Sanierungsarbeiten: Andersrum und doch nach Plan

Kirche in Werben soll im Herbst fertig sein

Der Turm der St. Johanniskirche ist in blaue Netze und Baugerüste gehüllt.
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Noch ist der Turm St. Johanniskirche in ein Baugerüst gehüllt. Im Herbst sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Der vierte Bauabschnitt ist im Gange, der Turm der St. Johanniskirche in blaue Netze und Baugerüste gehüllt. Im Herbst sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Werben – Mittlerweile befindet sich die Sanierung der Werbener St. Johanniskirche im vierten Bauabschnitt. Die Arbeiten am Kirchschiff und dem Dach sind abgeschlossen, wie Bauleiter Wolfram Schwelgin auf AZ-Anfrage berichtet. Aktuell werde am Turm gearbeitet. Ursprünglich sei die Reihenfolge andersherum geplant worden. Wegen der massiven Schäden am Kirchschiff sei jedoch abgestimmt worden, die mehrjährige Sanierung zuerst zu machen und sich im Anschluss um den Turm zu kümmern. Diese umgekehrte Reihenfolge ist dabei nicht das einzige Ungewöhnliche am Sanierungsprojekt der St. Johanniskirche.

Der Dachteil des Turmes, der aktuell überarbeitet wird, stamme aus den 1930er Jahren, erklärt Schwelgin. Unter anderem wegen verschiedener bereits erfolgter Reparaturen wurden dabei unterschiedliche Ziegel benutzt. Auch Biberschwanzziegel finden sich auf dem Kirchdach. Mit den neuen Arbeiten soll jedoch alles einheitlich werden. Verwendet werden die als eher mediterran geltenden Mönch- und Nonnenziegel. Diese sind besonders lang und können mit ihrer großen Oberfläche Wasser schnell und steil nach unten ableiten. „Diese Ziegel gibt es in Deutschland häufiger“, erklärt der Fachmann. In einer solchen Größenordnung wie der St. Johanniskirche sei die Anwendung jedoch eher ungewöhnlich. Vertreten sind die Mönch- und Nonnenziegel eher im mediterranen Raum. Aber auch hierzulande gab es schon immer Architekten, die sie wegen ihrer Eigenschaften gut fanden. „Klassisch verwendet wird hier eher Schiefer“, sagt Schwelgin. Auch die Verlegearbeiten der Ziegel seien deutlich schwerer als bei anderen. Deshalb sei es ebenso schwierig gewesen, eine Firma zu finden, die das leisten kann. Die Dachdeckerarbeiten sollen bis Ende Juni abgeschlossen werden. „Wenn die erste Dachseite eingedeckt ist, beginnen die Maurer“, erläutert der Bauleiter den weiteren Plan. Damit blieben den Handwerkern noch rund drei Monate für ihre Arbeit, denn bis zum Herbst soll alles abgeschlossen werden. Grund dafür sei der historisch korrekte Kalkmörtel, der frostempfindlich ist. Wenn die Arbeiten im September beendet werden, sollte er jedoch genug Zeit haben, um gut abgebunden zu werden. Klassischer Zementmörtel kann nicht verwendet werden – dieser ist zu hart und habe bereits an anderen Objekten deswegen Schäden verursacht, sagt Schwelgin.

Schlechte, aber auch gleichzeitig gute, Neuigkeiten hat der Bauleiter zu den Turmzieren genannten Kugeln, die eigentlich auf dem Dach angebracht sein sollten. „Die alten Kugeln mit den Spießen werden erneuert“, berichtet er. Auch wenn die alten Zieren noch vorhanden waren, könnten diese nicht mehr aufgearbeitet werden. Stattdessen werden aktuell neue, nach dem historischen Vorbild, gefertigt. Das sei auch so mit dem Bauherren abgestimmt. Die alten Zieren werden diesem übergeben und stehen der Kirchengemeinde dann weiterhin, beispielsweise um sie auszustellen, zur Verfügung.

Im Gegensatz zu anderen Projekten gab es für die St. Johanniskirche wenige Probleme wegen der Corona-Pandemie. Relevanter sei da der recht lange Winter gewesen. Während bei anderen Baustellen gerade der gestiegene Holzpreis für Probleme sorge, sei die St. Johanniskirche davon verschont geblieben. Dies habe auch mit Glück zu tun: Bei der Ausschreibung habe sich eine Zimmerei mit großem Lager durchsetzen können, die das für die Maßnahme notwendige Eichenholz vorrätig hat.

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