Fazit Aktion „Anleitern“: Wie Arneburg-Goldbecks Brandschutz-Mängelliste aus der Not eine Tugend machen könnte

„Jeder konnte sich mal ausprobieren“

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Ein Kaffee vom Balkon für die übende Truppe: Eichstedter Feuerwehrleute trainierten im Juli am Mehrgeschosser Im Binnen, wie hoch die Steckleiter reicht. Arneburg-Goldbecks Verbandsgemeinde-Chef findet: „Das Anleitern funktioniert.“

Arneburg-Goldbeck. Über Elfgeschosser, in denen wie in der Kreisstadt Hunderte Menschen wohnen, verfügt Arneburg-Goldbeck zwar nicht.

Mehrstöckige Wohnhäuser, deren Obergeschosse im Notfall schwer erreichbar sind, gibt es in der Verbandsgemeinde aber doch – etwa in Eichstedt, in Goldbeck und im zu Rochau gehörenden Klein Schwechten. Aber weil das Gebiet anders als seine westelbischen Nachbarkommunen Seehausen, Osterburg und Stendal über keine eigene Drehleiter verfügt, hat Brandschutz-Ingenieur Clemens Köhler in seiner Risiko-Analyse um Nachrüstung gemahnt.

Um die Vorgaben des Spezialisten umzusetzen, haben sich Verantwortliche der Verbandsgemeinde-Verwaltung für eine kreative Variante entschieden, die dazu geeignet ist, die Volksweisheit „Not macht erfinderisch“ auf ihre Praxistauglichkeit zu testen. Seit Mitte Juli trainieren vorzugsweise an den Wochenenden freiwillige Ehrenamtliche der Feuerwehren des Gebietes in ihrer Freizeit den Umgang mit Leitern. Und dabei nebenbei auch ihre Höhentauglichkeit, wie so manche Einsatzkraft beim Gang auf das Leichtmetallgerät erspürt haben dürfte.

Verbandsgemeinde-Chef René Schernikau jedenfalls ist vom Ergebnis der Offensive „Anleitern“ vollkommen begeistert. „Das war eine tolle Aktion“, sagt er im AZ-Gespräch. Bei den Übungen, die mit einem Trainingstag in Eichstedt an einem Mehrfamilienwohnhaus, Im Binnen, begonnen hatten (AZ berichtete), habe sich „jeder Kamerad mal ausprobieren können“. Dabei sei auch genügend Zeit und Raum für das Üben des Umgangs mit den Feuerwehrleitern, sprich das sogenannte Anleitern, gewesen, resümiert der Möllendorfer.

„Wir müssen kreativ sein“, sieht Schernikau nach dem Abschluss der Arneburg-Goldbecker „Leiterstunden“ allerdings keine Alternative für seiner Meinung dringend vorhandenen Verbesserungsbedarf. Dieser allerdings beziehe sich vorwiegend auf den Inhalt der Vorgaben des Brandschutz-Experten. Schernikau: „Die Risiko-Analyse muss überarbeitet werden.“ Dazu seien Gespräche mit den Verantwortlichen im Stendaler Landratsamt geplant. Ein Treffen sei für Ende August anberaumt. „Wir haben in den Übungen festgestellt, dass das Anleitern funktioniert“, sieht der Verbandsgemeinde-Bürgermeister keine Notwendigkeit für den Kauf einer Drehleiter. Schließlich seien selbst „schwierige Objekte“, wie zum Beispiel in Klein Schwechten, mit der Leitertechnik erreichbar gewesen, verweist der Verbandsgemeinde-Chef auf ein besonders brenzliges Beispiel. Womöglich also könnte an betreffenden Orten bald das Feuerwehr-Schild „Stelle zum Anleitern“ angeschraubt werden.

Von Antje Mahrhold

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