Investoren-Firma im Streit um den Bau eines Windrads bei Hassel plant Prototypen / Zusammenarbeit mit der Schweiz

Radar in „Roter Zone“ soll Vögel retten

Auf der Suche nach einem Schlafplatz kommt ein Schwarm Stare den rotierenden Flügeln der Windkraftanlagen nahe. Laut einer Studie kommen jährlich etwa 12.000 Mäusebussarde und 1500 Rotmilane durch Kollisionen mit Windrädern zu Tode. Greifvögel sind besonders gefährdet, weil sie beim Jagen nach unten sehen.

Arneburg-Goldbeck. Mit einem Radar-System will die Investoren-Firma, die derzeit mit kräftigem Gegenwind von der Bürgerinitiative „Keine weiteren Windkraftanlagen in der Verbandsgemeinde“ kämpft, im Vogelschutz punkten.

Das Unternehmen plant den Bau einer rund 130 Meter hohen Super-Anlage nahe der Gemeinde Hassel, die die Nachbarn im dort seit Jahren rotierenden Windpark um etwa 40 Meter überragen soll. Eigenen Angaben zufolge befindet sich der Familienbetrieb dieses Jahr in der „Pilotphase“ für ein Radarsystem, das sogenannte Schlagschäden bei von Rotoren zermalmten Greif- und Singvögeln verhindern soll – indem vollautomatisch ein Stoppsignal ausgelöst werde. Damit könnten die Rotoren innerhalb von circa 20 bis 30 Sekunden abgeschaltet werden.

Für die Zusatzausrüstung namens „Bird-Scan“ (Vogel-Erfasung) soll laut Unternehmen noch in diesem Jahr ein Prototyp entstehen, dessen Produkt-reife im vierten Quartal 2019 erwartet werde. Ziel sei eine „wirksame Reduktion der Kollisionsrisiken“. Zugleich teilt das Unternehmen mit, dass es mit der neuen Radartechnik möglich sei, Windräder „auch in nicht genehmigungsfähigen Gebieten zu bauen“. Es sei „ein aktiver Beitrag zum aktiven Naturschutz“.

Die Vogelschutz-Technik entstehe in Zusammenarbeit mit einer Schweizer Firma, teilt das ostaltmärkische Unternehmen mit. Gemessen werde in zwei Arealen. In der Warnungs-Zone, 300 bis 700 Meter um den Windkraftstandort, würden alle Vögel erfasst und ermittelt. Wenn deren Flugbahn lebensgefährlich sei, können in der „Roten Zone“ Stoppsignale ausgelöst werden. Die zweite Zone liege 300 Meter vom Rotor entfernt.

Am umstrittenen Standort bei Hassel seien immerhin 37 von 41 Vogelarten als „windkraftanfällig“ eingeschätzt worden, hatte Wilfried Raup als Anführer der Bürgerinitiative diese Woche dem Verbandsgemeinderat in Goldbeck mit Nachdruck ans Herz gelegt. Eindringlich wies er auch auf die ökonomischen Folgen der hohen Windkraftanlagen-Dichte in Arneburg-Goldbeck hin. „Wir zahlen die höchsten Strompreise Deutschlands“, sagte er.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2016, wonach 46 Windparks in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg Vorpommern und Brandenburg vier Jahre lang systematisch nach Schlagopfern abgelaufen wurden, werde geschätzt, dass jährlich etwa 12.000 Mäusebussarde sowie circa 1 500 Rotmilane mit Windrädern kollidieren. Bei Fledermäusen liege die Zahl noch höher: Etwa 240.000 kommen der Studie zufolge pro Jahr an Windrädern um. Auch Adler und Störche zählen zu den Kollisionsopfern. Und die Dunkelziffer gilt als hoch, weil wahrscheinlich nicht alle Schlagopfer gefunden werden.

In anderen Regionen wird bereits mit sogenannter Ablenkfütterung versucht, die Vögel zu schützen. Dort wird regelmäßig Unfallwild als Futter in sicherer Entfernung zum Windpark ausgelegt. Greifvögel sind besonders gefährdet, weil sie beim Jagen nach unten sehen. Auch nutzen viele Vögel die Thermik der Räder. Und die Schlagopfer, ob Vogel oder Fledermaus, holt sich oft der Fuchs und andere Aasfresser.

Von Antje Mahrhold

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