Arneburg. Wenn es um sein metallenes Antlitz geht, reden Riedinger und Mitstreiter lieber von einer Skulptur als von einem Denkmal. Allzu viel Pathos oder gar Heroismus soll es nicht werden. „Das wäre übertrieben und unpassend.“

Der Künstler habe sich nach den Vorstellungen der Stadt gerichtet und gleichwohl seine Handschrift gezeigt. Dass die Kosten wahrscheinlich nicht die vorgesehenen bis zu 30.000 Euro überschreiten, stimmt das Stadtoberhaupt zusätzlich froh. Gut 2,30 Meter soll Heinrich I. auf dem Burgberg in die Höhe ragen. Zusätzlich thronen soll die Kupferfigur im Park rechts von der Burggaststätte wie zuletzt geplant auf einem imposanten Feldstein, nicht mehr und nicht weniger. Dass der König des Ostfrankenreiches ab 2022 auch von unten zu sehen sein wird, daran glaubt Riedinger nicht. „Dafür dürfte die Körperlänge nicht ausreichen.“ Doch irgendwie sei das ja eben auch so gewollt.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Denkmal nach Maß: Geschichte ohne allzu viel Pathos:
Die deutsche Frau misst im Durchschnitt 1,66 Meter, der deutsche Mann 1,80 Meter. Heinrich I. kommt auf gut 2,30 Meter. So mancher Altmärker hätte der Skulptur aus Kupfer sicherlich den einen oder anderen Zentimeter mehr gegönnt, schließlich handelt es sich um einen Herzog und König, egal, wie lang er in Wirklichkeit gewesen sein mag. Heinrich I. bringt es in Arneburg immerhin auf Gardemaß, mehr aber auch nicht. Doch genau das haben die Initiatoren ja ganz offensichtlich auch so gewollt. Die Elbestadt möchte sich, den Burgberg und das mittelalterliche blaue Blut feiern. Mag der Stadtgeburtstag 2025 wichtig sein, auch er ist irgendwann Geschichte, aber der Vogler im Park bleibt. Übergröße und allzu viel Pathos zögen vielleicht auch noch ganz andere Leute an. Und bitte: Ein Hingucker ist der Kerl auch so allemal.

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