Wo Stäbe tanzen und Hüte gelüpft werden

Landesmeisterschaft im Schafehüten in Iden

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Hinweistafeln zeigten den Weg.
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Andreas Schmidt leitet den Altmärkischen Schafverein.
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Eine Herde für alle: Etwa 250 Merinofleischschafe, Leineschafe und Schwarzköpfe ließen sich nacheinander von allen sechs Meisterschaftsanwärtern über den Parcours führen.
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Bei Vereinsmitglied Andrea Hofmann gab es die Eintrittsanstecker.
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Wenn sich die Herde auf der Weide zum Grasen entfaltet hat, kann das Publikum in aller Ruhe Schäfchenzählen.
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Iden. „Ihr habt ja bei euch den Wolf“, blickt ein Schäfer aus Südsachsen-Anhalt skeptisch über die sattgrüne Weite mitten in der Wische. 

Am Sonntag kürten die besten Schäfer zwischen Arendsee und Zeitz in Iden am Zentrum für Tierhaltung und Technik der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) ihren Meister – in einem der ältesten Berufe der Welt. Und als das Publikum über Lautsprecher informiert wird, dass die Organisation solcher Meisterschaften „immer schwieriger wird“, weil es an Herden mangele, die gehütet werden und nicht nur im Futterpferch stehen, lässt Hüteleiter Christian Rüdiger schon mal die Reihenfolge der Meisterschaftsanwärter auslosen. 

Sechs Kandidaten haben nacheinander je etwa eine Stunde Zeit, ihr Können im Zusammenspiel zwischen Schäfer, Herde und Hütehunden zu zeigen. Als Erster geht mit Schäfermeister Rüdiger Kassuhn aus Königsmark der einzige altmärkische Meisterschaftsaspirant für den Altmärkischen Verein für Schafzucht und Schafhaltung auf den Parcours. Auch Michael Winz vom Schäferverein „Mittleres Saaletal“, Mario Wehlitz („Harzer Land“) und die über Punkte qualifizierten Schäfermeister Martin Winz („Mittleres Saaletal“) und Henry Mähne („Geiseltal“) geben ihr Bestes. Mähnes Vereinskollege Ralf Engel überzeugt die vier Wertungsrichter, sodass der 53-Jährige aus Droyßig (Burgenlandkreis) den Landestitel 2017 holt. 

Während Brunaus Spinnfrauen im zugigen Großzelt die Spindeln tanzen lassen und Andrea Hofmann aus Hindenburg als Vorstandsmitglied des Gastgebervereins Eintrittsanstecker vergibt, brandet kurz vor elf Uhr der erste Applaus des Tages auf. Der Königsmarker Schäfer hat Wettbewerbs-elemente wie „Enges Gehüt“ oder „Verkehr“ mithilfe seiner dreijährigen Fuchshündin „Lotte“ und Beihund „Jana“ absolviert. Und Kassuhn bleibt nicht viel Zeit zum Verschnaufen, weil er wenige Minuten später erste Interessierte bereits zur ersten Stallführung begrüßt. Und den Gästen etwa einen Klauenklappstand vorstellt, auf dem Schäfchen ihre tierische Pediküre mit dem Winkelschleifer genießen. 

Die Hauptrolle des traditionellen Treibens war auf rund 250 Köpfe verteilt – da sich die Wettbewerbsherde aus Merinofleisch- sowie Leineschafen und attraktiven Schwarzköpfen rekrutiert hat. Alle Titelanwärter arbeiten mit derselben Herde, brüllen Kommandos, pfeifen Signaltöne, lüpfen den Hut und recken ihren Stab – aber alles stets im Schäferstil: Gemächlich und wie ein bisschen aus der Zeit gefallen, dabei wirkt diese Berufsgruppe an der Schnittstelle von Landwirtschaft und Umweltschutz.

Von Antje Mahrhold

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