Nach Kritik am Führungsstil wendet sich Verbandsgemeinde-Chef an Mitarbeiterschaft

„Ihre Arbeit wird nicht überwacht“

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Ein Streit um den Datenschutz am Arbeitsplatz ist in den Amtsstuben von Arneburg-Goldbeck in Gang.

Arneburg-Goldeck. Trotz seines Urlaubs hat Verbandsgemeinde-Chef René Schernikau (parteilos) seinen Mitarbeitern am Donnerstagabend eine E-Mail geschickt.

Schuld daran ist die AZ, die den Nachfolger des früheren CDU-Platzhirschs Eike Trumpf kurz zuvor mit der Kleinen Anfrage von CDU-Landtagsmitglied Chris Schulenburg konfrontierte. Anlass ist der Hilferuf eines Verwaltungsangestellten, der Anfang Januar Sachsen-Anhalts Landesdatenschutzbeauftragte wegen des „Verdachts der Verhaltenskontrolle“ am Arbeitsplatz informiert haben soll.

„Ihre Arbeit wird in keiner Weise überwacht oder in irgendeiner Form elektronisch erfasst zur Leistungsbeurteilung herangezogen“, teilt der Möllendorfer seiner Belegschaft in der E-Mail mit, die der AZ vorliegt. Wie berichtet, soll es dem Mitarbeiter „suspekt“ vorgekommen sein, dass er zum Chef beordert wurde, kurz nachdem er Daten im Einwohnermeldeprogramm bearbeitet hatte. Deswegen habe der „Anfangsverdacht des unberechtigten Zugriffs auf das EDV-System der Verwaltung“ bestanden, erklärt Schernikau in seinem Brief an die Belegschaft. Bearbeitet wurden demnach „besondere E-Mails“ einer „besonderen Sammeladresse“ mit einem Administratorenkennwort, dass zur besagten Zeit „mindestens drei Personen“ bekannt gewesen sei. Einer der Mitarbeiter sei erkrankt und die zwei anderen „nicht mit der Abarbeitung der E-Mails betraut“ gewesen, begründet der Verbandsgemeinde-Chef sein Handeln. Er habe die Angelegenheit daraufhin vor dem Hintergrund geprüft, ob eine „Strafanzeige“ eingereicht werden müsse und eine Meldung an „die entsprechenden Behörden“ zu veranlassen sei. „Es erfolgte zu keinem Zeitpunkt eine Überwachung von Mitarbeitern der Verwaltung bzw. deren Arbeitsleistung“, beteuert der Möllendorfer.

Nach Informationen der AZ rumort es innerhalb der Verwaltung gehörig – nicht zuletzt seit dem Umbau des Arneburger Rathauses, den der Verbandsgemeinde-Chef gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt im Januar veranlasst hat (AZ berichtete). Aus Kreisen der Mitarbeiterschaft verlauten Mobbing-Vorwürfe, es ist vom „Lauschangriff“ die Rede sowie von gezielten Demütigungen und Gemeinheiten in den Amtsstuben. Für das Erstellen eines Personalkonzepts, das Schernikau 2017 angekündigt hat, soll auch ein kommunales Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen agieren, was für weitere Unruhe sorge.

Von Antje Mahrhold

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