Gleisbogen und Bahnbrücke am Industriepark Arneburg saniert

Kunstholz aus Japan entlastet Arneburger Brücke

Ein Zweiwege-Bagger montiert Betonschwellen.
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Der Gleisbogen und die Bahnbrücke am Industriepark Arneburg ist saniert worden.
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Arneburg – Die Blockade im Suezkanal als Lebensader Europas durch die Havarie des XXL-Containerschiffs „Ever Given“ wirkt bis in die Ostaltmark.

„Wir brauchten kurzfristig eine Alternative“, berichtet Arneburgs Eigenbetriebsleiter vom immensen Zeitdruck. Für noch immer nicht im Hamburger Hafen eingetroffene Kunststoffschwellen aus Japan für die Sanierung von Brücke und Gleisbogen am Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) während des Generalstillstands im Zellstoffwerk habe nur dank guter Kontakte passendes Ersatzmaterial beschafft werden können, berichtet Kay Lindemann der AZ. Kunstholzschwellen des Herstellers Sekisui Chemical hatte der Eigenbetrieb erstmals im vorigen März nahe des Bahnhofs Niedergörne montieren lassen (AZ berichtete). Das Material gilt als besonders langfristig elastisch.

„Es gab bisher

keinen Bahnunfall“

„Erfreulicherweise gab es bisher keinen Eisenbahnunfall“, verweist der Eigenbetriebsleiter auf den dringend nötigen Schwellenwechsel im Gleis 10. Brücke und Bogen steckt die Last von 17 Betriebsjahren im Material. Pro Zug, der mehr als einen halben Kilometer lang ist, strapazieren je nach Trocknungsgrad des Kiefernholzes bis zu 2400 Tonnen den Strang und die Konstruktion. Diese Kräfte hatten zuletzt dafür gesorgt, dass die Schwellen im Schotterbett des Bogens hin- und herrutschten. Metallteile namens „Wanderschutz“ sorgten für Stabilität.

Als die Brücke 2004 für rund fünf Millionen Euro gebaut wurde, kamen im engen Bogen Holzschwellen zum Einsatz. Das Material sollte bis zu 35 Jahre halten. Es war seinerzeit ausgewählt worden, damit im Havariefall schnell und kurzfristig Austausch oder Reparatur möglich seien. Da anders als erwartet aber bereits „circa 75 Prozent der Holzschwellen auf der Brücke und unter dem Gleis verschlissen sind“, wie Lindemann berichtet, musste ausgetauscht werden. So rückte eine Spezialfirma aus Lüneburg an, die sich gegen drei Auftragsmitbewerber durchgesetzt hatte. Das Team arbeitete im Schichtsystem auch nachts, um die insgesamt rund 405 000 Euro teuren Arbeiten bis zum Ende der Gleissperrpause am vorigen Sonntagabend zu erledigen.

„Aus den Erfahrungen und im Austausch mit anderen Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen können Holzschwellen nicht mehr die erhoffte Lebensdauer erreichen“, begründet der Verantwortliche die Auswahl der ostasiatischen Kunstholzschwellen, die auf der Brücke eingebaut wurden. Um künftig einer unerwünscht gefährlichen „Wanderung“ des Strangs im Schotterbett entgegenzuwirken, haben im Gleisbogen insgesamt 514 Betonschwellen Einzug gehalten. Bei der Montage ist auch die Abdichtung der Brücke geprüft worden. Zum Schutz der Konstruktion wurden Unterschottermatten in den Untergrund gebracht. Und weil die wichtige Trasse nicht nur schweren Lasten, sondern auch der Witterung widerstehen muss, werde derzeit geprüft, ob die Schienen zum Schutz vor großer Hitze durch starke Sonne weiß gestrichen werden. Der Anstrich soll das Verbiegen der Schienen verhindern. Er wurde bereits von der Bahn AG sowie den Österreichischen und Schweizerischen Bundesbahnen getestet.

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