Agrarflächen: Seehäuser Verbandsgemeinde-Chef holt für gerechtere Steuern Werben ins Boot

Vom Kapitalismus mit der Krume

Das „grüne Gold“ der Wische mit ihren fruchbaren Böden wird für Investoren immer lukrativer: Die Preise für Pachten sind in den letzten vier Jahren um fast ein Fünftel gestiegen. Agrar-Holdings statt Familienbetriebe sind zunehmend die neuen Eigentümer.

Werben/Seehausen. Das große Geld hat immer mehr Appetit auf die Schollen in der Ostaltmark: So schmälern Steuerausfälle durch ortsfremde Flächeneigentümer die sowieso schon klammen Kassen der ländlichen Region, wie das Thünen-Institut für ländliche Räume anhand aktueller Eigentümerstrukturen für insgesamt acht ostdeutsche Landkreise diagnostiziert hat.

Die Analyse der im niedersächsischen Braunschweig ansässigen Bundesforschungseinrichtung ruft Verantwortliche des Nachbargebiets von Arneburg-Goldbeck auf den Plan (AZ berichtete), weshalb sich Seehausens Verbandsgemeinde-Chef Rüdiger Kloth (CDU) am Dienstagabend mit Karsten Reinhardt als Bürgermeister der Altmärkischen Wische im Sitzungssaal des Rathauses in Werben zu Wort gemeldet hat.

Rüdiger Kloth

So gehörten bereits 80 Prozent der Flächen in der Wische Menschen, die außerhalb der Gemeinde lebten, wiederholte Reinhardt seine Kritik, die den studierten Mathematiker bereits seit längerer Zeit auf die Palme bringt. Eigentümer seien Landwirte aus dem Nebenort genauso wie juristische Personen, hinter denen zunehmend aber bundesweit tätige Agrarkonzerne oder internationale Investoren stünden. Dies seien häufig branchenfremde Unternehmen, die keinen Bezug zur Ostaltmark hätten. So fließen Gewinne und Steuern aus der Region ab.

Karsten Reinhardt

Beträge zwischen 150 000 und 300 000 Euro gingen der Gemeinde so verloren, hörten Werbens Stadträte von den Sorgen der Nachbarn. Das Gremium kam schließlich überein, die Verwaltung der Verbandsgemeinde ausrechnen zu lassen, wie groß die Steuerausfälle durch das Problem ortsfremder Flächeneigentümer innerhalb Arneburg-Goldbecks sind. „Dafür müssten Gesetze durch den Bundesrat geändert werden“, hofft Werbens amtierender Bürgermeister auf das Handeln der Politik in Berlin.

Denn auch die weltkleinste Hansestadt hat große Finanzprobleme. „Wir stecken im Minus“, bilanziert Bernd Schulze nach erster Lesung des Haushalts für 2018. Es drohe die Konsolidierung, also die Übernahme der Finanzhoheit durch die Kommunalaufsicht. Diesen Eingriff aber wollen die gewählten Volksvertreter mit allen Mitteln verhindern. Und haben eine „Arbeitsgruppe Finanzen“ ins Leben gerufen, die schnellstmöglich, wahrscheinlich bereits in der nächsten Woche, zusammentreten will, um weitere Einsparmöglichkeiten festzulegen. „Unsere Kämmerin hat uns ja schon einige Vorschläge gemacht“, bedankt sich Schulze im Namen des Rates für die Zuarbeit von Dana Hoedt. Die Arbeitsgruppe bestehe aus vier Mitgliedern. Ihr gehören neben dem amtierenden Stadtoberhaupt die Ratsmitglieder Doreen Behrens (UWG) aus Werben, Wolfgang Trösken (CDU/Freie Fraktion) aus Behrendorf und Fraktionsvorsitzender Michael Schnelle (CDU) an, sagt Schulze der AZ. „Wir wollen die Konsolidierung unbedingt vermeiden“, hofft Schulze auf kluge Vorschläge bis zur nächsten Sitzung am 13. Februar.

Von Antje Mahrhold

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