Arneburger Stadtrat vertagt Entscheidung über Standort für neues Fledermaus-Erfassungsgerät

„Nicht direkt am Geländer“

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Mit dem Fledermaus-Erfassungsgerät können die Flugbahnen auch vom Großen Abendsegler aufgezeichnet werden.

Arneburg. „Dafür ist die Aussichtsplattform nicht gebaut worden“, will Stadtrat Andreas Damisch (CDU) keinen Fledermaus-Kasten am Geländer der vor zwei Jahren eröffneten, 30 Meter hohen Touristen-Attraktion.

Diplom-Ingenieur Falko Meyer will im Auftrag eines Windpark-Investors ein Fledermaus-Erfassungsgerät an der Arneburger Aussichtsplattform montieren.

„Wir haben nichts gegen Fledermäuse“, plädiert das Bauausschuss-Mitglied aber für einen anderen Standort. Weil der 60-Tonnen-Stahlkoloss aber weit in die Lüfte Arneburgs am Hang des Burgbergs ragt, sei die Plattform ein idealer Ort, bittet Falko Meyer Dienstagabend um grünes Licht der Stadtväter. Installiert werden soll im Auftrag eines Windparkbetreibers, der damit eine Auflage umsetzt, eine sogenannte Erfassungsbox. Das solarbetriebene Gerät zeichnet mittels Mikrofon die Ultraschalllaute der Fledermäuse auf einem Speicherchip auf. Anhand dieser Daten können die Flugbahnen der fliegenden Säugetiere ermittelt werden. Forscher schätzen, dass jährlich mindestens etwa eine Viertelmillion Fledermäuse an Windrädern durch Rotorschlag in Deutschland sterben.

Die Aussichtsplattform.

Der Radarsensor am Arneburger Elbhang soll von April bis November im Einsatz sein, erklärt Meyer. Der Weißenfelser ist Inhaber eines Ingenieurbüros, das auch Feldhamster-Gutachten und Umweltverträglichkeitsstudien für Wasser- und Windkraftprojekte sowie für Straßenbau- und Hochwasserschutzvorhaben bislang überwiegend im Süden Sachsen-Anhalts erstellt. Auch ist Meyer im Verein „Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen-Anhalt“ als Zweiter Stellvertreter aktiv. „Das Gerät direkt am Geländer anzubauen, fände ich nicht gut“, will auch Stadtrat Carsten Sommer (BI Arneburg) keinen Fledermaus-Kasten an der Aussichtsbrücke. Und schlägt vor, in das Vorhaben die in der Arneburger Grundschule und Tagesstätte „Elbräuber“ aktiven Junior Ranger in Meyers Fledermaus-Aktion einzubeziehen. Mit dem durch Meyer selbst genannten Alternativstandort der Linden am Elbhang könne Sommer leben. Eine Montage der Erfassungsbox aber am Arneburger Kirchturm, wie in der Sitzung diskutiert, lehnt der Diplom-Ingenieur ab. „Das ist zu weit weg von der Elbe.“

Während solche Erfassungsgeräte bereits „im Bereich des Windparks“ bei Arneburg fleißig Fledermaus-Geräusche aufzeichnen, die der Mensch nicht hören kann, weil sie nach dem Echolotprinzip funktionieren, tun sich Arneburgs Stadtväter schwer mit einer Entscheidung. Obwohl Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU) empfohlen hatte, den Standort für den Radarsensor im nicht öffentlichen Teil festzulegen, wird die Angelegenheit an dem Abend letztlich vertagt. Selbst ein Verweis auf bislang im Arneburger Rathaus ansässige Experten vom Biosphärenreservat „Mittelelbe“ hat die Runde nicht weitergebracht. „Da ist doch keiner mehr, die sind doch alle auf Wolfsjagd“, muss das Stadtoberhaupt möglicher Hilfe von dort eine klare Absage erteilen. Und ob der Kasten am Plattformgeländer womöglich Diebe in gefährliche Situationen bringe, bleibt auch erstmal offen.

Von Antje Mahrhold

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