Erst Kraftwerk, dann Müllverwerter: Trumpf hofft auf Großinvestor / Magdeburg schaltet sich ein

„Kommt auf das richtige Maß an“

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Schwergewichte wie das Zellstoffwerk und die Papierfabrik lassen sich in der Altmark nach wie vor mit der Lupe suchen.

Arneburg. „Wovor haben wir eigentlich Angst?“ sagt Eike Trumpf, lange Zeit einer der einflussreichsten Christdemokraten im Landkreis Stendal.

Er kann sich eine hochmoderne Recycling- und Energieanlage, wie sie die „Global Gateways Lux HoldCo S. A.“  im Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) bei Arneburg bauen und betreiben will, unter bestimmten Bedingungen gut vorstellen. 

„Dass dadurch der Tourismus Schaden nehmen würde, ist völliger Quatsch. Die Radtouristen stören sich auch nicht an den Windrädern, wie anfangs behauptet wurde. Sie lieben die Veränderbarkeit der Landschaft. Es kommt auf das richtige Maß an.“ Jeder dritte Pedaltreter auf dem Elbe-Radweg nutze inzwischen die Strecke mitten durch das Industriegebiet und lasse den einst vorsorglich angelegten großen Bogen links liegen. „Und das nicht nur, weil diese Strecke deutlich länger ausfällt“, ist der einstige Verbandsbürgermeister überzeugt.

Früherer Verbandschef: RWE-Aus letztendlich gut

Eike Trumpf (r.) und weitere Altmärker besuchten 2009 ein RWE-Werk im Ausbau.

Der Hohenberg-Krusemarker fühlt sich bei all den Überlegungen ein Stück weit an die Pläne des Energieriesen RWE erinnert, im IGPA ein Steinkohlekraftwerk zu errichten. Befürworter und Gegner gerieten damals heftig aneinander. Daran änderte auch der Besuch einer Delegation aus dem Landkreis Stendal in einem Vorzeigebetrieb im nordrhein-westfälischen Hamm vor acht Jahren nichts. „Letzten Endes hat sich das Aus des Projektes als positiv herausgestellt. Die Energiepolitik hat sich stark verändert und die regenerativen Energien sind auf einem guten Weg.“ Das Grundstück von RWE liegt nach wie vor ungenutzt da. Was daraus wird, ist ungewiss. „Still ruht der See.“ Global Gateways aus Luxemburg würde an anderer Stelle, mehr nördlich des Zellstoffwerkes, investieren wollen, die Rede ist von einer Milliarde Euro.

Global Gateways rennt keine offenen Türen ein

Die Luxemburger rennen mit ihrer Anfrage nicht unbedingt offene Türen ein, bislang jedenfalls nicht. Als Vize-Landrat Sebastian Stoll (CDU) die Nachricht dem Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Landwirtschaft und Tourismus des Kreistages überbrachte, sollen eher Skepsis und Angst geherrscht haben. Global Gateways will jährlich eine Million Tonnen Müll aus Deutschland und Großbritannien in der Altmark verarbeiten. Glas, Metall und andere verwertbare Dinge sollen gewonnen werden. Zu den Endprodukten gehören nicht zuletzt Gas, Strom und Dampf. Neben den großen Müllmassen sei auch jede Menge Wasser nötig. „Das Ganze soll unterm Strich umweltneutral sein und gut verschlossen ablaufen. Natürlich bleibt die thermische Abfallwirtschaft immer eine Herausforderung“, betont Trumpf, Vorsitzender des Ausschusses, gegenüber der AZ.

Politik will Anfrage sehr genau prüfen

Die Luxemburger, weltweit unterwegs und mit Standorten unter anderem in den USA und Spanien, wünschen sich vom Landkreis eine Art Willkommensschreiben. Für Projekte dieser Größenordnung, und für Müllverbrennungsanlagen sowieso, sei das Landesverwaltungsamt zuständig. Trumpf, bis Dezember 2016 Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, hat nach eigenen Angaben am ersten Gespräch im Oktober teilgenommen. Im IGPA gebe es noch reichlich freien Platz, der potenzielle Investor benötige annähernd 65 Hektar. Vize-Landrat Stoll konnte nach einem Gespräch Ende Januar detailliertere Informationen weiterreichen. Der mögliche Investor soll eingeladen werden und seine Vorstellung in deutscher Sprache erläutern. Inzwischen hat sich auch Magdeburg eingeschaltet. Auf Nachfrage der AZ teilt Stendals Landkreissprecher Edgar Kraul mit: „Die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) wird vor einem Investorengespräch erst einmal mit dem Wirtschaftsministerium über diese mögliche Ansiedlung diskutieren.“

Trumpf sieht die Chancen, aber auch denkbare Gefahren: „Ein weiterer großer Investor wäre gut für die gesamte Region und könnte einen wirtschaftlichen Schub auslösen.“ Unabhängig davon müssten die politisch Verantwortlichen wie schon beim Zellstoffwerk und der Papierfabrik selbstredend ganz genau hinschauen. Die Liste der Fragen sei lang: „Wie viel Geld bleibt hier, entstehen Arbeitsplätze, wie belastbar ist das Konzept, hat das Unternehmen überhaupt genug Kapital, wie entwickelt sich der Schwerlastverkehr, was passiert mit der Umwelt ?“

Von Marco Hertzfeld

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