Team vom Landesverwaltungsamt stellt „Natura 2000“ vor / Beratungsexperte listet Kritik auf

Naturschutz macht große Sorgen

Das europaweite Schutzgebietesystem bringt Verbote für Angler, Landwirte, Jäger und Förster. Auch das Zelten am Fluss soll gesetzeswidrig werden und Feuerwerke an der Elbe der Vergangenheit angehören. Viele Bürger sind empört.

Werben/Arneburg-Goldbeck. „Das kann auch den ganz normalen Bürger betreffen“, sieht Roland Märker durch „Natura 2000“ viel Ärger auf die Region zukommen.

„Im Kern geht es darum, Gebiete großflächig mit Auflagen- und Nutzungsverboten zu belegen“, weiß der hauptamtliche Landwirte-Berater. So gehe es rechts und links der Elbe zwischen Werben und Wolmirstedt um 13.607 Hektar sowie um weitere mehr als 5000 Hektar an der Havel. 

„Hinzu kommen im Landkreis die Gebiete in den Bereichen Iden, Osterburg, Bismark, Stendal und Tangerhütte“, erklärt Märker, der in einem Büro in Osterburg tätig ist. Auch die Flussläufe von Milde, Biese und Aland bis nach Seehausen, die Uchte von Goldbeck bis Osterburg und auch der Tangerbereich seien von der neuen europaweiten Schutzverordnung betroffen. „Bisher gab es auf diesen Flächen und Gewässern keine nennenswerten Einschränkungen“, sagt er.

Die Sorge um drohende Negativfolgen durch die rund 1000 DIN-A4-Seiten dicke Landesverordnung hat Montagabend für Platzmangel im Werbener Hotel „Deutsches Haus“ gesorgt. Zusätzliche Stühle mussten für die rund zweistündige Debatte hereingetragen werden. Ein Experten-Team des Landesverwaltungsamts hörte auf der Sitzung des Bau- und Ordnungsausschusses der Verbandsgemeinde die Kritik der Basis. So soll es künftig verboten sein, im Rahmen des Angebots „Elbwandern“ am Fluss zu zelten, was schlecht für den Tourismus sei, weil bei Seehausen und Werben bislang viele Wassersportler campiert hätten, die zum Beispiel von Dresden aus auf Elbtour waren. Auch Feuerwerke am Fluss, wie zuletzt im Juli beim Hafenfest in Werben, seien mit „Natura“ gesetzeswidrig. Und die Genehmigung solcher Feste am Elbstrand könne künftig nicht mehr allein durch das zuständige Ordnungsamt erfolgen, weil dann zusätzlich die Zustimmung der Naturschutzbehörde einzuholen sei.

„Es wird Einschränkungen und Verbote für die Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd und Angelfischerei geben. Auch bauliche Anlagen, die bisher baugenehmigungsfrei waren, dürfen in einzelnen Bereichen nicht mehr ohne Genehmigung errichtet oder beseitigt werden“, weiß der Osterburger Beratungsfachmann. Betroffen seien davon auch die Eigentümer von Häusern, Garagen und Gartenhäusern, die im Schutzgebiet stehen. Besonders kritisch sieht Roland Märker die Zukunft der Flüsse Uchte und Aland/Biese. Da Uferabbrüche nicht mehr beseitigt werden sollten, drohe ein Verkrauten. Geplant sei ein „Lebensraumtyp“, der die Pflanze Flutender Wasserhahnenfuß sowie auch die Wassermoose schützen soll. Weil die Flüsse aber nur ein geringes Gefälle hätten, lauere Überschwemmungsgefahr. „Man wird nicht die Pflanze abmähen, die man schützen will. Die Flüsse würden verkrauten und zuwachsen“, befürchtet der Berater.

Von Antje Mahrhold

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