Sammler schickt „Räucher-Drosten“ los / Erzgebirgskunst weltweit gefragt

Hassel: Begehrte Kult-Figur sondiert die Lage

In Hassel auf Tour: Das längst international gefragte Räuchermännchen, das Chef-Virologen Christian Drosten darstellt, ist ein Verkaufsschlager. Ein Sammler hat es für die AZ aus dem Wohnzimmer geholt. Fotos: Mahrhold/SteinbachVolkskunst
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In Hassel auf Tour: Das längst international gefragte Räuchermännchen, das Chef-Virologen Christian Drosten darstellt, ist ein Verkaufsschlager. Ein Sammler hat es für die AZ aus dem Wohnzimmer geholt.
  • Antje Mahrhold
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Weil der Bedarf am Corona-Impfstoff aktuell vielerorts das Angebot weit zu übersteigen scheint, hat ein Sammler aus Hassel für die AZ seine jüngste, mittlerweile weltberühmte Neuanschaffung vom Wohnzimmerschrank geholt.

Hassel – Mit einer symbolischen Minitour durch die Wahlheimat des gebürtigen Erzgebirgers soll das längst international gefragte „Räuchermännl“ im übertragenen Sinne Hasseler Gefilde in Augenschein nehmen, um die Gemeinde für eine dort geplante, dezentrale Impfstelle zu erkunden.

Als Erstes hat der Sachse seinen ganz privaten „Räucher-Drosten“, der den prominenten Chef-Virologen der Berliner Charité, Christian Drosten, im Stil höchst beeindruckender Holzkunst aus dem Erzgebirge in 26 Zentimeter Größe zeigt, neben das Wappen am Willkommensschild nahe der Kreuzung zur Landesstraße 16 in Richtung Zellstoffwerk platziert.

Auch vor den Toren des zu Hassel zählenden, beliebten Waldbads Wischer hat sich die markante Figur ostaltmärkisches Aerosol ins maskierte Antlitz wehen lassen. Mit gestrengem Blick und hochgezogenenen Augenbrauen ist das „Männl“ anschließend auf dem Pflaster vor dem Domizil der Feuerwehr Hassel platziert worden. Damit hat sich das handgemachte Abbild des namhaften Coronavirus-Experten in direkter Nähe zum Dorfgemeinschaftshaus befunden, weil dort die Gemeinde laut Bürgermeister Alf Diedrich (CDU) auf Initiative einer Hasseler Ratsfrau Impftermine für hochbetagte Gemeindebewohner vorbereiten will (AZ berichtete).

Mit der Figur hat der erzgebirgische Kunsthandwerker Tino Günther aus Seiffen einen echten Verkaufsschlager kreiert. Journalisten aus den USA, Japan und Russland berichteten über die Räucherfigur, die den bekannten Chef-Virologen mit weißem Kittel und zerzaustem Haar zeigt. Weil das präsente Vorbild aber eine Maske trägt, weicht Günther in einem entscheidenden Detail von der Tradition ab. Die Figur kann wegen des Mund-Nasen-Schutzes nämlich nicht, wie für Räuchermännl an sich üblich, aus dem Mund qualmen. Dass der Figur deshalb buchstäblich der Kopf raucht, stellt eindrucksvoll den tiefsinnigen Humor des Kunsthandwerkers unter Beweis. Auch dass der Räucher-Drosten mit seinen dünnen Beinchen auf einem stilisierten Corona-Virus steht, regt zum Schmunzeln an – Anlass für Lebensfreude ist in Pandemiezeiten gefragt.

Die in reiner Handarbeit gefertigte Figur aus Seiffen ist Medienberichten zufolge inzwischen bereits mehr als 10 000 mal bestellt worden. Sie kostet etwa 80 Euro und hat erst vor zwei Monaten das Licht der Welt erblickt. Verkauft wird sie in weite Teile der Welt, etwa nach Österreich, Japan und die USA.

Eine Art Ritterschlag hat der Kunsthandwerker aus Sachsen vor wenigen Tagen erfahren, als dem 58-Jährigen eine Bestellung aus der Ex-Bundeshauptstadt ins Haus geflattert ist. Demnach will das „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ mit Sitz an der Museumsmeile in Bonn die Drosten-Figur in den Bestand aufnehmen. In dem Museum wird deutsche Zeitgeschichte vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die Gegenwart präsentiert.

In der Bonner Institution könnte bald auch ein pandemiebedingt bedeutsamer Nussknacker seinen Platz finden. Anders als der Kunsthandwerker aus Seiffen setzt die Chefetage des Traditionsbetriebs Steinbach Volkskunst aus Marienberg im sächsischen Erzgebirgskreis aber nicht auf den Charité-Experten – sondern stellt den Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, dar. Die ihm nachempfundene Nussknacker-Figur kostet etwa 239 Euro und trägt auf einem Schild die Bezeichnung „Covid-19 Fighter“.

Die Manufaktur fertigt seit mehr als 200 Jahren auf traditionelle Art und Weise – und fühlt sich namhaften Personen verpflichtet. Alljährlich werden in einer Sonderedition Prominente als Nussknacker dargestellt, so in der Reihe „Sächsische Persönlichkeiten“ zuletzt August der Starke und Karl May.

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