Gleisschwellen aus Fernost sollen 50 Jahre halten

Premiere in der Region Arneburg: Japan-Kunstholz stellt Weichen neu

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Das „Leuchtturm-Projekt“ im Rücken hält Material aus Fernost vor der früheren Kernkraftswerksbaustelle Einzug.

Arneburg – Material aus dem Land der aufgehenden Sonne soll den Kostendruck auf Gleisen des Industrie- und Gewerbeparks „Altmark“ (IGPA) positiv beeinflussen.

Wo tonnenschwerer Material- und Güterverkehr für die Großfabriken vor den Toren von Arneburg tagein, tagaus hin- und herrangiert wird, sind bestimmte Abschnitte des Schienenstrangs stets besonders massiv beansprucht.

Für bessere Verkehrsbedingungen soll deswegen eine rund 63 000 Euro teure Investition der Stadt Arneburg sorgen, die Anfang der Woche an Weiche 15 des Stellwerks „Niedergörne“ am Areal der früheren Kernkraftwerksbaustelle gestartet sind. Kunstholzschwellen aus Japan, die mit dem Frachtschiff wochenlang bis Hamburg unterwegs gewesen sind, halten auf 33 Metern Einzug, womit sowohl die Region als auch das Montageteam eine Premiere an der ostaltmärkischen Oberfläche meistert.

Schwellen aus Kunststoff gelten als besonders formstabil und elastisch.

„Arneburg geht einen Weg, den andere noch nicht gehen“, lobt Thorsten Delfs die Entscheidung für den Stoff aus dem Land des Lächelns. Schwellen aus Kunstholz verfügten über eine Lebensdauer von prognostizierten 50 Jahren, seien besonders elastisch und wiesen eine hohe chemische Beständigkeit auf, erläutert der Vertriebsmitarbeiter im Namen des japanischen Mischkonzerns Sekisui. Sie könnten in beliebiger Länge und dazu auch noch formstabil produziert werden. Das Material bestehe aus Polyurethane (Pur) und sogenannten Endlosglasfasern.

Auf einer Strecke von 33 Metern kommt der Stoff aus dem Land des Lächelns alle 60 Zentimeter ins Gleis.

Der fernöstliche Stoff ist auch in einer Bahnbrücke in Landshut sowie an Weichen in Würzburg, Hamburg, München, Leverkusen, Bochum, Köln und Vilsbiburg eingebaut worden. Der Umgang mit den rotbraunen Schwellen ist auch für den Chef des sechsköpfigen Montageteams der Tief- und Gleisbau Brandenburg (TUG) Neuland, wie Geschäftsführer Joachim Behm berichtet. Seine Mitarbeiterschaft bringt an dem Vormittag im Schein einer bestgelaunten Frühlingssonne Stück für Stück in den Strang. Zum Einsatz kommt vor dem rauchenden, rot-weiß geringelten Schornstein, wegen dem Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zur Eröffnung des Zellstoffwerks im Oktober 2004 von einem „Leuchtturm-Projekt“ gesprochen hat, neben Spezialtrennschleifern und Montierhebeln, Hackenschraubenausstoßern und Hebegeräten auch ein kraftstrotzender Zweiwegebagger.

Rund 100 Millionen Schwellen sind auf deutschen Bahnstrecken derzeit verlegt. Bislang bestehen diese noch zu rund 70 Prozent aus Beton, zu 15 Prozent aus Holz und zu 15 Prozent aus Stahl.

VON ANTJE MAHRHOLD

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