Arneburg-Goldbeck: Kinder und Jugendliche mussten Achtsamkeit neu erlernen

Jugendclub-Leiterin: Pandemie hat Familien stark zugesetzt

Die Mobile Fachkraft Antje Walther steht in ihrem Jugendclub im Werben.
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Die „Mobile Fachkraft“ Antje Walther betreut Kinder und Jugendliche an verschiedenen Orten in der ganzen Verbandsgemeinde.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Großes Lob hat unter anderem Arneburgs Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU) für die sogenannte „Mobile Fachkraft“ Antje Walther, die die Jugendclubs der Verbandsgemeinde betreut. Nach den Lockdowns überschattete jedoch teilweise die Aggression der Wiedersehensfreude.

Arneburg-Goldbeck – Dass die Lockdowns für Familien mit Kindern eine besonders schwere Zeit waren, weiß Antje Walther, Mobile Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck, aus erster Hand.

„Für die Jugendlichen bin ich im Großmutteralter. Da gibt es wenig Reibungspunkte“, erklärt die sogenannte „Mobile Fachkraft“, die Clubs in Arneburg, Hindenburg, Bertkow, Hohenberg-Krusemark und Werben betreut. Anders sehe es jedoch teilweise unter den Besuchern aus. „Jugendliche können untereinander sehr hart sein“, gibt sie zu bedenken. Besonders nach zum Teil Monaten der Abgeschiedenheit habe das Miteinander teilweise sehr gelitten. „Ich habe meine Leute nicht mehr wiedererkannt.“

Statt Wiedersehensfreude standen Mobbing und Streit im Vordergrund. „Die Achtsamkeit miteinander musste wieder gelernt werden“, stellt Walther fest. Das gesamte soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen hatte sich fast auf einen Schlag geändert. Anstatt Freunde zu treffen, mussten sie zuhause bleiben. Eltern, die mit der neuen Situation ebenfalls überfordert waren, könnte auch kein Vorwurf gemacht werden. Auch wenn die Beschäftigung miteinander anscheinend ein wenig verlernt wurde. Viele Eltern wollten ihren Kindern etwas bieten und Freizeitbeschäftigung besteht dann aus Events und Ausflügen. „Aber was macht man, wenn die dann alle zu sind?“, fragt Walther rhetorisch und hat gleich eine Antwort parat: improvisieren. Einfache Brettspiele ließen sich auch selbst basteln. Benötigt werden nur Pappe und Stifte. Im Jugendclub Werben liegt beispielsweise ein selbst gebautes „Mensch ärgere Dich nicht“-Spiel für sieben Personen.

Glücklicherweise habe der Streit mittlerweile überwiegend ein Ende gefunden. Ein großer Faktor sei dabei eine gemeinsame Übernachtung im Jugendclub Werben gewesen, wie Walther auch dem Schul- und Sozialausschuss der Verbandsgemeinde berichtete. Es wurde gemeinsam nachts geangelt, hebt sie ein Beispiel hervor. Nach der gemeinsam verbrachten Zeit sei es dann deutlich besser geworden. Für besonders Unartige gibt es dann auch mal Clubverbot. „Oft reicht ein Tag“, stellt Walther jedoch ebenfalls klar. Die Kinder und Jugendlichen kämen gerne, wie sich auch an den regelmäßig über 20 Interessierten in Werben zeige. Dementsprechend wichtig sei die Jugendarbeit. Besonders, aber nicht nur, während den Zeiten der Corona-Pandemie.

Lobende Worte fand auch Arneburgs Bürgermeister Lothar Riedinger (CDU) während der Sitzung des Arneburger Finanzausschusses. „Es ist eine tolle Geschichte, was Frau Walther da macht“, bescheinigte er der Jugendarbeiterin. Mit ihrer engagierten Arbeit habe sie es geschafft, verschiedene soziale Gruppen in den Treffs zusammenzuführen.

Trotz der guten Ergebnisse gebe es aber auch noch Verbesserungsbedarf, stellt Walther fest. Zwar sei ihr Werbener Club in der alten Grundschule der schönste Ort, der ihr zur Verfügung steht, aber der könnte einige Optimierungen vertragen. Zwar gibt es eine Tischtennisplatte, aber keinen Raum, in dem diese aufgestellt werden kann. Manchmal werde sie über den Billardtisch gelegt, aber das sei auch keine Dauerlösung. Ein weiterer Kellerraum dafür sei vorhanden, der momentan lediglich als Abstellraum genutzt wird. Der könnte leer geräumt werden. Eine Erlaubnis dazu gebe es jedoch noch nicht.

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