Luxemburger Unternehmen will eine Milliarde Euro investieren / Vergasungsprozess umstritten

Müllfabrik wird „heftig diskutiert“

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200 Jobs könnte die neue Anlage bringen. 

Arneburg. Besorgte Anrufe wegen des geplanten Baus einer Müllfabrik bei Arneburg landen momentan bei René Schernikau.

Gerade einen Monat im Amt ist der parteilose Verbandsgemeindebürgermeister für eines der größten Industriegebiete Sachsen-Anhalts zuständig, und muss sich auf den Druck massiver Kritik gefasst machen. Montagabend hat der Ex-Pirat aus Möllendorf auf seiner ersten Sitzung das höchste Parlament im einstigen Betätigungsfeld seines Vorgängers Eike Trumpf (CDU) über die angekündigte Errichtung einer Müllverbrennungsanlage durch ein Luxemburger Konsortium informiert.

So wolle die „Global Gateways Lux HoldCo S.A“ auf 65 Hektar im Industrie- und Gewerbegebiet Altmark (IGPA) vor den Toren der Elbestadt eine Milliarde Euro investieren, sagte Schernikau. Etwa die gleiche Summe floss 2004 auch in die Errichtung des Zellstoffwerks auf dem Gelände der früheren Kernkraftwerksbaustelle. Dort entstanden rund 600 Arbeitsplätze. Die Müllfabrik-Investoren stellen 200 Jobs in Aussicht. Aber es ist unklar, ob die Arbeitsplätze alle am Standort Arneburg gebraucht würden. Die neue Fabrik werde eine Laufzeit von 25 Jahren haben und sie könne innerhalb von 24 Monaten errichtet werden, berichtete Arneburg-Goldbecks Verwaltungschef. Aus einer Million Tonnen Hausmüll pro Jahr – auch aus England – soll Strom, Gas und Dampf erzeugt werden. Dafür braucht die Fabrik 50 Liter Wasser pro Sekunde. „Der Investor hat nicht vor, hier ein Gewerbe anzumelden, sondern will in Luxemburg bleiben“, erklärt Schernikau. Damit würden Steuereinnahmen verloren gehen. Auch verwies er auf das dreiteilige Betriebsverfahren mit Vergasungsprozess, der als umstritten gilt. „Es wird heftig diskutiert, aber das Ergebnis ist offen “, sagt Mike Bardehle (Bürgerliste) über die Stimmung im Bauausschuss der Verbandsgemeinde. Mehr Informationen erhofft man sich nun von einem Treffen mit den Investoren, die schon Ende Januar über drei Stunden lang ihren Plan den Spitzen im Stendaler Landratsamt vorgestellt hatten. Das Gespräch sei durchweg auf Englisch geführt worden und mit allerlei schwierigen Fachvokabeln durchsetzt gewesen, schildert Schernikau. „Man geriet an Grenzen.“

Das Unternehmen der Investoren ist laut Branchendiensten beim Amtsgericht Luxembourg registriert. Geführt werde es derzeit von fünf Managern.

Von Antje Mahrhold

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