Verbandsgemeinde-Chef reagiert auf Kritik des abwahlbedrohten Werbener Bürgermeisters

„Habe ihn definitiv informiert“

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Die Petition ist über Goldbeck nur kurz nach Werben zurückgekehrt. Jetzt liegt sie in Magdeburg unter Verschluss.

Werben/Arneburg-Goldbeck. Diesen Vorwurf lässt René Schernikau (parteilos) nicht auf sich sitzen. Der oberste Bürgermeister Arneburg-Goldbecks lässt den Vorwurf des seit Dienstagabend von einer Abwahl durch die Wähler der weltkleinsten Hansestadt bedrohten Amtsinhabers Wolfgang Tacke (parteilos) nicht unkommentiert.

„Ich habe Herrn Tacke definitiv informiert“, sagt Schernikau der AZ, nachdem er mehrfach vergeblich versucht habe, den Bürgermeister der nördlichsten Stadt der Verbandsgemeinde telefonisch zu erreichen.

Das erst seit neun Monaten amtierende Stadtoberhaupt hatte am Tag nach dem einstimmigen Votum aller zwölf Räte mittags in einer E-Mail an die AZ scharf kritisiert, dass Schernikau „schlichtweg verschwiegen“ habe, dass ihm Montagabend in Goldbeck die Anti-Abwahl-Petition der beiden Werbener Alt-Bürgermeister übergeben wurde. Besagtes Schreiben hatte Tacke höchstpersönlich vorgetragen, obwohl er zu dem Zeitpunkt die Sitzung leitete, womit er gegen die Kommunalverfassung verstieß, da er die Pflicht zur Neutralität verletzt haben soll.

Das Schreiben trägt nach Darstellung von Tacke die Namen von „145 Unterzeichnern“. Es wurde ihm am Rande der Sitzung des Verbandsgemeinderates durch Jochen Hufschmidt, der Mitglied des Gremiums ist, übergeben, bestätigt Schernikau der AZ. Die Schriftstücke, die sich nach Angaben von Tacke inzwischen in der Kanzlei seines Magdeburger Anwalts befinden, seien durch die Verbandsgemeinde-Verwaltung aber nicht geprüft worden, da sich die Petition ja gegen den Stadtrat Werben richtet.

So wundere es Schernikau, dass ihn der so heftig in der Kritik stehende Bürgermeister nun unterstellt hat, die Petition „schlichtweg verschwiegen“ zu haben. „Ich habe ihn definitiv informiert“, stellt der Verbandsgemeinde-Chef im Gespräch mit der AZ klar. Das Gegenteil sei der Fall, da er Tacke sogar vor Beginn des Termins noch empfohlen habe, über die Unterschriftenliste im Tagesordnungspunkt „Informationen des Bürgermeisters“ zu reden. Tacke verlas das Schreiben allerdings erst genau dann, als der „Beschluss zur Einleitung des Verfahrens zur Abwahl des Bürgermeisters der Hansestadt Werben (Elbe)“ aufgerufen wurde.

So sind die Listen bereits weit umherkutschiert worden seit Hufschmidt und Dr. Volkmar Haase den Beginn der Aktion vor 14 Tagen bekannt gegeben haben. Derweil wächst in großen Teilen der Hansestadt das Interesse an der Identität der „145 Unterzeichner“, berichten Einwohner der AZ. Und die Spekulationen schießen weiter ins Kraut. Was die Motivation des Amtsinhabers dafür ist, die Papiere überhaupt in der Landeshauptstadt unter Verschluss zu halten, sei vielen rätselhaft. Aus Kreisen des Stadtrats kommt auch die Forderung auf, die Listen einzufordern, weil sich die Petition unter der Bezeichnung „Werbener Wähler gegen den Antrag von Stadträten auf Abwahl von Bürgermeister Tacke“ eindeutig auf den Rat beziehe.

Von Antje Mahrhold

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