Sorge um Europa-Schutzgebiet „Natura 2000“ / Bürgerwille wird auf Sondersitzung gehört

„Lebensstil wird massiv bedroht“

Wildgänse vor der Großfabrik bei Arneburg: Die Verbandsgemeinde hat viel Natur, ist aber auch Industriestandort. Wegen des neuen europaweiten Schutzgebietes sehen einige Bürger Handlungsbedarf. 

Arneburg-Goldbeck/Werben. „Dann dürfen wir wohl bald nicht mehr in der Elbe angeln“, hatte Lothar Riedinger (CDU) in seiner Funktion als Arneburger Stadtoberhaupt schon vor Monaten seine Zweifel am europaweiten Schutzgebietssystem „Natura 2000“ erklärt.

Seit 4. Oktober läuft dafür nun das öffentliche Beteiligungsverfahren in Sachsen-Anhalt „zur Sicherung der betreffenden Flächen“, wie es heißt. Auch sogenannte Ranger werden bereits akquiriert, die als Schutzgebietsbetreuer tätig sein werden, wofür sie beispielsweise in Elf-Tages-Kursen ausgebildet werden.

Handlungsbedarf regt sich wegen der neuen Regelung auch in der weltkleinsten Hansestadt. Dass am 20. November im Werbener Hotel „Deutsches Haus“ mit dem Bau- und dem Ordnungsausschuss des Verbandsgemeinderates gleich zwei Fachgremien in Sachen „Natura 2000“ tagen, um die Stellungnahme für Arneburg-Goldbeck zu verfassen, reicht Teilen des Stadtrates im hohen Norden aber nicht aus. Weil die neue Regelung nach Meinung einiger Werbener Ratsmitglieder noch viel zu wenig an der Basis und damit bei den betroffenen Bürgern angekommen sei, soll das Schutzgebietssystem zusätzlich auf einer Sondersitzung am 21. November im Sitzungssaal des Rathauses besprochen werden. Dafür setzt sich die CDU-Fraktion ein, gibt Vorsitzender Michael Schnelle der AZ am Dienstag bekannt.

Der Werbener Unternehmer habe für den Abend extra einen Experten vom Landesverwaltungsamt eingeladen, der sein Kommen auch schon zugesagt habe, führt Werbens CDU-Fraktionschef weiter aus. Dieser Aufwand sei nötig, weil durch das Schutzgebietssystem der „Lebensstil der Bürger massiv bedroht wird“, argumentiert das Stadtratsmitglied. Deswegen sei der Besuch der Sondersitzung im Rathaus – Beginn ist um 19 Uhr – für die interessierte Bürgerschaft so etwas wie ein Pflichttermin. Angesprochen fühlen sollten sich Jäger und Angler genauso wie Reiter, Landbesitzer, Bauern, Bootsfahrer und Spaziergänger, zählt Schnelle die Adressaten des Abends auf. Auf der Sondersitzung soll die Bürgerschaft einen Beschluss zu „Natura 2000“ fassen, um gegen mögliche drohende Beeinträchtigungen die Stimme der Basis zu erheben.

Bundesweit existieren mehr als 5000 Natura-Gebiete. Die Ausweisung der Flächen sei republikweit mittlerweile abgeschlossen, weiß die Umweltorganisation „Naturschutzbund Deutschland“ (Nabu). „Oft mangelt es noch an der rechtlichen Unterschutzstellung und der Aufstellung fundierter Managementpläne, um die mit dem Schutz der Gebiete verbundenen Naturschutzziele zu erreichen und langfristig zu sichern“, erklärt ein Sprecher. Demnach sollen „mit Nutzern und Entscheidungsträgern abgestimmte Managementpläne“ für klare Regeln bei der Bewirtschaftung sorgen, bedrohte Tiere, Pflanzen und Lebensräume schützen und Rechtssicherheit für Landnutzer, Industrie und Kommunen schaffen. Das Beteiligungsverfahren endet am 4. Dezember. In Sachsen-Anhalt sind 114 Städte und Gemeinden betroffen. Landesweit existieren insgesamt 266 Fauna-Flora-Habitat-Gebiete und 32 Vogelschutzgebiete. 

Weitere Informationen und Karten gibt es unter: www.online-beteiligung.de/natura-lsa.

Von Antje Mahrhold

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Natura-Treffen 

Montag, 20. November 

Eine Stellungnahme verfassen die Mitglieder des Bauausschusses und des Ordnungsausschusses der Verbandsgemeinde auf einer gemeinsamen Sitzung, 18 Uhr, im Werbener Hotel „Deutsches Haus“.

Dienstag, 21. November 

Damit Jäger, Angler, Reiter, Landbesitzer, Bauern, Bootsfahrer und Spaziergänger die Auswirkungen des Schutzgebietssystems „Natura 2000“ kennenlernen, veranstaltet Werbens Stadtrat ab 19 Uhr eine Sondersitzung im Rathaus. Antragsteller ist die CDU-Fraktion.

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