Erstes Goldbecker Zuckerfest bot Raum und Zeit für Erinnerungen

Der Geruch der Hackschnitzel

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Alte Fotos und eine große Lagekarte stießen auf großes Interesse. Rund 200 ehemalige Zuckerwerker waren zu dem ersten Treffen in den ehemaligen Speisesaal gekommen.

kr Goldbeck. Premiere in Goldbeck: Das erste Treffen der ehemaligen Zuckerwerker war ein voller Erfolg. Auf den Tag genau 128 Jahre nach der Grundsteinlegung trafen sich die ehemaligen Fabrikarbeiter in ihrer einstigen Wirkungsstätte, der alten Zuckerhalle.

Der ehemalige Speisesaal wurde wieder mit Leben erfüllt. An zwei langen Kaffeetafeln saßen Frauen und Männer und schwelgten in Erinnerungen. Erinnerungen, die durch dieses Treffen wachgehalten werden sollten.

Wilhelm Klingbiel arbeitete von 1957 bis 1994 in der Goldbecker Zuckerfabrik.

So war auch Wilhelm Klingbiel begeistert, als er von der Zusammenkunft erfuhr. Sichtlich gerührt beim Anblick der vielen alten Fotos aus der damaligen Zeit, erzählte er im Gespräch mit der AZ, dass er „in der Zuckerfabrik von der Pike auf gelernt“ hat. Er besuchte die Ingenieurschule in Köthen und sei als Siedemeister für die unterschiedlichen Abläufe verantwortlich gewesen. Von 1957 bis 1994 arbeitete er in der Goldbecker Zuckerfabrik und hofft auf noch viele Treffen der Ehemaligen.

Die Idee für ein Zuckerfest hatte der Goldbecker Gemeinderat. Er war es auch, der die Fabrikarbeiter eingeladen hatte. Die Zuckerfabrik war damals der größte Arbeitgeber in der Region. 200 Männer und Frauen zeigten nun ihre Verbundenheit zu ihrem ehemaligen Arbeitsplatz.

Die Ehemaligen saßen an zwei langen Kaffeetafeln einige Stunden zusammen, um sich gemeinsam an die alten Zeiten in der Goldbecker Zuckerfabrik zu erinnern.

Auf Tischen und angelehnt an den Wänden standen auf Augenhöhe unzählige Paletten mit Jahrestafeln, auf denen die Geschichte der Zuckerfabrik von der Grundsteinlegung bis zur Schließung festgehalten ist. Großes Interesse galt den Schwarz-Weiß-Fotos, die damals auf Festen entstanden waren. Auch die große Lagekarte, ein gerahmtes Bild, das die Zuckerfabrik zeigt, sowie ein Shirt mit dem Aufdruck „Jugendclub Kristall“ zeugten vom damaligen Arbeitsleben.

Miteinander über die alten Zeiten ins Gespräch kommen – das war der Sinn des ersten Goldbecker Zuckerfestes.

„Ihr seid das Hauptprogramm mit den Geschichten der damaligen Zeit“, rief Torsten Dobberkau den Gästen in seiner Begrüßungsrede zu. Er erzählte auch von seinen eigenen Erinnerungen an die Zuckerfabrik, in der er für kurze Zeit gearbeitet hatte. Drei Dinge werde er nie vergessen, so der Ortsbürgermeister. Zum einen erinnerte er sich daran, wie er und sein Bruder mit der Oma spazieren gingen und die am Straßenrand verlorenen Zuckerrüben für die Kaninchen aufsammelten. Prägend sei auch der Geruch der Hackschnitzel gewesen, der über Goldbeck lag. Jedes quietschende Geräusch, ob von der Eisenbahn, den Traktoren oder dem Fabrikofen, hätten die Kinder erkannt.

Der Ortsbürgermeister dankte den Helfern, die die Halle für das erste Zuckerfest hergerichtet hatten. Zu Beginn begeisterte der Zirkus „Rebola“ von der Kindertageseinrichtung „Regenbogenland“ die Gäste mit einem Sommerprogramm. Die Ortsgruppe der Volkssolidarität sorgte mit selbst gebackenen Kuchen für die Stärkung.

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