„Es kommt nichts in den Boden“

Amt gerufen: Anwohner des Windparks Wischer/Sanne sieht Umweltgefahr

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Schmierstoffe kleben an den Schäften von Windrädern bei Wischer. Der Landkreis sieht keine Gefahr, ein Anwohner befürchtet Umweltverschmutzung.

Wischer/Sanne – Wegen „bis zu drei Meter langen Schmutzspuren“ an den Schäften von Windkraftanlagen im Windpark Arneburg/Wischer hat ein Anwohner das Stendaler Landratsamt eingeschaltet. Der Mann fahre täglich auf dem Weg zur Arbeit an dem Windenergiestandort vorbei.

Er sehe auf seiner Strecke Hunderte solcher Anlagen bei Berlin sowie in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Aber nur bei den Windrädern nahe seines Wohnorts seien derartig auffällige „Verschmutzungen“ festzustellen. Die Beobachtung habe der Mann bislang auch nur in der Ostaltmark gemacht. Das sei seit etwa vier Wochen der Fall, berichtet der Mann, der anonym (Name der Redaktion bekannt) bleiben will, am Dienstagvormittag der AZ.

Der Anwohner vermutet nach Rücksprache mit Vertretern von Windanlagen-Herstellern, dass Schmierstoffe aus den Generatoren „in nicht unerheblichem Umfang ausgetreten“ seien. Diese Schmierstoffe klebten am Turm, der die Gondel und den Rotor trägt. Die schwarzen Anhaftungen seien nach Beobachtungen des Mannes „auch nicht beim Regen abgetragen“ worden. So beklagt und fordert er: „Dieser Fakt stellt eine erhebliche Umweltverschmutzung dar, die schnellstens professionell beseitigt werden sollte. Solange ist der Betrieb der Anlagen zu untersagen.“

Anzeige beim Landkreis wegen Umweltverschmutzung: Ein Anwohner des Windparks Arneburg/Wischer stellte bis zu drei Meter lange Schmutzspuren (Foto) an den Schäften der hiesigen Windkraftanlagen fest.

Er habe beim Landkreis „Anzeige wegen Umweltverschmutzung“ eingereicht. Das Schreiben habe er in einer E-Mail am Sonntag beim Umwelt- und Ordnungsamt eingereicht. Über den Schritt informierte der Ostaltmärker auch Arneburg-Goldbecks Vize-Verbandsgemeindebürgermeisterin Simone Kuhlmann und deren Chef René Schernikau, der derzeit urlaubsbedingt nicht im Dienst ist.

Die von dem Ostaltmärker eingeschaltete Kreis-Behörde hat prompt reagiert. Bereits am Montag gab es eine Orts-besichtigung mit Vertretern der Wasser- und der Immissionsschutzbehörde, wie Landkreis-Sprecherin Angela Vogel der AZ am Dienstag bestätigt hat. Als Ergebnis dieses Termins sei die Behörde übereingekommen, dass die von dem Anwohner beklagte Situation aus Sicht des Landkreises „völlig unproblematisch“ sei. Es gebe keine Probleme und „es kommt auch nichts in den Boden“, fasst die Sprecherin zusammen.

Schriftlich hat eine Mitarbeiterin des Sachgebiets Immissionsschutz dem besorgten Bürger am Dienstag mitgeteilt, dass die Behörde zwar „augenscheinlich“ den Austritt von Schmierstoffen unterhalb des Gondelbereichs festgestellt habe, „offensichtliche Spuren der austretenden Stoffe im Bereich des Fundaments und des angrenzenden Bodens“ gebe es aber nicht. Deswegen sei „vorerst von keiner relevanten Verunreinigung“ auszugehen, heißt es in dem Schreiben, das der AZ vorliegt.

Damit will sich der Anwohner nicht zufriedengeben. Er schlägt vor, dass Bodenproben genommen werden sollten. Und vermutet, dass womöglich ein „Wartungsstau“ dazu geführt haben könnte, dass ausgerechnet die 22 Anlagen älteren Baujahrs gleichzeitig auffällig würden. Das Landratsamt hat derweil den Betreiber der Anlagen aufgefordert, „umgehend Stellung zu nehmen“. Die Bearbeitung werde aber „einige Zeit“ dauern.

VON ANTJE MAHRHOLD

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