Gerüchteküche brodelt

Razzia beim Teppichhändler: Großeinsatz in Rochau bringt keinen Fund

Mehr als 50 Einsatzkräfte durchsuchten das weitläufige Gelände etwa zwei Stunden lang.
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Mehr als 50 Einsatzkräfte durchsuchten das weitläufige Gelände etwa zwei Stunden lang.
  • Antje Mahrhold
    VonAntje Mahrhold
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Großaufgebot der Polizei beim „Polsterriesen“ am Dienstagmorgen in Rochau: Mehr als 50 Einsatzkräfte durchsuchten ab etwa 7 Uhr das weitläufige Gelände an der Breiten Straße, weil dort eine Cannabis-Indoorplantage vermutet wurde, wie Kriminaloberkommissarin Beatrix Mertens auf AZ-Anfrage erklärt.

Rochau – Den Angaben der Sprecherin der Polizeiinspektion Stendal zufolge, seien die teils maskierten Polizisten aufgrund eines „Bürgerhinweises“ aktiv geworden. Der rund zwei Stunden dauernde Einsatz sei im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ausgelöst worden. Gefunden hätten die Beamten allerdings nichts, teilt Mertens mit.

Kein Zusammenhang mit Berliner Razzia

Das frühmorgendliche Blaulicht-Geschehen auf dem Areal des einstigen Kreisbetriebs für Landtechnik (KfL), das sich Anfang der 1990er-Jahre zu einem florierenden Einkaufscenter mit Möbelgeschäft, Wohnungen, Konsum, Tapeten- und Farbenladen sowie Bankfiliale entwickelt hatte, ist auch dem Bürgermeister des Altmarkorts nicht verborgen geblieben. Die mehr oder minder verwahrloste Immobilie gehöre einem Berliner. In dessen Zuständigkeit falle auch eine Attacke gegen das Kabel eines Signalverstärkers für GPS-Daten landwirtschaftlicher Geräte, erinnert Dirk Zeidler. Mitte 2019 habe die zuständige Betreiberfirma besagte Leitung instandsetzen müssen, weil bislang unbekannte Täter die Elektroschnur zu der auf dem Schornstein montierten Antenne gekappt hatten – offenbar aus der Sorge heraus, mit der Technik von oben überwacht zu werden.

Derweil brodelt in der rund 1000-Seelen-Gemeinde die Gerüchteküche. Anwohner vermuten einen Zusammenhang der gestrigen Polizeiaktion mit der Groß-Razzia vor Kurzem in Berlin, als 500 Beamte insgesamt 33 Objekte auch in Hamburg wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung durchsucht hatten. Diesen Zusammenhang bestätigt die Polizei Stendal aber nicht, sondern verweist auf die Information eines Bürgers, der die Gesetzeshüter auf den Plan gerufen habe.

Standort für A 14 interessant

Der aktuelle Eigentümer habe dort zuletzt Teppiche verkauft, nachdem in dem Gebäudekomplex Ende 2017 der Betrieb des Nachfolgeeinzelhandelsunternehmens „Möbel Rix“ zu Ende gegangen sei. Für den Erwerb der Immobilie, die aus rund 6500 Quadratmeter überdachter Handelsfläche sowie einem Wohnhaus und einem Lagergebäude besteht, sei zuletzt ein sechsstelliger Betrag im mittleren Bereich verlangt worden.

Eine mögliche neue Zukunft für das Anwesen mitten in Rochau sei im Ort erst vor Kurzem diskutiert worden, berichtet der Bürgermeister. Demnach könne der Standort angesichts der neubaubedingt herannahenden Autobahn 14 wegen seiner günstigen Lage zur neuen Trasse zwischen den geplanten Abfahrten bei Osterburg und Stendal für eine mögliche neue Feuerwehrzentrale in Frage kommen. Diese Idee allerdings, wissen Verantwortliche, liege nicht im Interesse maßgeblicher Entscheidungsträger – weder in der Kreisstadt noch in der Ex-Kreisstadt an der Biese.

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