Kritik von der Basis: Betreuungsschlüssel in Kitas hält mit Raubtier nicht mit

Personaleinsatz für den Wolf bringt Bürgermeister in Rage

+

Arneburg-Goldbeck. Resolutionen aus Osterburg, der Umgebung und im Oktober vom Rat der Kreisstadt, ein Mahnfeuer mit mehr als 100 Landwirten, Jägern und Schäfern Mitte September in Bismark, eine Spezial-Leitlinie vom Umweltministerium im Juli ... 

... und zuletzt Mitte des Monats eine Polizeischusswaffen-Erlaubnis per Runderlass vom Innenminister: Der Wirbel um Isegrim spaltet weiterhin die Gemüter. 

Auch das seit Februar mitten im Gebiet der Verbandsgemeinde eröffnete Wolfs-Kompetenzzentrum auf dem Gelände der Landesanstalt wird kritisch beäugt. Und nachdem die Idener Behörde im September personell aufgestockt wurde und nun auf fünf Köpfe angewachsen ist, hat sich auch die Ordnungspolitik Arneburg-Goldbecks den Wolf auf die Tagesordnung gesetzt.

Karlheinz Schwerin.

So hat Wolfskompetenzzentrums-Mitarbeiter Peter Oestreich im Sitzungssaal des Verwaltungsstandorts Goldbeck erklärt, dass zwar „alle“ vom Wolf reden würden, das Raubtier „aber keiner“ sehe. Und dabei kam es zur Diskussion über den Personaleinsatz für das geschützte Wesen. So verglich der Ausschussvorsitzende den Aufwand für den Wolf mit dem Betreuungsschlüssel, der derzeit in den staatlichen Kindertagesstätten Sachsen-Anhalts an der Tagesordnung sei. Dort sei eine einzelne Erzieherin für immerhin zwölf Kinder zuständig, während allein in Sachsen-Anhalt für die aktuell registrierten etwa 60 Wölfe unterm Strich in Behörden, Ministerien und Institutionen circa 100 Leute tätig seien. Diese Diskrepanz finde Karlheinz Schwerin verwunderlich.

Der Bürgermeister aus Eichstedt ist für seine offene Art bekannt. Mit seiner Meinung aber dürfte er vielen Ostaltmärkern aus dem Herzen sprechen. Die „berechtigten Sorgen“ von der Basis hatte vor wenigen Wochen auch Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) zum Anlass genommen, einen „Hilferuf“ an die Verantwortlichen in Magdeburg zu senden. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) reagierte auf die sich seit Monaten zuspitzende Wolfskritik dann vor wenigen Tagen. Und erlaubte den Einsatz von Polizeikugeln gegen das geschützte Raubtier, wenn akute Gefahr bestehe. „Der Schutz unserer Bevölkerung steht an erster Stelle“, begründete Stahlknecht seinen Runderlass.

Mit dem Vorgehen aber hat der Leiter des Idener Wolfskompetenzzentrums so seine Sorgen. Für Andreas Berbig komme die Abschuss-Freigabe jedenfalls „viel zu früh“, lautet die Reaktion des Fachmanns. Laut Wolfsmonitoring wurden in Sachsen-Anhalt zuletzt insgesamt zehn Wolfsrudel sowie drei territoriale Wolfspaare festgestellt. Wie das Bundesamt für Naturschutz mitteilt, gibt es republikweit 60 Rudel mit je drei bis elf Tieren. In einer Informationsbroschüre, die das Magdeburger Umweltministerium vor drei Jahren veröffentlicht hat, heißt es: „Die Rückkehr der Wölfe ist ein natürlicher Vorgang.“ Im hohen Maße sei Eigenverantwortung gefordert, da die langjährige Abwesenheit „zur Vernachlässigung geeigneter Vorsichtsmaßnahmen in der Nutztierhaltung“ geführt habe. Auch sei es wichtig, „eine Spezialisierung einzelner Wölfe auf Nutztiere zu verhindern“, lauten die Tipps aus 2014.

Von Antje Mahrhold

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare