Kieslaster-Ärger in Hassel entspannt sich

„Brauchen den besseren Kies“

Drei Sattelzug-Lkw starten am 24. März 2021 gegen 10 Uhr vom Kieswerk Wischer in Richtung Baustelle A 14 bei Lüderitz.
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Kies-Laster für Autobahn-Bau bei Lüderitz verlassen Tagebau in Wischer.
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Hassel – „Ohne Kies wäre die Welt eine andere“, verkünden die Betreiber des Tagebaus im Hasseler Ortsteil auf ihrer Internetseite. „Das Werk war vor euch da“, hat Steffen Stappenbeck trotzdem jede Menge Verständnis für den Ärger der Anwohner über die autobahnbaubedingte Lkw-Karawane, die seit Anfang März durch Hassel zum A 14-Abschnitt bei Lüderitz brummt.

Der Geschäftsführer des Kieswerks, das zu einem in Tangerhütte ansässigen Baubetrieb zählt, kündigt im AZ-Gespräch am Mittwoch aber an, dass der größte Teil des Auftrags inzwischen abgearbeitet sei. Demnach würden ab heute, Donnerstag, 25. März, nur noch fünf statt der bisher 20 Laster über die Dorfstraße touren.

„Das Kieswerk
zahlt auch Steuern“


Mutmaßlich durch den Starkverkehr verursachte Abplatzungen am Beton der Verkehrsinsel nahe des Ortseingangsschilds waren schon kurz dem Start der Transportkolonne aufgetreten (AZ berichtete). Rund 3500 Tonnen Kies sind bislang pro Tag durch 20 Lkw in 240 Touren zur Großbaustelle im Tangergrund gekarrt worden. Wegen der dortigen Bodenverhältnisse sei kapillarbrechender Kies gefragt, der gegen das Eindringen von Grundwasser in die neue Schnelltrasse wirke.

„Die brauchen dort besseren Kies“, erläutert Stappenbeck. Das Material aus Wischer weise andere Qualitäten auf als etwa Füllsand, wie er beispielsweise bei Hottendorf oder auch in anderen Kiesabbauorten der Region angeboten werde. So könne nach seiner Einschätzung der Baustoff aus dem Hasseler Ortsteil eventuell auch noch bei folgenden Autobahn-Bauabschnitten, etwa zwischen Stendal und Seehausen, gefragt sein.

„Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen“, müsse der Betrieb die Kosten berücksichtigen. „Die Leute können sich aber gerne bei mir melden und Alternativrouten vorschlagen“, lädt der Geschäftsführer ein.

„Maut ist großer Kostenfaktor“

„Das Kieswerk zahlt auch Steuern“, gibt er zu bedenken. Bei der Festlegung der Routen stehe besonders aber auch der „große Kostenfaktor Maut“ im Fokus. Deswegen seien die wirtschaftlichsten Strecken zu fahren, denn das Unternehmen würde Zusatzkosten, die durch Umwege entstehen würden, nicht an seinen Auftraggeber weitergeben können. Nicht zuletzt seien auch eine Reihe von Subunternehmen im Einsatz. Welche Strecke deren Fahrer wählten, liege in der wirtschaftlichen Entscheidungsfreiheit dieser Beteiligten.

Und auch die Beobachtung von Anwohnern, deren Haus direkt an der derzeitigen Kieslaster-Piste steht, könne der Kieswerk-Chef nachvollziehen. Dass sich in den Fenstern der Hasselern Abrieb von Lkw-Reifen sammele, sei leider „normal“, sagt Stappenbeck. Dass die unerwünschten Gummiteile den Anwohnern so nah kämen, liege daran, dass die Sattelzugmaschinen hinten keine Lenkachse haben, wodurch es bei Kurvenfahrten zu einem Gegendruck komme, der den Abrieb verursache.

Ratsmitglied wirbt für Alternative

„Es gibt auch eine andere Alternative“, hat Ratsmitglied Wilfried Raup (Naturfreunde Wischer) am Dienstagabend im Treffen des Hasseler Ortsparlaments für eine bessere Verteilung des Kieslaster-Aufkommens geworben. Seiner Meinung nach könne „wenigstens die Hälfte der Lkw“ vom Tagebau aus statt wie bisher rechts nach Hassel abzubiegen, auch nach links über Arnim fahren. „Ich kann da gerne noch einmal nachhaken“, hat Bürgermeister Alf Diedrich (CDU) angekündigt. Auch die in der Sitzung anwesende Fachbereichsleiterin Simone Kuhlmann habe sich den Wunsch der Hasseler notiert.

Kieslaster-Ärger beschäftigt den Ort jahrelang. „Anwohner genervt“ titelte die AZ im Juni 2015, als es nach der Elbhochwasserkatastrophe zu starkem Lkw-Verkehr wegen Deichbauarbeiten kam. Schon damals hatte Stappenbeck darauf verwiesen, dass aus wirtschaftlichen Gründen der kürzeste Weg gefahren werden müsse.

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