Wissen aus Kräuterbüchern

Landgericht: Hat sie nicht zugelassene Futtermittel online verkauft?

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Im Landgericht Stendal wird seit Dienstag ein Fall verhandelt, bei dem die Angeklagte aus dem Raum Arneburg-Goldbeck jahrelang Futtermittel für Tiere hergestellt und veräußert haben soll, für die sie keine Genehmigung besaß.

Stendal/Arneburg-Goldbeck. Verschiedene „Kräutermischungen für Tiere“ wurden einer Tierheilpraktikerin aus dem Raum Arneburg-Goldbeck zum Verhängnis.

Die gelernte Veterinäringenieurin soll ihre Mixturen auf einer Online-Verkaufsplattform veräußert haben und so jährlich etwa 3000 Euro eingenommen haben.

Die Frau habe „den Eindruck vermittelt, dass es sich dabei um wirksame Arzneimittel für Haustiere handle“, die dafür erforderliche Genehmigung zur Herstellung von Arzneimitteln habe sie aber nicht besessen, so die Anklageschrift.

Das Amtsgericht Stendal hatte die Frau im November 2017 zu 120 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt. Dagegen hatte die Tierheilpraktikerin gemeinsam mit ihrem Verteidiger Berufung eingelegt. Vonseiten der Staatsanwaltschaft hatte es damals kein Veto gegeben, weshalb das Urteil im Berufungsverfahren nun nicht härter ausfallen dürfe als das vorige, wie Vorsitzender Richter am Landgericht Gundolf Rüge am Dienstag erklärte.

„Ich habe doch nicht absichtlich gegen das Gesetz verstoßen“, rechtfertigte sich die Angeklagte vor der Kammer und erklärte weiter: „Ich wollte lediglich die Ernährung von Tieren verbessern“. Die Futtermischungen habe sie selbst hergestellt. Das Wissen über die Wirkung verschiedener Zutaten habe sie sich eigenen Angaben zufolge „aus alten Kräuterbüchern“ angeeignet. So helfe die Einnahme von Knoblauch Tieren beispielsweise gegen Zecken, erklärte sie.

Ein weiterer Tatvorwurf lastet auf der Angeklagten: Auf einer von ihr betriebenen Website soll sie einem Polizisten öffentlich Erpressung und Nötigung vorgeworfen haben. Der Beamte war in die Ermittlungen gegen die Tierheilpraktikerin verwickelt, bei der auch deren Computer beschlagnahmt wurde. „Er hat mir gesagt, ich würde ihn schneller zurückbekommen, wenn ich mir keinen Anwalt nähme“, so die Angeklagte. Da dies nach Aussage des Polizisten nicht der Wahrheit entspreche, hatte er Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt. Vor der Kammer entschuldigte sich die Frau „für den Fall“, dass sie „etwas falsch verstanden“ habe. Weiterverhandelt wird am morgigen Freitag im Landgericht.

Von Charlotta Spöring

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