Neue Info-Tafel für verschwundenes Großsteingrab zwischen Hassel und Sanne

Hassels Hünen bleiben unsichtbar

Am Landwirtschaftsweg zwischen Hassel und Sanne macht die Gemeinde auf ihr historisches Vermächtnis aufmerksam.
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Neue Infotafel für verschollenes Großsteingrab bei Hassel
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Hassel – Älter als ägyptische Pyramiden bleibt das Interesse an den steinernen Zeugnissen menschlicher Besiedlung in der Region ungebrochen. Auch die Gemeinde Hassel hegt seit Kurzem das historische Vermächtnis altmärkischer Hünengräber – obwohl von der einstigen Großanlage nahe des vor knapp einem Jahr eingeweihten neuen Landwirtschaftswegs überhaupt nichts mehr zu sehen ist.

Wie die steinerne Anlage vor mehr als 5000 Jahren gestaltet war, zeigt nur noch ein Kupferstich von 1751, den ein gewisser F. E. Gericke aus Berlin als Abbildung für das Standardwerk „Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg“ angefertigt hat.

Hassels geschichtsträchtiges Areal ist bereits seit vielen Jahrzehnten reines Ackerland, womit es dem Hünengrab an der Strecke zum Ortsteil Sanne wie vielen anderen Stätten dieser Art erging. Viele dieser Zeitzeugnisse musten im 18. und besonders auch 19. Jahrhundert der landwirtschaftlichen Nutzung weichen. Zugleich waren die Riesenfindlinge als Baumaterial begehrt.

Für die neue Hasseler Hünengrab-Infotafel hatte sich zuletzt Gemeinderatsmitglied Dr. Hartmut Krell eingesetzt. Das Metallschild dürfte pandemiebedingt besonders stark ins Auge fallen, da die Strecke in Zeiten des Urlaubs vor der Haustür mehr als üblich von Radfahrern, Spaziergängern und Freizeitsportlern wahrgenommen wird.

Neues Schild

am leeren Acker

Dass es zwischen dem Hinweisschild und der leeren Ackerfläche dahinter eine Diskrepanz gibt, wird inhaltlich im letzten Satz des Tafeltextes aufgeklärt. Die „einstige Grabkonzentration“ sei – aus den oben bereits erwähnten Gründen – „leider nicht mehr sichtbar“.

Hünengräber stehen auch im Nachbarlandkreis im Fokus. Seit Frühjahr 2020 entsteht im Altmarkkreis Salzwedel eine rund 40 Kilometer lange „Megalith-Route“, die 13 Großsteingräber in der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf mit Sehenswürdigkeiten des Gebiets verbindet. Großsteingräber in der Westaltmark sind in Schadewohl, Diesdorf, Molmke, Drebenstedt, Bornsen, Mehmke, Leetze, Bierstedt, Stöckheim, Lüdelsen, Nettgau, Tangeln, Ristedt, Immekath, Nesenitz, Winterfeld, Lüge sowie bei Bonese registriert.

92 Gräber komplett

vernichtet 

Im Landkreis Stendal gibt es derartige Anlagen in Bretsch (Verbandsgemeinde Seehausen) sowie in Beesewege, Bülitz, Kläden und Steinfeld (Einheitsgemeinde Bismark). Die Altmark verfügt nach der Region Haldenslebener Forst über die meisten Großsteingräber landesweit. Experten gehen davon aus, dass es altmarkweit 47 Großsteingräber gebe. Laut Historikern lag ihre Anzahl anno 1800 noch bei 190 Megalithgräbern, wovon sich 55 im Landkreis Stendal befanden. Fast 100 Jahre danach habe eine Überprüfung jedoch ergeben, dass nur 50 Gräber existierten. Demnach müssen bis 1893 insgesamt 92 Gräber komplett vernichtet worden sein.

Die Einheitsgemeinde Bismark hatte im Mai 2020 unter dem Motto „Auch flaches Land ist schön!“ eine Beschilderungsaktion für ihren Hünengräber-Rundweg in der Anlage am Schäferweg gestartet, die zwischen den Ortschaften Grünenwulsch und Grassau liegt (AZ berichtete).

Größte Anlage

steht in Steinfeld

Das Zuständigkeitsgebiet von Bürgermeisterin Annegret Schwarz (CDU) kann mit dem größten Hünengrab der Region aufwarten. Das Megalithgrab in Steinfeld sucht in der Altmark seinesgleichen. Die am Schützenplatz befindliche Anlage misst 47 Meter in der Länge, ist acht Meter breit – und anders als in Hassel bestens erhalten.

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