Hassel gibt Okay für Baugebiete

„Klein Uenglingen“ unerwünscht – Korruptionsvorwurf gegen Gemeinde-Chef

„Weidenschlag“: Am Hasseler Nachwende-Neubaugebiet sind etwa 30 Häuser geplant.
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„Weidenschlag“: Am Hasseler Nachwende-Neubaugebiet sind etwa 30 Häuser geplant.
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Es gibt Ärger in der Gemeinde Hassel. Ein Eigenheimgebiet ist geplant. Viele Anwohner sind jedoch strikt dagegen und wollen kein sogenanntes „Klein Uenglingen“.

  • Großer Unmut in der Gemeinde Hassel zu einem geplanten Eigenheimgebiet.
  • Hassels Bürgermeister Alf Diedrich (CDU) musste deswegen zur Ratssitzung im Dorfgemeinschaftshaus herbe Vorwürfe hören.
  • Dieses und ein weiteres Bauvorhaben werden nach etwa einstündiger Diskussion mehrheitlich auf den Weg gebracht.

Gar ein Korruptionsverdacht gegen den 55-Jährigen ist von einer Hausbesitzerin vor gut einem Dutzend Zuhörern geäußert worden.

„Terrorismus vom Feinsten“

„Am Arneburger Weg“: Gegen die Pläne in Wischer gibt es kaum Kritik. Fotos: Mahrhold

Anlass für den dargestellten Argwohn gegen das Gemeindeoberhaupt sind die Eigentumsverhältnisse der rund 4,2 Hektar großen Fläche. „Die gehört mir, ich werde nicht mitabstimmen“, erklärte Diedrich auf Frage eines Anwohners, der wissen wollte, „wer da einen persönlichen Vorteil“ habe. Etwa 30 neue Eigenheime sollen im „Weidenschlag“ in Nachbarschaft zu Hassels Nachwende-Neubaugebiet „Am Weidenplan“ entstehen. Dafür jedoch, so beklagt an dem Abend etwa ein Drittel des Publikums in der Einwohnerfragestunde, gebe es keinen Bedarf. Und manche Bewohner des alten Neubaugebiets, die dort schon seit 1994 lebten, sehen sogar Disharmonien der Vergangenheit zwischen Alt- und Neu-Dörflern wieder aufleben – inklusive „physischer Belastung“, einer „blockierten Dorfstraße“ und „Terrorismus vom Feinsten“, wie eine Anwohnerin sagt. Und eine weitere kündigt an, gegen das Baugebiet mit einem Einwohnerantrag bei der Verbandsgemeinde vorgehen zu wollen. Der Charakter des Dorfs gehe verloren, die aus Kopfsteinpflaster bestehende Dorfstraße sei für den Zuzug nicht geeignet und einige Weidenplan-Bewohner verlören durch die neuen Eigenheime den „freien Blick in die Landschaft“. Dies habe sinkende Grundstückswerte zur Folge. Es sei zu verhindern, dass Hassel ein „Klein Uenglingen“ werde, wollten die „Alt-Eigentümer“ auch keine Wohnverhältnisse wie im Stendaler Ortsteil. Auch fühlten sie sich vom Gemeinderat nicht genug vertreten, da dieser die „Pflicht“ habe, „sich für uns einzusetzen“, wie eine Hausbesitzerin verlangt hat.

„Sie haben alle selber gebaut und wollen das anderen aber verwehren“, appelliert Ratsmitglied Michael Heim (CDU) zum Ende der hitzigen Debatte an die Vernunft. Hassel mit seinen aktuell rund 900 Einwohnern habe sich seit 1990 bevölkerungstechnisch verdoppelt, führt er an.

„Bedürfnis“ wegen Corona

Und gerade in der aktuellen Corona-Zeit hätten viele Leute das Bedürfnis entwickelt, ein Haus mit Garten „für Auslauf“ haben zu wollen, argumentiert Wilfried Raup (Naturfreunde Wischer). Falls jedoch kein Bedarf an den neuen Baugrundstücken bestehe, dann werde dort auch nicht gebaut, widerspricht er der Anwohnerkritik. „Ich sehe die Einnahmen. Warum soll Hassel nicht größer werden?“, verteidigt Ratsmann Ronald Klitzing das Vorhaben. Seiner Ansicht handelt es sich um „etwa eine Handvoll Häuser“, die den freien Blick durch die Neubauten verlieren würden.

Mehrheit mit drei Mitwirkungsverboten

Ausdrücklich zu Protokoll gibt Ratsmitglied Dr. Hartmut Krell kurz vor der Abstimmung insgesamt vier Kritikpunkte gegen den „Weidenschlag“. Bis auf eine von ihm befürchtete Zunahme des Lärms, der Anwohner belaste, stimmen Krells Worte mit den vorherigen Vorwürfen der Anwohner überein. Dabei richtet sich die Ablehnung fast ausnahmslos gegen das Hasseler Bauvorhaben – aber nicht gegen das ebenfalls geplante Baugebiet „Am Arneburger Weg“ im Ortsteil Wischer. Dort gebe es aber eine zu große Nähe zu Windrädern, lässt Krell notieren.

Beide Bauvorhaben werden nach etwa einstündiger Diskussion mehrheitlich auf den Weg gebracht. Wegen Mitwirkungsverbot nicht mitgestimmt haben neben dem Gemeindechef Christoph Diedrich und Lars Kuwan. Für beide Baugebiete stimmten Wilfried Raup, Ronald Klitzing und Michal Heim, dagegen votierte Dr. Hartmut Krell. Vize-Bürgermeisterin Mechthild Arlitt enthielt sich. Bei der Sitzung des zehnköpfigen Gremiums nicht dabei waren Janet Preis und Felix Hanssen.

VON ANTJE MAHRHOLD

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