„Die Rinnen sind übervoll“

Gefiederte Zeitgenossen werden teuer: Schwalbenturm in Werben geplant

An mindestens vier Storchennestern in der Kernstadt Werben besteht nach Einschätzung eines Experten aus Münster aktuell dringender Handlungsbedarf.
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An mindestens vier Storchennestern in der Kernstadt Werben besteht nach Einschätzung eines Experten aus Münster aktuell dringender Handlungsbedarf.

Werben – 36 Schwalbennester sind im Zuge der Arbeiten zur Fassadenerneuerung von der Außenhaut des städtischen Mietshauses Behrendorfer Straße 14/16 entfernt worden. Diese Zahl hat Bürgermeister Bernd Schulze (parteilos) im jüngsten Stadtrat zur Sprache gebracht.

An dem Abend informierte der Berger das Gremium auch, dass der Betriebsleiter der bislang für den Block zuständigen Wohnungsverwaltung aus Arneburg die Demontage der Nester der zuständigen Naturschutzbehörde angezeigt habe.

„Ich habe nichts gegen diese Vögel, ich sehe aber die Menschen im Vordergrund“, erklärte Schulze. Dabei hatte der von ihm benannte Verantwortliche offensichtlich nach den Buchstaben des Gesetzes gehandelt, wonach Fassadensanierungsarbeiten zwar als ein Grund dafür gelten, Nester der geschützten Schwalben überhaupt entfernen zu dürfen. Allerdings müssen Hausbesitzer das Vorgehen der Behörde melden. Verboten ist der Nestabbau in der Brutzeit der Vögel, ideal ist die Zeit zwischen Oktober und Februar. Nach der Sanierung muss ein künstliches Schwalbennest aufgebaut werden. Im Fall von Werben ist ein sogenannter Schwalbenturm im Gespräch. Dieser koste zwischen 7000 und 10 000 Euro, berichtete Schulze dem Rat. Der Werbener Schwalbennest-Wohnblock wird ab Beginn des neuen Jahres von einer in Iden ansässigen Verwaltungsgesellschaft betreut.

36 Schwalbennester sind vom Wohnblock Behrendorfer Straße in Werben wegen Arbeiten an der Fassade abgebaut worden.

Er wisse von Mietern des Objektes, in dem derzeit 21 Wohnungen belegt seien, dass diese nicht nur unter „dem Dreck“ leiden würden, den die Schwalben verursachten. Die Vögel seien in den vier Wänden der Mieter auch regelmäßig etwa in Wohnzimmer oder Schlafzimmer ungebeten zu Gast, schilderte der Bürgermeister. Mieter hätten Schulze auch schon angekündigt, eventuell in den Nachbarblock zur „Konkurrenz aus Seehausen“ umzuziehen, weil sich die Anwohner von den Schwalben gestört fühlten.

Als Standort für eine neue Schwalbennisthilfe sei das benachbarte ehemalige Wasserwerk im Gespräch. Für die Kosten dieser Installation sei eine finanzielle Unterstützung durch den Landkreis möglich, da es im Stendaler Kreis-Etat dafür eine entsprechende Kostenstelle gebe, wie das Stadtoberhaupt sagte. In die Fassadenerneuerung mit Sockelsanierung und Arbeiten am Putz investiert die kleine Hansestadt rund 30 000 Euro.

Und auch das geflügelte Sinnbild der Storchenstadt Werben macht weiterhin Arbeit. So habe der in der kleinen Hansestadt seit einigen Jahren aktive Storchenexperte Michael Tillmann aus Münster den Bürgermeister in einer jüngsten Sprechstunde darüber informiert, dass aktuell insgesamt vier Storchennester „zurückgebaut“ werden müssten. Hilfe bei der Finanzierung der Kosten gebe es hierbei auch beim Landkreis, informierte Schulze den Stadtrat. Ausgaben für das Beseitigen von Storchenkot hatten auch schon Schulzes Vorgänger Wolfgang Tacke (parteilos) beschäftigt, nachdem der Landkreis im Frühjahr 2017 ein Storchennest auf dem Dach der Gaststätte „Deutsches Haus“ montieren ließ. Auch aktuell bestehe Handlungsbedarf. So seien die Dachrinnen der Salzkirche und auch des Rathauses mit Storchenkot „übervoll“, wie Stadtratsmitglied Michael Schnelle (CDU) an dem Abend mitgeteilt hat. Dieses Wissen habe der Werbener, weil er für Fotoaufnahmen der betroffenen Dächer entsprechende Kameratechnik eingesetzt habe.

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