Nun setzt die Fakt AG Pläne um

Jobmotor vor der Haustür legt zu: Industriegebiet macht Arneburg stark

Der Industrie- und Gewerbepark Altmark hinter einer Bahnbrücke, auch rechts verlaufen Schienen. Mag es in diesem Moment auch geregnet haben, in die Stadtkasse scheint ob der üppigen Steuereinnahmen regelmäßig die Sonne.
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Der Industrie- und Gewerbepark Altmark hinter einer Bahnbrücke, auch rechts verlaufen Schienen. Mag es in diesem Moment auch geregnet haben, in die Stadtkasse scheint ob der üppigen Steuereinnahmen regelmäßig die Sonne.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Dieser Kommunalpolitiker stapelt tief. „Das Jahr 2020 ist für uns ganz vernünftig gelaufen. “ Lothar Riedinger, Bürgermeister in Arneburg, kann sich ein breites Grinsen nun nicht mehr verkneifen.

Arneburg – Die vergangenen Monate dürften selbst in der doch mit Unternehmen bereits reich gesegneten Kommune so schnell nicht vergessen werden.

Das Projekt der Essener Fakt AG soll bekanntlich 350 Millionen Euro wert sein. Und: Ein Internetriese könnte irgendwann ein Server-Zentrum errichten. Auch gibt es Pläne für eine Algenfarm. „Beides ist noch Zukunftsmusik, das eine noch mehr als das andere“, lässt sich der CDU-Mann nicht allzu tief in die Karten schauen.

Das Engagement der Fakt AG im Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) dürfte sicher sein und im neuen Jahr erste Früchte tragen. Der Grundstein für den Gewächshauskomplex könnte im September gelegt sein, vielleicht auch schon einige Monate früher. Genutzt werden soll für den Anbau von Biogemüse die Abwärme des Zellstoffwerkes (rund 450 Mitarbeiter) nebenan, „eines der wenigen Leuchttürme“ im eher strukturschwachen Landesnorden bislang, erinnert Riedinger. Für später ist weiterhin die Rede von einer Meeresfischzuchtanlage, einer Pilzzucht und einem Verpackungswerk.

Und natürlich, weitere Teilprojekte sollen in Arneburg selbst realisiert werden. Wohnhäuser nicht zuletzt für Mitarbeiter wollen die Essener bauen lassen. Der Bürgermeister geht von 40 bis 60 Wohnungen aus. Sehr wahrscheinlich entstehen die Quartiere hinter dem alten Bahnhof der Elbestadt. Womöglich beginnen die Arbeiten noch dieses Jahr. Länger braucht das ebenfalls im September bei einem Termin mit dem Ministerpräsidenten öffentlich angekündigte Hotel, 2022 oder 2023 könnte es nahe dem Elberadweg Konturen annehmen. Tagungsteilnehmer aus dem IGPA und natürlich vermutlich noch viel häufiger Touristen sollen dort einmal unterkommen.

Arneburg und Umgebung wollen den Spagat zwischen Industriestandort und Ausflugsziel schaffen. Übermäßig strecken, wenn es denn überhaupt allein nach dem 1500-Seelen-Ort ginge, müsste man sich nach besagtem US-Internetriesen. Riedinger will darüber am liebsten nichts in der Zeitung lesen. „Doch ja, der Europachef von Google war vor gut zwei Jahren zu Besuch, seitdem haben wir aber auch nicht mehr viel von ihm gehört.“ Der 66-jährige früherer Landrat winkt ab, redet von „Spinnerei“ und einer „höchstens einprozentigen Chance“. Doch wer weiß ... Allzu viele Arbeitsplätze würden durch ein Server-Zentrum sowieso nicht dazukommen, meint der Bürgermeister im Gespräch mit der AZ. Durch die Großinvestition der Fakt AG könnten am Ende immerhin etwa 300 Stellen geschaffen sein.

Arbeitsplätze in spürbarem Maße könnte auch die erwähnte Algenfarm bringen. Die Algen aus Arneburg könnten vornehmlich in der chemischen und kosmetischen Industrie Verwendung finden. In trockenen Tüchern sei hier aber nichts. Der Stadtrat prüfe noch die Anfrage. Ob sich daraus mehr entwickelt, bleibe abzuwarten, bremst der Christdemokrat allzu große Erwartungen. „Doch unbestritten, wenn es etwas werden sollte, wäre auch das ein großer Gewinn.“

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